"Inneritalienische Mobilität oft unterschätzt"

Südtiroler Arbeitsmarkt zieht trotz Krise Arbeitskräfte aus Italien an

Mittwoch, 24. Juni 2015 | 12:31 Uhr

Bozen – Die inneritalienische Mobilität ist das Thema der neuesten Ausgabe der "Arbeitsmarkt news" der Beobachtungsstelle für den Arbeitsmarkt. Daraus geht hervor, dass in den Jahren 2009 bis 2014 auf dem Südtiroler Arbeitsmarkt 72.000 Einstellungen von etwa 35.000 Beschäftigten verzeichnet wurden, die in Südtirol arbeiten, aber in anderen italienischen Provinzen ansässig sind.

"In Zusammenhang mit dem Südtiroler Arbeitsmarkt wird allzu oft über die Rolle und Bedeutung der ausländischen Beschäftigten gesprochen und dabei die inneritalienische Mobilität unterschätzt", sagt Arbeitslandesrätin Martha Stocker. Der inneritalienische Arbeitskräfteaustausch sei jedoch größer als man denke und führe in gar einigen Fällen zur definitiven Wohnsitzverlegung nach Südtirol. "Selbst in Zeiten der starken Krise war ein positiver Saldo zu verzeichnen: Dies bedeutet, dass wesentlich mehr Personen aus Arbeitsgründen nach Südtirol kamen, als abwanderten." Der Südtiroler Arbeitsmarkt habe also trotz Krise weiter Personen angezogen.

Die durchschnittliche, über das gesamte Jahr gerechnete, provinzübergreifende Beschäftigung betraf im Vorjahr 13.500 Personen, davon 10.200 Einpendler und 3.300 Auspendler. Sieben von zehn Einpendlern kamen aus einer der folgenden fünf Regionen: Venetien (23 Prozent), Trentino (20 Prozent), Lombardei (zwölf Prozent), Apulien (neun Prozent) und Emilia-Romagna (sechs Prozent). Die Wirtschaftssektoren, welche die meisten Arbeitskräfte aus anderen Provinzen beschäftigen, sind das Gastgewerbe, die sogenannten "Anderen Dienstleistungen", das Baugewerbe und der Handel.

"Die Anstellungen von Personen aus dem übrigen Italien sind im Zeitraum von 2009 bis 2014 um 25 Prozent gewachsen", erklärt der Direktor der Landesabteilung Arbeit Helmuth Sinn. Nicht für jede Südtiroler Gemeinde seien dabei die Einpendler gleich wichtig. Die Gemeinden, die am häufigsten Arbeitnehmer aus den drei benachbarten Provinzen beschäftigten, sind Bozen (1.167 Beschäftigte), Sexten (243) und Corvara (157). Die letzten beiden Zahlen sind im Vergleich zu den Einwohnerzahlen der Gemeinden sehr hoch: Die Einpendler entsprechen 12,7 Prozent der Bevölkerung von Sexten und 39 Prozent der dort ansässigen Arbeitnehmer.

In Corvara sind es 11,6 Prozent der Bevölkerung und 42 Prozent der in der Gemeinde ansässigen Arbeitnehmer. Aufgrund der Daten der vergangenen Jahre lässt sich schätzen, dass jedes Jahr rund 500 bis 600 Arbeitnehmer ihren Wohnsitz nach Südtirol verlegen, weil sie hier eine Beschäftigung gefunden haben. Das sind zwischen 20 und 35 Prozent der von den Südtiroler Meldeämtern verzeichneten Neuzugänge aus anderen italienischen Regionen in der Altersklasse von 20 bis 59 Jahren.

Von: ©lpa

Bezirk: Bozen