Kurze Wege prägen die Lebensqualität entscheidend mit

Südtirols Pendler: Schmerzgrenze liegt bei 60 Minuten

Dienstag, 21. April 2015 | 18:06 Uhr

Bozen – Der Entwurf des neuen Landespersonalgesetzes sieht die Möglichkeit der obligatorischen Mobilität innerhalb von 50 Kilometer vom Wohnsitz des Bediensteten vor.

Dieser Umstand hat die Frage neu aufgerollt, wann man von einer „auspendelbaren Entfernung“ sprechen kann. Das AFI hat hinterfragt, wo die Schmerzgrenze bei Südtirols Arbeitnehmern liegt: Sieben Prozent der Südtiroler Arbeitnehmer wären bereit, eine Pendlerstrecke von mehr als 60 Minuten Fahrtzeit in Kauf zu nehmen, 27 Prozent bis zu einer Stunde, 17 Prozent bis zu 45 Minuten und 49 Prozent bis zu 30 Minuten.

Dazu AFI-Präsident Toni Serafini: „Einerseits kann nicht erwartet werden, dass jeder eine Arbeitsstelle vor der eigenen Haustüre vorfinden. Andererseits prägen kurze Wege vom Wohn- zum Arbeitsort die Lebensqualität entscheidend mit. Die Politik ist nicht nur für Sparmaßnahmen, sondern auch für Lebens- und Umweltqualität verantwortlich.“

Die zurückgelegten Wegstrecken vom Wohnort zum Arbeitsplatz sind aus mehrfacher Hinsicht interessant. Für die Arbeitnehmer sind sie ein Faktor für Lebensqualität. Für die politischen Entscheidungsträger sind sie mitbestimmend in der Ausrichtung von Mobilitäts-Infrastrukturen und –diensten (Straßen, Öffentlicher Verkehr).

Berufspendeln heute: Kurze Wege als Erfolgsfaktor für Lebensqualität

In der Umfrage wurden Arbeitnehmer dann als Berufspendler gewertet, wenn sie außerhalb ihrer Wohnsitzgemeinde arbeiten. 38 Prozent der befragten Pendler brauchen für den Weg vom Wohnort zum Arbeitsplatz weniger als 15 Minuten, 37 Prozent erreichen ihn in 15 bis 29 Minuten. Es zeigt sich also, dass in Südtirol für drei von vier Berufspendlern der Arbeitsplatz innerhalb einer halben Stunde erreichbar ist.

Das Auto ist immer noch das Haupt-Transportmittel. Dieses verwenden immerhin 76 Prozent der Pendler. 18 Prozent der Arbeitnehmer erreichen den Arbeitsplatz mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Pendeln kann durchaus ein Stressfaktor sein und sich negativ auf die Lebensqualität auswirken. Bedingt durch die kurze Pendlerdistanz ist dies in Südtirol jedoch (noch) selten der Fall. Nur elf Prozent fühlen das tägliche Pendeln als sehr starke oder starke Belastung. Der Großteil, nämlich 56 Prozent, sieht darin überhaupt kein Problem.

Die absolute Schmerzgrenze: 60 Minuten

Eines der Schlüsselelemente des Entwurfs des neuen Landespersonalgesetzes ist die obligatorische Mobilität in einem Umkreis von 50 Kilometer vom Wohnort des Arbeitnehmers. Eine Entfernung von 50 Kilometern kann allerdings, je nach Verkehrswegen, einen unterschiedlichen Zeitaufwand bedeuten. Das AFI-Barometer hat hinterfragt, welchen Zeitaufwand Südtirols Arbeitnehmer maximal in Kauf nehmen würden, um ihren Arbeitsplatz zu erreichen. Von allen befragten Arbeitnehmern würden 49 Prozent bis zu 30 Minuten Fahrtzeit in Kauf nehmen, 17 Prozent bis zu 45 Minuten und 27 Prozent bis zu einer Stunde. Nur sieben Prozent erklären sich hingegen bereit, eine Fahrtzeit von über eine Stunde auf sich zu nehmen. „Im Fall von beruflicher Mobilität ist nicht nur die Distanz vom Wohnort zum Arbeitsort zu betrachten, sondern vor allem die Erreichbarkeit innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens“, stellt Irene Conte, die innerhalb des Instituts das AFI-Barometer koordiniert, fest. „Hier spielen vor allem gute, günstige und ökologische Verkehrsverbindungen zwischen Wohn- und Arbeitsort eine tragende Rolle.“

Von: ©lu

Bezirk: Bozen