Soziale Selektion bei Führungspositionen

Studie belegt: Die Elite angelt sich die guten Jobs

Montag, 19. Dezember 2022 | 12:50 Uhr

Die mitunter starke soziale Selektion bis an die Spitze von Unternehmen lässt sich anhand einer neuen Studie belegen: Die Top-Management-Positionen im Finanzsektor etwa sind fast ausschließlich Menschen vorbehalten, die aus der “etablierten Elite” kommen, schreibt ein Forscher der Paris Lodron Universität Salzburg. Deutlich weniger Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführer (CEOs) stammen aus der Arbeiterklasse, am ehesten sind sie in der verarbeitenden Industrie zu finden.

Akademiker, überwiegend männlich, weiß und mittleren Alters: CEOs werden oft als homogene Elite der Gesellschaft wahrgenommen. Das stimmt so nicht ganz, hat eine Forschergruppe herausgefunden. Vielmehr gibt es einen Zusammenhang zwischen der sozialen Klasse, aus der CEOs stammen, und der Branche, in der sie arbeiten. Für ihre Untersuchung befragten Maximilian Göbel (LMU München), Alexander Seymer (PLU Salzburg) und Dominik van Aaken (CFPU Wien) über 1.500 CEOs in Deutschland zu Merkmalen ihrer eigenen sozialen Klasse sowie der sozialen Klasse ihrer Eltern.

CEOs aus der etablierten Elite, also sehr gut ausgebildete Menschen, die in Oberschichtshaushalten aufgewachsen sind und heute mehr verdienen als andere Personen an einer Unternehmensspitze, sind der Studie zufolge oft in der Unternehmensberatung und im Finanzbereich tätig, höchst selten hingegen im Handelssektor. CEOs aus der Arbeiterklasse sind am häufigsten in der verarbeitenden Industrie, etwa im Bereich der Metallerzeugung, des Maschinenbaus, im Textil- oder im Ernährungsgewerbe zu finden. Äußerst selten sind sie hingegen in Finanz-, Versicherungs- und Immobilienunternehmen tätig. Das weist den Forschern zufolge darauf hin, dass die genannten Branchen undurchlässiger sind für “soziale Aufsteiger”.

Nur knapp 40 Prozent der CEOs, die aus der Arbeiterklasse stammen, haben laut den Studienergebnissen einen Hochschulabschluss. Der Frauenanteil ist mit 10 Prozent so niedrig wie in keiner anderen Kategorie, dafür ist der 9-Prozent-Anteil an CEOs mit Migrationshintergrund (die vorwiegend im Handelssektor arbeiten) hier so hoch wie in keiner anderen Gruppe. Rund ein Viertel aller CEOs stammen aus der Arbeiterklasse. Den höchsten Frauenanteil haben CEOs aus der bürgerlichen Mittelschicht mit knapp 17 Prozent, umgekehrt ist der Anteil mit Migrationshintergrund (mit rund 4 Prozent) in dieser Gruppe am niedrigsten.

“Mit dieser Analyse konnten wir empirisch zeigen, dass der Aufstieg bis an die Spitze von deutschen Unternehmen nicht nur eine Frage der individuellen Leistung ist, sondern auch von der sozialen Klasse abhängt und sich stark zwischen den Industrien unterscheidet”, fasst Studienautor van Aaken ein zentrales Ergebnis der Untersuchung zusammen. Hemmnisse für den Aufstieg auf der Karriereleiter resultierten häufig aus der Einstellungspraxis von Unternehmen, in denen der Auswahlprozess von der sozialen Klasse eines Kandidaten oder einer Kandidatin beeinflusst wird.

Von: apa

Kommentare

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5 Kommentare auf "Studie belegt: Die Elite angelt sich die guten Jobs"


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Faktenchecker
1 Monat 20 Tage

Besonders in Südtiroler Seilschaften.

Kinig
1 Monat 19 Tage

Ich erwarte zu diesem Thema nicht viele Wortmeldungen….

Pasta Madre
Pasta Madre
Tratscher
1 Monat 19 Tage

@ Rudolfo

Ja, weil die Elite hier nicht mitredet.

neidhassmissgunst
neidhassmissgunst
Universalgelehrter
1 Monat 20 Tage

Ein mir bekannter Albaner der ohne Sprachkenntnisse als Kind hierhergekommen ist und jetzt ein gut gezahlter Vorarbeiter und Fachmann in einer Baufirma ist – ist ein gutes Beispiel. 

Wenn jemand die KOMPETENZ hat so kann er oder sie sehr wohl sehr viel bei uns erreichen. Dieses alte Klischee von der Herkunft stimmt nur in gewissen Fällen. Natürlich meine ich die Kompetenz in den gefragten Bereichen.

Solche Leute sind gesucht und geschätzt und werden auch bezahlt, Punkt und Pasta. 

Paladin
Paladin
Superredner
1 Monat 20 Tage
Was ist daran jetzt so verwunderlich? Das fängt schon bei dem Bewerbungsschreiben an. in 9 von 10 Fällen fehlt es und 9 von 10 Lebensläufe sehen grausig aus. Die Art und Weise der meisten Bewerber ist auch die, was gibst du mir als Firma, nicht, deshalb will ich bei dieser Firma arbeiten. Das ist die s.g. “Elite” schnell ausfindig gemacht. Wer ein Motivationsschreiben sendet, einen einigermaßen gut lesbaren Lebenslauf mit einem Foto, das nicht vom letzten Urlaub stammt und auf FB gepostet wurde, hat schon gute Karten. Dann vielleicht nicht in Jogginghose und T-Shirt zum Interview erscheinen und über das… Weiterlesen »
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