Auch in Bäckereien gibt es immer öfter Snacks to go

Supermärkte und Bäckereien verderben Gastronomen Geschäft

Sonntag, 31. Juli 2016 | 10:56 Uhr

Für Restaurants und Lokale werden Supermärkte gerade im Sommer immer mehr zur Konkurrenz. Nach Ansicht von Vertretern der Gastronomie-Branche in Deutschland vermiesen vor allem Getränke aus dem Kühlregel und Snacks zum Mitnehmen den Wirten teilweise das Geschäft. Auch in Österreich sind die Gastronomen über diesen Trend nicht erfreut.

“Die Supermärkte wollen ein Stück abhaben von den Außer-Haus-Umsätzen. Es gibt zunehmend eine Wettbewerbssituation zwischen der Gastronomie und dem Lebensmitteleinzelhandel”, sagte der Pressesprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Christopher Lück. Auch in längeren Ladenöffnungszeiten – teilweise bis Mitternacht – sieht die Gastro-Branche in Deutschland ein Problem.

Dass immer mehr Menschen im Einzelhandel zum Essen to go greifen, hat auch mit einem veränderten Konsumverhalten zu tun, wie eine Umfrage des Marktforschungsinstitut GfK von 2015 ergab: Pro Jahr nehmen die Deutschen rund drei Milliarden Mahlzeiten weniger zu Hause zu sich als noch vor zehn Jahren. Dies entspreche einem Rückgang um 4,2 Prozent. Verzehrfertige Salate, belegtes Gebäck, Baguettes oder andere Snacks in Supermärkten und Bäckereien seien dagegen besonders gefragt.

Auf die gestiegene Nachfrage von Essen und Getränken zum Mitnehmen hätten die Lebensmittelhändler mit einem Ausbau ihrer Angebote reagiert, sagte Christian Böttcher, Pressesprecher beim Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels. So habe sich das Sortiment von Produkten zum Unterwegs-Verzehr in den großen Supermärkten innerhalb von sieben Jahren fast verdoppelt.

Neu bei den Getränken sei das verstärkte Angebot von frisch gepressten Säften und Smoothies. Insgesamt sei der Umsatz von alkoholfreien Getränken im deutschen Lebensmittelhandel zwischen 2010 und 2015 von 10,7 auf 11,9 Mrd. Euro gestiegen. Zu den alkoholfreien Getränken zählen Erfrischungsgetränke, Limonaden, Fruchtsäfte, Gemüsesäfte, Instantgetränke, Wasser und Schorlen.

Eher geringere Auswirkungen haben für Restaurants dagegen die zahlreichen Kioske in deutschen Großstädten, die vor allem am Wochenende mit Kaltgetränken ein großes Geschäft machen. Dies liege nach Angaben der Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands an den unterschiedlichen Zielgruppen. Häufig sind es junge Leute, die sich ihr Bier statt in einer Bar in einem Kiosk holen, um sich damit auf den Gehsteig zu setzen. “Cornern” heißt das Jugendphänomen – übersetzt: an der Straßenecke abhängen – das besonders viel Zulauf in Berlin, Hamburg, Stuttgart, Köln oder Düsseldorf findet. In Österreich gelten striktere Ladenöffnungszeiten als in Deutschland: Vor allem in Wien floriert das Geschäft für illegale Bierverkäufer am Abend, etwa am Donaukanal.

Für Ärgernis sorgt die Konkurrenz durch Kioske vor allem in Berlin: Seit Jahren würden Clubs und Diskotheken durch die sogenannten “Spätis” der Getränkeumsatz wegbrechen, sagte Rainer Grigutsch von der Clubcommission, die die Berliner Clubszene vertritt. Die kleinen Läden haben lange geöffnet und führen in erster Linie Getränke, Snacks und Knabbereien.

Die Clubs ärgern sich nicht nur über den entgangenen Umsatz. Auch weggeworfene Flaschen und Müll vor ihren Discos stören sie – ein weiterer Effekt, den das Vorglühen mit sich bringe, sagte Grigutsch. In Köln seien “Spätis” inzwischen räumlich so ausgestattet, dass sie schon wieder Kneipencharakter hätten, kritisierte der Geschäftsführer von Dehoga-Nordrhein in Köln, Christoph Becker.

Von: APA/dpa