Rentabilität auf dem Prüfstand

Strafzölle: Voestalpine weniger betroffen, AMAG stärker

Freitag, 09. März 2018 | 13:43 Uhr

Der heimische Stahlkonzern voestalpine nimmt die neuen Strafzölle der USA zum Anlass, geplante Investitionen in Nordamerika zu hinterfragen. Grundsätzlich sei das Unternehmen aber maximal mit drei Prozent seines Umsatzes betroffen, so das Unternehmen. Der potenzielle wirtschaftliche Schaden sei daher überschaubar. Härter ist offenbar der österreichische Aluminiumkonzern AMAG betroffen.

Die AMAG erwartet 2018 durch die Strafzölle einen “negativen Ergebniseffekt im mittleren einstelligen Millionen Euro Bereich”. Die USA seien seit vielen Jahren ein wichtiger Markt für den Konzern, heißt es in einer Unternehmensmitteilung.

Für den kanadischen Teil der AMAG Produktion werden keine Auswirkungen erwartet, falls die Ausnahmen für Kanada wie angekündigt kommen. “Mittelfristig sind die Chancen und Risiken aus der Reaktion der Handelspartner der USA und allfälligen Änderungen von Warenströmen im Auge zu behalten”, wird Helmut Wieser, CEO der AMAG Austria Metall AG, in einer Aussendung zitiert.

In den USA werden 0,7 Mio. Tonnen Aluminium produziert aber 5,4 Mio. Tonnen verbraucht. Damit müssen 87 Prozent des Inlandsverbrauchs importiert werden. Auch bei Walzprodukten sind die USA Nettoimporteur, wobei sie 1,1 Mio. Tonnen einführen und 850.000 Tonnen ausführen. Die AMAG hatte für 2018 mit dem Export von 35.000 t Walzprodukten aus Ranshofen (OÖ) in die USA geplant.

Die AMAG hat 2017 bei 1,04 Mrd. Euro Umsatz einen Gewinn nach Steuern von 63,2 Mio. Euro ausgewiesen. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) gab es 164,5 Mio. Euro Gewinn.

Der Stahlkonzern voestalpine dürfte weniger betroffen sein: “Trotz der nur eingeschränkten Auswirkungen der Strafzölle auf unseren Konzern, veranlasst uns die aktuelle Vorgangsweise der US-Administration dazu, alle geplanten weiteren Investitionen in Nordamerika einer kritischen Überprüfung in Bezug auf ihre wirtschaftliche und politische Sinnhaftigkeit zu unterziehen”, wird voestalpine-CEO Wolfgang Eder zitiert.

Das Unternehmen habe im Vorjahr in den USA rund 1,2 Mrd. Euro Umsatz gemacht. Zwei Drittel davon stammten aus lokaler Produktion. Inwieweit die übrigen Umsätze betroffen sind, “ist derzeit in eingehender Prüfung”. “Faktum ist damit aber bereits auf Basis dieser Ziffern, dass maximal etwa 3 Prozent des aktuellen voestalpine-Konzernumsatzes von den US-Zöllen betroffen sein können und das wirtschaftliche Risiko damit selbst in einem Extremfall sehr überschaubar bleibt”, so der Schluss des Unternehmens. Man sei aber in Hinblick auf von Trump in Aussicht gestellte Ausnahmeregelungen “auf Basis unserer vielfältigen und sehr spezialisierten Hightech-Aktivitäten in den USA guter Dinge, entsprechende Lösungen für die voestalpine zu finden”.

“Realistischerweise” werde es noch einige Wochen dauern, bis die Details geklärt und allfällige Ausnahmen definiert sind. Die voestalpine habe schon vor einem Jahr eine “Taskforce USA” zur Beobachtung der US-Entwicklungen mit elf Mitarbeitern gebildet, das von US-Rechtsanwaltskanzleien, US-Partnerunternehmen und politischen Entscheidungsträgern vor Ort unterstützt werde.

Die voestalpine verweist auch auf 1,4 Mrd. Dollar (1,13 Mrd. Euro), die in den vergangenen Jahren in den USA investiert worden seien. 3.000 Arbeitsplätze seien damit in den USA entstanden. Auch seien die möglicherweise von den Importzöllen betroffenen Produkte “überwiegend in Nordamerika nicht oder kaum verfügbare High-Tech-Stähle, aus denen in den USA anspruchsvolle Halbfertig- oder Fertigprodukte erzeugt werden”.

Dazu gehöre aus Österreich in die USA exportiertes Stahlband, das von der “voestalpine Automotive Components” in Cartersville (Georgia) zu höchstfesten Leichtbaukomponenten für namhafte Automobilproduzenten in der Region verarbeitet werde. “Das Vormaterial für diese hochspezialisierten Produkte steht in den USA in dieser Qualität anderweitig nicht zur Verfügung”, so die voestalpine.

Auch Nahtlosrohre vor allem für die Öl- und Gasexploration werden in Kindberg in der Steiermark vorproduziert und in den USA zu Spezialprodukten weiterveredelt. Andere Beispiele seien Werkstoffe und Spezialteile für die Öl- und Gasindustrie sowie höchstbelastbare Flugzeugkomponenten aus der High Performance Metals Division, die in die USA importiert und dort weiterverarbeitet würden.

In Österreich besteht noch die Hoffnung auf Ausnahmen. US-Präsident Donald Trump selber habe die Maßnahmen als nicht endgültig bezeichnet und auf weitere Gespräche verwiesen, sagte Roman Stiftner, Geschäftsführer der für Stahl und Aluminium zuständigen Fachverbände in der WKÖ, am Freitag im Gespräch mit der APA.

Heute und morgen sollen Wirtschaftsgespräche beginnen. “Wir hoffen auf ein Einlenken und eine pragmatische Lösung”, so Stiftner dazu. Er gehe davon aus, dass auch den Experten in den USA klar sei, “dass man sich mit solchen Zöllen leicht ins eigene Fleisch schneiden kann. Wir dringen sehr deutlich darauf, dass sich die Verantwortungsträger am Verhandlungstisch zusammenfinden”. Stiftner sieht die Lage “zweigeteilt”: Die Kommunikationsart Trumps sei “neu und ungewöhnlich”, zugleich agiere dieser aber “durchaus differenziert”, operativ gebe es eine zweite Ebene. Schon die Ausnahmen für Mexiko und Kanada zeigten, dass Trump die Auswirkungen auf die nachgelagerte Industrie gut verstehe. “Das eine ist Rhetorik, das andere sind Maßnahmen. Wir werden sicherlich nicht mit derselben Rhetorik antworten”.

Stiftner will sich auf keine Zahlen einlassen, wie stark österreichische Firmen betroffen sein könnten, nicht einmal auf Größenordnungen. Potentiell sind jeweils fünf Unternehmen der Stahlerzeugung und der Aluminiumindustrie betroffen, mit der voestalpine bei Stahl und der AMAG bei Aluminium als Flaggschiffe. Letztlich werde aber alles davon abhängen, welche konkreten “Zolltarifnummern” auf der Liste stehen, welche konkreten Produkte also mit Zöllen belegt werden.

Eine Größenordnung für die Betroffenheit von Exporten aus Österreich gibt die Außenhandelsstatistik, wobei erst für die ersten neun Monate entsprechende Detailzahlen vorliegen. Demnach betrugen die Ausfuhren für “Eisen und Stahl” in die USA von Jänner bis September 2017 insgesamt 176 Mio. Euro. Hier ist aber auch Eisen enthalten, das auseinanderzudividieren ist nicht einfach. Die Ausfuhren von “Aluminium und Waren daraus” machten 125 Mio. Euro aus. Allerdings ist noch unklar, welcher Teil dieser Produkte von den Zöllen betroffen ist. Außerdem exportieren gerade große Firmen wie die Voest auch aus nicht-österreichischen Werken in die USA, diese Warenströme sind hier auch nicht erfasst.

So sehr Stiftner jetzt für eine Reaktion “mit kühlem Kopf” plädiert – sollte es keine Einigung am Verhandlungstisch geben, dann müsse die EU entsprechend reagieren. “Sollten die Zölle wie angekündigt eingeführt werden und unsere Hoffnung auf eine pragmatische Lösung in den nächsten Tagen nicht erfüllt werden, dann ist die logische Konsequenz Reziprozität”. Da unterstützte er die angekündigten Gegenmaßnahmen der EU.

Von: apa