Bodenpersonal legt die Arbeit nieder

Streik des Bodenpersonals auf Berliner Flughäfen am Freitag

Donnerstag, 09. März 2017 | 16:26 Uhr

Passagiere an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld müssen am Freitag mit Verspätungen und Flugausfällen rechnen: Die Gewerkschaft Verdi hat die rund 2.000 Beschäftigten des Bodenpersonals zu einem Streik aufgerufen. Das teilte sie am Donnerstagvormittag mit. Der Ausstand soll Freitagfrüh gegen vier Uhr beginnen und Samstag gegen fünf Uhr früh enden.

Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg rechnet mit starken Beeinträchtigungen. Auch danach seien Einschränkungen zu erwarten. Noch war am Donnerstagvormittag kein Flug wegen des Streiks offiziell gestrichen, doch Fluggäste müssen sich auf zahlreiche Ausfälle einstellen. Sie sollten sich bei den jeweiligen Gesellschaften nach dem aktuellen Stand erkundigen, sagte ein Sprecher der Flughafengesellschaft. Air Berlin betonte, bei der Gepäckabfertigung werde es länger dauern. Wichtige Gegenstände wie Schlüssel, Schmuck, Laptops und Medikamente sollten ausschließlich im Handgepäck transportiert werden.

Auch heimische Flughäfen – allen voran der größte in Wien-Schwechat – sind vom Streik des Bodenpersonals an Berliner Flughäfen am Freitag betroffen. So fallen in Schwechat morgen alle 20 geplanten Hin- und Rückflüge von und nach Berlin Tegel aus. Es handelt sich um zehn Hin- und zehn Rückflüge. Vier Flüge von und nach Schönefeld stehen derzeit noch auf dem Programm.

Einem Flughafensprecher zufolge ist es aber nicht auszuschließen, dass auch die Schönefeld-Flüge ausfallen. Der Sprecher des Vienna International Airports bat alle Passagiere, sich bei den gebuchten Fluglinien über den Status ihrer Flüge zu erkundigen. “Zudem finden sich aktuelle Informationen auf der Homepage des Flughafen Wien”, sagte er zur APA.

Der Flughafen Graz ist am Freitag bei vier Verbindungen vom Streik in Berlin betroffen: Sowohl die beiden Abflüge nach Berlin, als auch die beiden Ankünfte aus der deutschen Bundeshauptstadt wurden Donnerstagnachmittag storniert.

Auch die drei Freitagsflüge vom Flughafen Salzburg nach Berlin fallen streikbedingt aus. Konkret betrifft das die Früh- und die Nachmittagsmaschine von Air Berlin nach Tegel und den easyJet-Flug am Nachmittag nach Schönefeld.

Am Flughafen Innsbruck könnte am Freitag ein Flug von Berlin nach Innsbruck und wieder retour ausfallen. “Ich gehe davon aus, dass diese Rotation gestrichen wird”, meinte ein Sprecher des Flughafens auf Anfrage. Eine offizielle Information der Airline liege bisher aber nicht vor. Sobald dies der Fall sei, würden die Passagiere über die Homepage des Flughafens informiert.

Da man aus Linz nicht nonstop nach Berlin fliegen kann – es gibt nur Zubringerflüge nach Wien und Frankfurt mit Anschlussmöglichkeit – ist der Flugbetrieb am blue danube airport in Hörsching nicht direkt betroffen. Von und nach Klagenfurt gibt es Berlin nur mittwochs und samstags im Hin- und Rück-Angebot, daher gibt es auch in der Kärntner Landeshauptstadt morgen keine Auswirkungen auf den Flugverkehr.

Hintergrund des Streiks ist der andauernde Tarifstreit zwischen Verdi und dem Forum der Bodenverkehrsdienstleister, in dem die an den Flughäfen tätigen Unternehmen organisiert sind. “Leider ist ein Streik unausweichlich geworden, weil die Arbeitgeberseite bisher immer noch kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt hat und eine Einigung auf dem Verhandlungsweg derzeit nicht möglich zu sein scheint”, sagte Verdi-Verhandlungsführer Enrico Rümker.

Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten einen Euro mehr pro Stunde bei einer Vertragslaufzeit von einem Jahr. Bisher verdienen sie durchschnittlich elf Euro. Die Arbeitgeber hatten am Dienstag eine Gehaltserhöhung um acht Prozent über drei Jahre angeboten, allerdings wies die Gewerkschaft dieses Angebot umgehend zurück.

Die Bodenverkehrsdienstleister nannten den Streik am Donnerstag “verantwortungslos”, weil er eine Lösung des Konflikts in weite Ferne rücke. “Wir haben unser Möglichstes getan, um einen Streik abzuwenden. Sowohl mit der Höhe des Angebots als auch mit der Laufzeit sind wir der Gewerkschaft weit entgegengekommen”, erklärte ein Sprecher.

Auch Air Berlin als größter Kunde der Berliner Flughäfen zeigte kein Verständnis für die angekündigten Arbeitsniederlegungen während der Reisemesse ITB. “Die ganze Welt blickt auf Berlin. Da ist dieser Streik überflüssig”, sagte Sprecher Ralf Kunkel. Kunden könnten ihren gestrichenen Flug auf einen anderen Termin umbuchen oder sich die Kosten erstatten lassen. Die Tickets für ausgefallene innerdeutsche Flüge könnten am Flughafen-Ticketschalter gegen Bahn-Gutscheine eingetauscht werden.

Schon im Februar hatten mehrere Warnstreiks des Bodenpersonals zu hunderten Flugausfällen und Verspätungen geführt. Dabei legten die Beschäftigten allerdings nur jeweils etwa einen halben Tag lang ihre Arbeit nieder.

Von: APA/dpa