Die Bilanz: 1.000 Kilometer, etwas Wasserdampf und leises Fahren

Südtiroler Pionier fährt von Rodeneck nach Stuttgart mit Wasserstoffauto

Donnerstag, 30. April 2015 | 16:47 Uhr

Rodeneck/Stuttgart – Zum ersten Mal in der Geschichte des Automobils wurde die Strecke von Südtirol nach Stuttgart mit einem Wasserstoffauto zurückgelegt: diese Pioniertat geht auf das Konto des Südtiroler Unternehmers Norbert Amort, Inhaber der Schwer Präzision s.r.l. in Rodeneck, und seit Beginn an einer der ersten Nutzer von Brennstoffzellen-Fahrzeugen. Die Bilanz: 1.000 Kilometer, ein bisschen Wasserdampf als einzige Emission und die Gewissheit, dass Brennstoffzellenautos Fahrkomfort ohne Abstriche und leises, elektrisches und emissionsfreies Fahren in einem Fahrzeug vereinen.

Ein weiterer Schritt Richtung Wasserstoff-Autobahn: die Eröffnung der Wasserstoff-Tankstelle in Innsbruck vor wenigen Wochen ermöglicht es nun auch den Südtiroler Pioniere der Elektromobilität mit Brennstoffzelle, erste weitere Fahrten in unsere Nachbarländer zu machen. Norbert Amort, der als einer der ersten Südtiroler seit August 2014 einen Hyundai ix35 Fuel Cell am Wasserstoffzentrum Bozen gemietet hat und täglich damit fährt, war von Anfang an begeistert von dieser neuen Technologie – auch sein Unternehmen Schwer Präzision in Rodeneck beschäftigt sich unter anderem bereits mit der Wasserstofftechnologie.

Am 25. April um 5.05 Uhr war es dann soweit: Der Südtiroler – begleitet von seiner Frau – fuhr Richtung Innsbruck, wo sie sich durch einen kurzen Tankstopp (die Betankung dauert drei bis vier Minuten) für die Weiterfahrt rüsteten. Über den Fernpass ging es dann weiter bis nach Stuttgart, wo in der Nähe des Flughafens getankt wurde. Nach getaner Arbeit hat das Paar die Rückfahrt nach Innsbruck angetreten, auf derselben Route wie bei der Hinfahrt mit einem Abstecher nach Nürtingen. Insgesamt wurden 1.034 km zurückgelegt.

Die Südtiroler Pioniere tanken den „Treibstoff made in Südtirol“ von Montag bis Samstag in Bozen Süd, wo auch die fünf Brennstoffzellen-Busse der STA betankt werden. Brennstoffzellen-Autos – reine Elektrofahrzeuge wie die Batterieautos, haben den Vorteil dass sie in 4 Minuten vollgetankt sind und bereits Reichweiten von 400 – 500 km haben. Durch die Errichtung der Tankstelle in Innsbruck hat sich die Einsatzmöglichkeit der Autos für Südtiroler Fahrer deutlich verlängert. Auch in Deutschland ist das Tankstellen-Netzwerk im Ausbau, gefördert durch das Nationale Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP), das innerhalb kurzer Zeit bis zu 50 neue Wasserstoff-Tankstellen bereitstellen will.

In den nächsten zwei bis fünf Jahren werden alle großen Autohersteller ihre Brennstoffzellen-Modelle auf den Markt bringen. Natürlich dort, wo es erste Tankstellen, Serviceeinrichtungen und interessierte Kunden gibt. Um innovative Regionen somit darauf vorzubereiten, wurde das von der EU finanzierte Projekt HyFIVE (Hydrogen For Innovative Vehicles) ins Leben gerufen: erstmalig arbeiten fünf große Autohersteller (BMW, Daimler, Hyundai, Honda und Toyota) gemeinsam in einem europäischen Projekt zusammen, um den Marktstart der Brennstoffzellenautos vorzubereiten. Mit im Projekt sind insgesamt 15 europäische Partner, neben den führenden Automobilherstellern auch Wasserstoffanbieter und international tätige Energieexperten. Über das Projekt werden 110 Brennstoffzellen-Elektrofahrzeuge (FCEVs) auf den Markt gebracht und die bestehende Wasserstoffinfrastruktur erweitert. In den drei unterschiedlichen Clustern (London, Kopenhagen, Cluster Süd mit Bozen, Innsbruck, München und Stuttgart) werden sechs neue Tankstationen errichtet. In diesem Projekt haben erstmalig Kunden mit Pioniergeist die Möglichkeit, die Fahrzeuge im Alltagsgebrauch auf Herz und Nieren zu testen und ihre Eindrücke, Anregungen und Wünsche an die Autohersteller weiterzugeben. Denn eine emissionsfreie Zukunft geht wohl uns alle an und kann nur gemeinsam zum Alltag werden.

Von: ©mk

Bezirk: Pustertal