IDM-Fachtagung

“Südtirol als die Holzbau-Region Italiens positionieren”

Freitag, 07. Oktober 2022 | 16:22 Uhr

Bozen – Beim Klimaschutz führt an Holz kein Weg vorbei. Deshalb sieht auch der Klimaplan 2040 das Forcieren des Holzbaus als eine Maßnahme vor. Wie man auch in großen Dimensionen nachhaltig und gleichzeitig leistbar mit Holz bauen kann, war Thema einer Fachtagung zum Thema Holz, die IDM Südtirol heute in Bozen organisiert hat. Dabei zeigten Vertreterinnen der Stadt München und des Bayerischen Staatsministeriums auf, wie es gelungen ist, im Prinz-Eugen-Park in München eine ökologische Mustersiedlung in Holzbauweise zu errichten. In einer Diskussionsrunde, bei der auch Land- und Forstwirtschaftslandesrat Arnold Schuler mit dabei war, wurde besprochen, was sich Südtirol vom Holzbau-Trendsetter München abschauen kann, um sich als die Holzbau-Region Italiens zu positionieren.

Holz ist unumstritten ein besonders nachhaltiges Baumaterial. Es ist ein erneuerbarer Baurohstoff und hat den großen Vorteil, dass es im Laufe des Wachstums C02 bindet und auch bei der Gewinnung und Verarbeitung nur geringfügig C02 ausgestoßen wird. Wird Holz langfristig verbaut, wirkt es – ähnlich wie ein Wald – wie eine globale Kohlenstoffsenke. Das heißt, es fungiert im Prinzip wie ein Reservoir, das Kohlenstoff vorübergehend zeitweilig oder dauerhaft speichert. Landesrat Arnold Schuler befürwortet eine Holzbauweise im öffentlichen und privaten Bereich, denn: „Holz ist ein besonders geeignetes Material, um klimafreundlich und umweltschonend zu bauen. Holz ist nicht nur klimaneutral, sondern auch eine lokale Ressource, die Arbeitsplätze schafft und zur lokalen Wertschöpfung in Südtirol maßgeblich beiträgt“. Südtirol sei, so Schuler, auf dem Weg zur Umsetzung des Klimaplans 2040 also gut beraten, sich als die Holzbau-Region Italiens zu positionieren.

Hier gebe es aber noch Luft nach oben, meint Vera Leonardelli, Direktorin Business Development von IDM: „Im Vergleich zu unserer Nachbarregion Tirol ist der Holzbauanteil in Südtirol noch bescheiden. Während der Prozentsatz in Tirol bereits 30 Prozent und im gesamten deutschsprachigen Raum durchschnittlich 20 Prozent beträgt, hält er in Südtirol derzeit bei zehn Prozent.“ Die Verwendung von Holz solle deshalb bei der privaten, vor allem aber auch bei der öffentlichen Bautätigkeit vorangetrieben werden. Das sei eines der Ziele, das sich IDM als Koordinatorin der Arbeitsgruppe ProRamus gesteckt habe, die sich mit der Holzwirtschaft als strategischem Sektor beschäftigt und die Player der Holzwirtschaft miteinander vernetzt.

Wie das funktionieren kann, zeigt das Beispiel des Prinz-Eugen-Parks in München, das bei der IDM-Fachtagung Holz von Petra Kramer, leitender Ministerialrätin im Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr, von der Münchner Stadträtin Anna Hanusch und von Ulrike Klar, Stadtdirektorin vom Referat für Stadtplanung München, ausführlich erläutert wurde. Dort steht eine ökologische Mustersiedlung mit insgesamt über 200 Wohneinheiten – die derzeit größte Holzbausiedlung Deutschlands und ein bislang europaweit einmaliges Pilotprojekt für nachhaltiges Bauen. Beim Bau wurde eine Vielzahl an umweltrelevanten Einzelmaßnahmen über die Grundstücksgrenzen hinweg im gesamten Quartier umgesetzt und mit Hochbaukonstruktion kombiniert, was laut Abschlussbericht der Deutschen Bundesstiftung Umwelt hohen Innovationscharakter hat. Dabei hat die Stadt München neue Wege beschritten, indem die Vergabe von Grundstücken an ökologische und soziale Kriterien geknüpft wurde. Damit verfolgte sie auch das Ziel, die Holzbauweise im Geschosswohnungsbau mit alternativen Vergabemodellen zu etablieren. Neu war auch das Fördermodell, bei dem Mehraufwendungen durch Holzbauweise mit einem eigenen Zuschussprogramm unterstützt wurden. Besonderen Fokus legte man zudem auf die Qualitätssicherung. So waren die Planungsteams verpflichtet, ihre Entwurfsplanung in Bezug auf Holzbaukonstruktion, Schallschutz und Brandschutz einem fachkundigen Ratgebergremium vorzustellen, um die wesentlichen Vorteile der Holzbauweise, wie eine verkürzte Bauzeit, Kostensicherheit und die gewünschte Ausführungsqualität, zur Geltung zu bringen. Die verwendeten Holzbaustoffe mussten außerdem aus nachhaltiger Bewirtschaftung stammen und in Deutschland oder maximal 400 Kilometer von der Mustersiedlung entfernt gewonnen worden sein.

„Wenn wir den Anteil an Holzbauweise auch in Südtirol erhöhen wollen, tun wir gut daran, über den Tellerrand zu blicken und uns Beispiele anzusehen, mit welchen Maßnahmen der Einsatz von Holz außerhalb von Südtirol bereits gefördert wird und wie man diese Maßnahmen in Südtirol übernehmen und optimieren könnte. Ich freue mich, dass wir den Teilnehmerinnen und Teilnehmern unserer Konferenz heute mit dem Prinz-Eugen-Park ein sehr gelungenes Trendsetter-Modell vorstellen konnten“, sagt Leonardelli. Die Referentinnen aus München diskutierten im Anschluss an ihre Ausführungen gemeinsam mit Landesrat Schuler, Unternehmerin Christine Pfeifer und Unternehmer Markus Damiani darüber, welche Aspekte dieses Erfolgsmodells auch in Südtirol übernommen werden könnten.

Von: luk

Bezirk: Bozen

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1 Kommentar auf "“Südtirol als die Holzbau-Region Italiens positionieren”"


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Orch-idee
Orch-idee
Universalgelehrter
1 Monat 23 Tage

Ich habe ein Haus in Holzbauweise bauen lassen und bin sehr zufrieden… 👍

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