Buchung von Durchfahrten

Studie zeigt Machbarkeit von Slot-System auf Brennerachse

Donnerstag, 22. Dezember 2022 | 12:32 Uhr

Eine von der Südtiroler Landesregierung in Auftrag gegebene Studie hat das Ergebnis zur Folge gehabt, dass Umsetzung eines Slot-Systems – also die Buchung von Durchfahrten – auf der Brennerautobahn rechtlich machbar ist. Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) sagte bei der Präsentation am Donnerstag in Bozen, dass das System prinzipiell auf alle Verkehrsteilnehmer angewandt werden könnte, der Schwerverkehr aber im Fokus stehe. Tirol zeigte sich sogleich gesprächsbereit.

Beim Schwerverkehr wären schließlich die meisten Beteiligten an einer planbaren Durchfahrt interessiert und er wäre zudem besser organisiert, argumentierte Kompatscher. Er berichtete, dass er bereits mit den Verantwortlichen der angrenzenden Ländern und der EU-Kommission gesprochen habe. Dabei sei die Idee auf Interesse gestoßen. Das System sollte nämlich großräumig auf der Strecke Rosenheim-Verona zur Anwendung kommen. Nun gelte es, in offizielle Gespräche einzutreten, für die Umsetzung wären nämlich die drei Staaten Deutschland, Österreich und Italien zuständig. Es brauche auch einen völkerrechtlichen Vertrag zwischen den Ländern.

Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) kündigte nach der Präsentation an, dass man sich “konstruktiv einbringen” wolle. “Der Vorschlag eines weiterentwickelten Dosiersystems ist ein konkreter Vorstoß gegenüber unseren europäischen Partnern, der Europäischen Kommission, aber vor allem auch gegenüber den Nationalstaaten”, sagte er.

Verkehrslandesrat René Zumtobel (SPÖ) zeigte sich über die bestätigte Machbarkeit erfreut: “Mit einem solchen Slot-System ist es möglich, mehr Planbarkeit auf der Straße zu schaffen – ähnlich wie es auf der Schiene bereits der Fall ist. Eine zwischen drei Nachbarstaaten abgestimmte, grenzüberschreitende Lkw-Dosierung hätte die große Chance, mit Unterstützung der EU, zu einem europäischen Leuchtturmprojekt zu werden”. Nun brauche es ein “koordiniertes Vorgehen und die Unterstützung der Nationalstaaten”.

Durch das Slot-System könnte, ähnlich wie im Flug-, Schiffs- und Bahnverkehr, auch auf der Brennerautobahn durch die Vergabe von Durchfahrtsrechten der Verkehrsfluss reibungsloser gestaltet werden, sagte Kompatscher weiters. Derzeit bestehen Verkehrsspitzen am Morgen, zu Mittag und am Abend, wobei teilweise die Kapazitätsgrenzen der Struktur überschritten werden. Durch eine bessere Verteilung könnten die Sicherheit und die Planbarkeit der Fahrt verbessert sowie die Belastungen für Umwelt und Anrainer verringert werden.

Die Studie, die vom Innsbrucker Universitätsprofessor und Europarechtsexperten Walter Obwexer erstellt worden war, befasste sich mit der technischen und rechtlichen Umsetzbarkeit. Der Jurist führte aus, dass einige Voraussetzungen eingehalten werden müssten. So müssten die Durchfahrtsrechte für alle Interessierten gleichermaßen zugänglich sein und eine korrekte Verteilung erfolgen. Zudem dürften keine zusätzlichen Gebühren für die Slots eingehoben werden.

Außerdem würden bestehende Fahrverbote, wie etwa ein Nachtfahrverbot oder ein sektorales Verbot, vom System berücksichtigt und damit auch weiter bestehen bleiben, sagte Obwexer. Orientieren würde sich das System zudem an der Kapazitätsobergrenze und würde auch Wetter, Baustellen und Unfälle einrechnen. Mattle und Zumtobel betonten, dass die Tiroler Fahrverbote weiterhin bestehen und nicht aufgeweicht werden. Die Machbarkeitsstudie werde nun auch im Tiroler Landhaus geprüft.

Wenig begeistert vom Slot-System zeigte sich indes Fritz Gurgiser, Obmann des Transitforum Austria-Tirol. In einer Stellungnahme gegenüber der APA meinte er, dass durch das Slot-System das “intelligente Lkw-Leitsystem” – welches das Transitforum 2018 vorgeschlagen und auf das man sich 2019 zwischen Berlin und Tirol geeinigt hatte – verhindert werde. Zudem sah Gurgiser eine Aushebelung der “über Jahrzehnte bewährten Schutzmaßnahmen von Kufstein bis Brenner”, von denen auch Südtirol durch eine geringere Belastung profitiert habe. Darüber hinaus solle davon abgelenkt werden, dass Südtirol seit mehr als 30 Jahren selbst “keine einzige Schutzmaßnahme auf ihrem Abschnitt der Brennerautobahn” verordnet habe. Die Maut zwischen Brenner und Salurn koste für Lkw immerhin nur 18 Cent pro Kilometer, während sie durch die Schweiz 84 Cent ausmache.

Wie das Land Tirol am Mittwoch nach einem Treffen des überregionalen Verkehrsnetzwerks des Alpenraums “iMONITRAF!” mitteilte, beträgt der Modal Split in der Schweiz im Güterverkehr 72 Prozent auf der Schiene und 28 Prozent auf der Straße. Über den Brenner fuhren 2021 über 2,5 Millionen Lkw bei einem Anteil von 72 Prozent auf der Straße und 28 Prozent auf der Schiene.

Von: apa

Bezirk: Bozen

Kommentare

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25 Kommentare auf "Studie zeigt Machbarkeit von Slot-System auf Brennerachse"


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Buffalo
Buffalo
Tratscher
1 Monat 6 Tage

Vielleicht wäre es zusätzlich auch sinnvoll zu überprüfen ob diese ganzen Waren wirklich über die Straße durch halb Europa transportiert werden müssen 

anonymous
anonymous
Kinig
1 Monat 6 Tage

Das wäre höchste Zeit ,U willkommen in einer neuen Welt

Faktenchecker
1 Monat 5 Tage

Die Hotelier werden sich freuen wenn die Gäste des preiswerten Slot um 02:30 in der früh einchecken…

Hausdetektiv
Hausdetektiv
Superredner
1 Monat 6 Tage

finde ich gut dann ist weniger verkehr. isr zu vergleichen mit den reservierungen während corona.

nikname
nikname
Universalgelehrter
1 Monat 5 Tage

wenn du dich da nicht irrst!?

Neanderthaler
Neanderthaler
Grünschnabel
1 Monat 6 Tage

So a Schwochsinn
Zerscht zohlsch fiar di Autobohn und nor konnsch vormerkn a nou…..Und wear glab,dass nor wianiger Verkehr isch,dr sell soll amol es Hirn inscholtn !!! Do geat holt nou mear Verkehr af di normaln Strossn….

Blitz
Blitz
Universalgelehrter
1 Monat 5 Tage

Vormerken, für Straßenbenutzung; noch mehr Bürokratie, total bescheuert.

Blitz
Blitz
Universalgelehrter
1 Monat 5 Tage

Bald muss man sich beim Einkaufen vormerken, idiotische Politik !

Gievkeks
Gievkeks
Superredner
1 Monat 6 Tage

Europa müsste hier endlich mal eine effizientere Lösung anstreben.

Europaweiter Ausbau von einem “Warehouse System” mit einheitlichen Containern.
Der gesamte Langstreckenverkehr läuft über Schienen. Sämtliches Umladen/Routing unterwegs funktioniert automatisch.

Sowas müsste mal in Gang gesetzt werden statt ewig an einem von Grund auf ineffizienten System herumzubasteln.

Fuchsschwoaf
Fuchsschwoaf
Grünschnabel
1 Monat 5 Tage

@Gievkeks, genau so ist es wenn schon in einigen Jahren der BBT in Betrieb gehen soll; wieso fängt man dann nicht endlich an das Rollmaterial auf der Schiene massiv aufzustocken. Ich fahre 1x pro Woche berufsbedingt nach Trient, während auf der A22 die Lkw`s Stoßstange an Stoßstange unterwegs sind ist die Zugschiene daneben meist leer. Wenn das auf der Straße funktioniert müsste es auf der Schiene erst recht möglich sein.

bern
bern
Universalgelehrter
1 Monat 6 Tage

Die Politiker wollen uns immer mehr und mehr gängeln. Wenn dann die Preise der Waren steigen, wars niemand gewesen.

Rabe
Rabe
Superredner
1 Monat 6 Tage

Bürokratie lässt grüßen . So viel zur Bürokratieabbau

ghostbiker
ghostbiker
Universalgelehrter
1 Monat 5 Tage

so an Schwochsinn vormerkn wenn irgendwo af do Autobohn hinfohrn willsch…jo geats nou?

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 6 Tage

…da dürfen halt nur mehr Touris fahren…

Olm weiter
Olm weiter
Tratscher
1 Monat 5 Tage

Dümmer geht immer!!!🤦‍♂️🤦‍♂️

oliveti
oliveti
Grünschnabel
1 Monat 5 Tage

Komplett neben dor Spur, aber Hauptsache unser Landeschef hat mit den anderen schon gesprochen.
Was ist jetzt mit der Studie wo alles auf die Schiene sollte, alles schon vergessen.

Gepetto76
Gepetto76
Tratscher
1 Monat 5 Tage

Alles was Politiker als Reibungslos und besser Funktionierend bezeichnen entpuppt sich als mehr Bürokratie, Teurer und Chaotischer….
Es leben immer mehr Menschen und der Verkehr soll immer weniger werden…
Und wehe wenn mal ein Artikel aus Südamerika nicht um 8 Uhr morgens im Regal steht.

Muggi
Muggi
Grünschnabel
1 Monat 5 Tage

Finde ich gut, daß mal wieder eine Studie für viel Geld gemacht wurde die dann, nachdem sie präsentiert wurde, in der untersten Schublade verschwindet und vergessen wird!

Faktenchecker
1 Monat 5 Tage

Die MEBO gehört ebenfalls reglementiert.

Guennl
Guennl
Superredner
1 Monat 5 Tage

Eine Schnapsidee!

Savonarola
1 Monat 5 Tage

und haben die Sesselwärmer auch errechnet, wie viele zusätzlichen Sesselwärmer es braucht, um so ein System aufrecht zu halten?
Einer will arbeiten und 10 doktern hinter seinem Buckel herum, wie sie am Besten auf ihm einhacken, sabotieren, ausbremsen, kritisieren und das (Arbeits)Leben schwer machen können, Komplimente. Eine Politik, die sonst bei jeder Gelegenheit den Geist Europas und die unsichtbaren Grenzen beschwört, aber dann so etwas gutheisst, anstatt das Problem bei der Wurzel zu bekämpfen, ist realitätsfremd.

OrB
OrB
Kinig
1 Monat 5 Tage

Sollte aber nur für Touristen gelten,freie Fahrt für die Einheimischen.

Guri
Guri
Superredner
1 Monat 5 Tage

Vignette wie in Österreich Slowenien , und das Problem ist gelöst mit den Status bei Ausfahrten ! . aber da verdienen die signori in Trento vielleicht weniger 😂

Savonarola
1 Monat 5 Tage

alles rennet, rettet und flüchtet auf die Staats-, Landes-, Gemeindestraßen und Neben- und Schleichwege

greenworld
greenworld
Neuling
1 Monat 5 Tage

Finde ich sehr gute Idee!
der verkehr muss eingeschränkt werden!
bravo, weiter so!

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