Top bei Wirtschafts- und Arbeitsmarkzahlen - Tradition wird groß geschrieben

Südtirol: “Boomende Modellregion mit Traditionsbewusstsein”

Mittwoch, 03. Oktober 2018 | 07:05 Uhr

Bozen – Südtirol, ein besonderes Stück Europa. Die autonome Provinz hat vieles vorzuweisen: Eine boomende Modellregion dreier Sprachgruppen, viel Traditionsbewusstsein und eine besondere Geschichte, die immer wieder vergegenwärtigt wird. Am 21. Oktober schreiten die Wähler südlich des Brenners zu den Urnen und wählen einen neuen Landtag.

Mit Stichtag 30. Juni 2018 zählte Südtirols Bevölkerung 528.918 Personen. Dies entsprach einem Zuwachs von 539 Einwohnern im Dreimonatszeitraum. 69,4 Prozent der Bevölkerung gehören der deutschen, 26 Prozent der italienischen, 4,5 Prozent der ladinischen Sprachgruppe an. Die zahlenmäßig stärkste Entwicklung erfuhr die italienische Sprachgruppe in der Zeit des Faschismus in den 1920-er und 1930-er-Jahren, als das Mussolini-Regime versuchte, durch die massive Zuwanderung aus dem Süden den “italienischen Charakter” Südtirols zu unterstreichen.

Das in weiten Teilen ländliche Südtirol zählt nicht nur zu den wohlhabendsten Regionen Italiens, sondern der gesamten Europäischen Union. Im Jahr 2016 verzeichnete Südtirol ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf von 42.500 Euro. Im Jahr 2017 legte das BIP laut einem Bericht der italienischen Notenbank in Linie mit dem gesamtstaatlichen Schnitt um 1,5 Prozent zu, für 2018 gibt es sogar Schätzungen mit einem Wachstum von 2,5 Prozent. Von 2007 bis 2017 wuchs die Wirtschaft in Südtirol um 12,8 Prozent, während sie auf gesamtstaatlicher Ebene um 4,8 Prozent schrumpfte.

Durchaus beeindruckend auch die Zahlen am Arbeitsmarkt in der autonomen Provinz: Wie aus den Daten des Landesinstituts für Statistik ASTAT hervorging, lag die Anzahl der erwerbstätigen Personen im zweiten Quartal 2018 bei 252.000. Die Erwerbstätigenquote (15-64 Jahre) belief sich auf 72,5 Prozent und die saisonbereinigte Arbeitslosenquote auf stabile 2,9 Prozent, was offiziell der Vollbeschäftigung entspricht. 8.600 Personen waren als arbeitslos gemeldet.

Etwa drei Viertel der lokalen Wertschöpfung in Südtirol gehen auf den Dienstleistungsbereich zurück – also etwa Tourismus, Handel und Verkehr. Von großer Bedeutung sind darüber hinaus der Bau- und Energiesektor. Das größte Unternehmen im Energiesektor ist die landeseigene Alperia. Wichtige Branchen sind auch die Lebensmittelindustrie (etwa mit dem Süßwarenhersteller Loacker), die Metall- und Holzverarbeitung, die Elektroindustrie sowie der Maschinenbau, etwa mit dem bekannten Sterzinger Seilbahnbauer Leitner.

Das Südtiroler Landschaftsbild wird von der Land- und Forstwirtschaft geprägt. Die Sohlen des Etschtals bis in den oberen Vinschgau und des Eisacktals bis in den Raum Brixen dienen vorwiegend dem Anbau von Äpfeln. Elf Sorten können markenrechtlich geschützt als “Südtiroler Apfel” vertrieben werden. Bekannt ist Südtirol auch für sein facettenreiches Weinanbaugebiet. Im Jahr 2016 umfasste die gesamte Weinbaufläche 4.653 Hektar. Viele Südtiroler Lagen sind von relativ milden klimatischen Bedingungen geprägt, welche im Etschtal (Unterland, Überetsch, Bozen, Terlan, Burggrafenamt) bis nach Meran reichen. Der Vinschgau und das Eisacktal sind hingegen etwas rauer.

Tradition wird in Südtirol großgeschrieben. Viele Südtiroler sind stolz auf ihre Bräuche und fühlen sich auch nach Jahrhunderten noch eng mit ihnen verbunden. Fester Bestandteil der Südtiroler Kultur sind etwa auch religiöse Prozessionen, das traditionelle Schnitzhandwerk, verschiedene Osterbräuche oder aber auch eine weniger über die Grenzen hinaus bekannte Tradition wie das Aufstellen und Bewachen des Kirchtag-Michls, einer Strohpuppe. In Südtirol gibt es zudem wahrscheinlich mindestens so viele unterschiedliche Trachten, wie es Täler gibt. Und: es gibt auch nicht den einen markanten Südtiroler Dialekt. Er variiert teilweise von Ort zu Ort.

Von: apa

Bezirk: Bozen