GDL-Chef zog positive Bilanz nach Streik bei Deutscher Bahn

Streik bei Deutscher Bahn vorerst beendet – GDL droht weiter

Freitag, 13. August 2021 | 15:15 Uhr

Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn gönnt die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) den Kunden eine Atempause. Bei seiner vorläufigen Bilanz der am Freitag beendeten Streikwelle verzichtete GDL-Chef Claus Weselsky darauf, einen konkreten Termin für einen zweiten Arbeitskampf zu nennen. Der Gewerkschafter kündigte stattdessen eine Protest-Kundgebung gemeinsam mit dem Deutschen Beamtenbund am Dienstag (17. August) vor dem Bahn-Tower am Potsdamer Platz in Berlin an.

Nach der Kundgebung werde es nur noch “sehr kurze Zeit” bis zu einem erneuten Streik dauern, sagte Weselsky. Die Deutsche Bahn wiederum ist nach dem Ende des Lokführerstreiks zu weiteren Verhandlungen mit der Gewerkschaft bereit. Sie biete der GDL an, die Verhandlungen sofort wieder aufzunehmen, auch am Wochenende, teilte das Unternehmen am Freitag in Berlin mit. “Die DB ist davon überzeugt, dass wir am Verhandlungstisch kurzfristig Lösungen finden. Wir sind dazu bereit”, so Personalvorstand Martin Seiler. Für neue Streikdrohungen zeigte das Bahnunternehmen kein Verständnis.

Die erste Streikwelle sei hervorragend gelaufen, meinte hingegen GDL-Chef Weselsky. Es sei nicht einfach gewesen, die entschlossenen Kollegen davon zu überzeugen, nach 48 Stunden Streik zunächst wieder aufzuhören. Er wandte sich gegen Vorwürfe, die GDL streike für politische Ziele im Machtkampf mit der deutschen Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Insbesondere die Folgen des Tarifeinheitsgesetzes würden vor den Arbeitsgerichten geklärt. “Am Ende wird jeder sehen, wer die Mehrheit im Betrieb hat.”

Die Deutsche Bahn versuche vergeblich, den erfolgreichen Streik kleinzureden, meinte Weselsky. Der Ausstand hatte im Güterverkehr bereits am Dienstag begonnen, während der Personenverkehr von Mittwoch bis Freitagfrüh für 48 Stunden bestreikt wurde. Laut Bahn haben sich nur rund 5.400 der insgesamt 19.700 Lokführer beteiligt. Weselsky führte an, dass rund zwei Drittel gar nicht hätten streiken können, weil sie entweder Ruhezeiten einzuhalten hatten oder im Urlaub waren. Er verlangte erneut ein verbessertes Angebot.

“Die GDL hat ihr eigentliches Arbeitskampfziel nicht erreicht”, sagte indes Bahnsprecher Achim Stauß. Er wies auch darauf hin, dass in den ebenfalls aufgerufenen Wartungs- und Fahrdienstabteilungen deutschlandweit lediglich 120 Menschen gestreikt hätten. Bei den Zugbegleitern hätten sich rund 1.800 von 12.000 Mitarbeitern am Streik beteiligt.

Nach Einschätzung der Deutschen Bahn hat der Streik mehrere Millionen Menschen betroffen. Vor allem Pendler und Urlauber mussten auf andere Reisemöglichkeiten ausweichen. An normalen Tagen nutzen täglich rund 4,6 Millionen Fahrgäste die Züge des Nah- und Fernverkehrs, wie das Unternehmen in Berlin mitteilte. Auch in Österreich waren die Auswirkungen des Streiks in den vergangenen beiden Tagen zu spüren gewesen.

Mit dem Ersatzfahrplan habe man ein zwar stark reduziertes, aber stabiles und verlässliches Angebot gemacht. In den Regio-Netzen waren demnach an den beiden Streiktagen Mittwoch und Donnerstag jeweils rund 40 Prozent der Züge unterwegs. Im Fernverkehr wurde das Angebot nach rund 25 Prozent vom Mittwoch am Folgetag noch etwas gesteigert. Im Güterverkehr habe die Deutsche Bahn versorgungsrelevante Züge gefahren, sagte Konzernsprecher Stauß. Über die Tage seien aber rund 300 Züge stehengeblieben. “Diesen Stau bauen wir jetzt nach und nach ab.” Zur Schadenshöhe wie auch zu einem möglichen neuen Tarifangebot an die GDL machte er keine Angaben.

Am Freitag in der Früh fuhren die Züge in Deutschland zum größten Teil wieder im üblichen Umfang. Der Verkehr sei weitgehend normal gestartet, sagte ein Bahnsprecher. Allerdings könne es vereinzelt noch zu Einschränkungen kommen. “Wir bitten unsere Fahrgäste, sich vor Fahrtantritt in den digitalen Auskunftsmedien der Deutschen Bahn zu informieren”, sagte er.

Deutsche Bahn und GDL ringen in der Tarifrunde um eine Lohnerhöhung von 3,2 Prozent. Strittig ist jedoch, wann die Erhöhung greifen und wie lang der neue Tarifvertrag gelten soll. Auch Betriebsrenten sind ein Streitthema. Die Deutsche Bahn will die Kosten des Tarifabschlusses gering halten, weil sie in der Coronakrise hohe Verluste eingefahren hat. Zudem hat der Bund als Eigentümer im Gegenzug für Milliardenhilfen auch Einsparungen im Konzern verlangt.

Mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft gibt es seit knapp einem Jahr einen Tarifabschluss. Anfang 2022 erhalten die Beschäftigten 1,5 Prozent mehr Geld. Betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen. Die EVG kann aber im Fall eines höheren GDL-Abschlusses nachverhandeln.

Von: APA/dpa

Kommentare

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4 Kommentare auf "Streik bei Deutscher Bahn vorerst beendet – GDL droht weiter"


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Storch24
Storch24
Kinig
1 Monat 9 Tage

Einen in den Allerwertesten treten, das würde ich. Alle Jahre in der Urlaubszeit dieselbe Erpressung. Uns das dank der Gewerkschaften

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage

Hab nicht viel bemerkt…
Wesentlich schlimmer ist die Störung zwischen Verona und Domegliara, wo vor ein paar Wochen eine Sicherheitszentrale gebrannt hat. Seitdem haben die Züge regelmäßig Verspätungen teilweise auch von mehr als 30 Minuten, manche fallen komplett aus…
Und wie lange sie da unten für die Reparatur benötigen ist ungewiss… ist ja nur die Nebenstrecke zum Brenner…

Tutti menefreghisti, oder???

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

😀 😀 😀

xXx
xXx
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage

War doch nur ein bisschien länger, als die üblichen Verspätungen der DB

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