2014 durchwachsenes Jahr für die Milchwirtschaft

Südtirols Milchwirtschaft trotzt der Krise

Montag, 27. April 2015 | 18:00 Uhr

Bozen – Die Wirtschaftskrise und der russische Importstopp führten zu rückläufigen Preisen am Milchmarkt. Die Südtiroler Milchwirtschaft konnte sich in diesem Umfeld jedoch gut behaupten. Die Bergbauern konnten aufgrund der schlechten Witterung das Futter nur sehr schwer einbringen, wodurch sich die Produktionskosten erhöhten. Die Südtiroler Bäuerinnen und Bauern lieferten 379 Mio. kg Milch an die Milchhöfe, der Milchpreis stieg leicht auf 49,88 cent/kg (ohne Mwst.). Der Umsatz der Südtiroler Milchwirtschaft stieg um 1,3 Prozent auf 451 Mio. Euro und der Sektor bietet 910 sichere Arbeitsplätze. Diese Bilanz zog der Sennereiverband Südtirol bei seiner Vollversammlung für das abgelaufene Jahr.

Herausforderung für die Zeit nach der Quote

Für Joachim Reinalter, Obmann des Sennereiverbandes Südtirol, ist klar, dass die Milchhöfe den Milchpreis auf den Märkten erwirtschaften. Durch das Auslaufen der Quoten werde mehr Milch auf den Markt kommen und die Gunstlagen ihre Vorteile verstärkt ausspielen können. Die Südtiroler Milchhöfe haben sich gut auf die Zeit nach der Quote vorbereitet. Sie haben in die Märkte investiert sowie in Qualität und Effizienz auf allen Stufen der Produktion. Doch das allein wird nicht reichen. „Die Politik hat die Verantwortung, durch entsprechende Rahmenbedingungen die Milchwirtschaft im schärfer werdenden Wettbewerb zu unterstützen“, fordert daher Reinalter. „Damit die Bäuerinnen und Bauern weiterhin Milch auf ihren Höfen produzieren brauchen sie Produktpreise, die eine lebensfähige Landwirtschaft ermöglichen. Milchproduktion zu Weltmarktpreisen ist im Berggebiet nicht möglich“, so Reinalter.

Trotz Konsumkrise erfolgreich am Markt

Der Lebensmittelmarkt in Italien leidet seit Jahren an einer Konsumkrise. Der Konsum ist 2014 zwar erstmals wieder leicht angestiegen, trotzdem entwickelt sich das Bruttoinlandsprodukt weiterhin negativ. „In diesem schwierigen Umfeld haben sich die Südtiroler Genossenschaften erfolgreich behauptet“, freut sich Reinalter. Die Südtiroler Produkte sind durch ihre hohe und beständige Qualität gefragt. Der Kunde kauft zwar bevorzugt bei Aktionen ein, legt aber Wert auf Sicherheit und Glaubwürdigkeit. „Genau bei diesen Themen können wir punkten. Wir haben eine gentechnikfreie Produktion, einen kontrollierten Rohstoff und ein vorbildliches Kontrollsystem, das sowohl die Einkäufer der Handelsketten als auch die Konsumenten schätzen. Dies trägt zu unserem Erfolg bei“, ist sich Reinalter sicher. Dadurch konnten die Produkte zu guten Preisen abgesetzt werden, was sich im leicht gestiegenen Auszahlungspreis bemerkbar macht. Zudem wird inzwischen fast die gesamte Anlieferungsmilch verarbeitet und man ist nicht mehr so stark dem Versandmilchmarkt ausgesetzt ist. Auch dies habe laut Reinalter zur Preisstabilisierung beigetragen.

Südtirols Milchprodukte sind gefragt

Die meisten Produktsparten haben sich positiv entwickelt. Mengenmäßig am erfolgreichsten war die Joghurtproduktion mit einer Steigerung von 5,1 Prozent auf 126 Millionen Kilogramm. Für Reinalter ist dies umso erfreulicher, als der Joghurtmarkt italienweit mengenmäßig um 2,0 Prozent gesunken ist. Erfolgreich am Markt behaupten sich auch die verschiedenen Käsesorten, deren Menge um 4,0 Prozent auf knapp 20 Mio. kg gesteigert werden konnte. Besonders die Frischkäselinie mit Mascarpone und Ricotta zeichnet sich mit einer Mengensteigerung von knapp 6,0 Prozent aus. Eine interessante Nische ist die Ziegenmilch. Die Ziegenmilchmenge wurde um 33 Prozent auf 0,8 Millionen Kilogramm gesteigert und daraus wurden Frischmilch, Käse, Joghurt und Butter hergestellt.

Strukturwandel schreitet weiter voran

Die Tendenz bei der Entwicklung der Anzahl an Milchlieferanten ist weiter rückläufig. „Wir hoffen, dass sich diese Entwicklung stabilisiert, weil die Milchhöfe den Rohstoff für ihre Qualitätsprodukte brauchen“, so Reinalter. In etwa 60 Lieferanten haben die Milchproduktion eingestellt, sodass es noch 4980 aktive Milchlieferanten gibt.

Dichtes Kontrollnetz schafft Sicherheit

Um sichere und gesunde Lebensmittel zu garantieren, wird auf allen Stufen engmaschig kontrolliert. Neutrale Prüforganisation ist der Sennereiverband Südtirol. Er überwacht den gesamten Prozess der Milchproduktion, vom Bauernhof bis hin zum fertigen Milchprodukt, das in den Handel gelangt. Im abgelaufenen Milchjahr wurden im Labor des Sennereiverbandes täglich 3.000 Rohmilchproben untersucht. Dies ergibt über 5 Millionen Analysen pro Jahr. Weiters wurden 16.000 Milchprodukte kontrolliert und dabei knapp 60.000 Analysen durchgeführt. Eine weitere Aufgabe des Sennereiverbandes ist die Beratung der Milcherzeuger sowie der milchverarbeitenden Almen und Direktvermarkter.

Auszeichnung des landesbesten Milchlieferanten

Am Bauernhof wird durch das perfekte Zusammenspiel von Tier und Mensch die Grundlage für die hohe Qualität der Südtiroler Milch gelegt. Milchproduzenten sind 365 Tage im Jahr gefordert, denn für beste Qualität braucht es täglichen Einsatz und Fleiß. Die Bemühungen der Bäuerinnen und Bauern werden durch die Auszeichnung des landesbesten Milchlieferanten sichtbar gemacht. Alle Milchlieferanten, die das gesamte Jahr Milch mit Superklasse abgeliefert haben, erhalten eine Plakette. 2014 waren dies 2.344 Lieferanten.

Aus allen Milchlieferanten wird nach einem ausgefeilten Punktesystem der Landesbeste ermittelt. Der landesbeste Milchlieferant 2014 ist Erwin Gschliesser, Bergchristel, Mareit/Ratschings

Von 100 möglichen Punkten hat er 98,99 Punkte erreicht. Der Bergchristel-Hof ist einer der 3500 Nebenerwerbsbetriebe in Südtirol. Der Hof trohnt in steiler Hanglage in Mareit mit wunderbarem Ausblick auf das Ridnauntal. 4 ha Wiese mit 125 Erschwernispunkten werden im Sommer zwei Mal gemäht.

Am Hof leben Erwin und Cornelia sowie die Kinder Laura, Robin und Niko sowie Erwins Vater. Im Stall stehen sechs Kühe, zudem befinden sich dort noch vier Schafe und einige Hasen. Erwin Gschliesser arbeitet Vollzeit auswärts, was besonders im Sommer bei der Futterernte eine Belastung darstellt. Jährlich werden in etwa 47.000 kg Milch an den Milchhof Sterzing geliefert. Auf seinem Weg zur Arbeit bringt er auch die Milch zur Sammelstelle ins Tal.

Für eine gute Qualität der Milch muss Vieles passen, so Erwin Gschliesser. Er ist sich aber auch bewusst, dass immer etwas passieren kann. „Dann ist es wichtig, sofort einzuschreiten und Abhilfe zu schaffen“, so der aktive Bauer.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen