Leinen los und die Sorgen hinter sich lassen - wie hier in Monaco

Superreiche fürchten um ihre Pandemie-Gewinne

Sonntag, 28. März 2021 | 16:17 Uhr

Im Pandemie-Jahr 2020 gingen ganze Länder in den Lockdown und Angestellte ins Homeoffice – zugleich wuchs das Vermögen der Milliardäre um ein Fünftel. Fast zwei Drittel von ihnen wurden reicher, wie weiter aus Daten des Magazins “Forbes” bis Mitte Dezember hervorgeht. Nun überlegen die Superreichen, wie sie ihr Geld in Sicherheit bringen können, wie Interviews der Nachrichtenagentur Reuters mit sieben Millionären und Milliardären sowie mehr als 20 Beratern zeigen.

Dahinter steht die Überlegung, dass die Regierungen und die Gesellschaft als Ganzes sie wegen der Kosten der Krise zur Kasse bitten könnten. “Es ist ziemlich offensichtlich, dass auf alle die Rechnung zukommt”, sagt Rob Weeber, Chef des Vermögensverwalters Tiedemann Constantia.

Auch Milliardäre in den USA schnitten in der Pandemie gut ab, wie aus Studien des Institute for Policy Studies und Americans for Tax Fairness hervorgeht. Vom Beginn der Seuche an bis Anfang März wuchs ihr Vermögen um 1,3 Billionen Dollar und damit um fast die Hälfte. Ihr Gesamtvermögen von 4,2 Billionen Dollar ist inzwischen doppelt so groß wie das kollektive Vermögen der unteren Bevölkerungshälfte. In den USA leben etwa 328 Millionen Menschen.

Jedoch sind es auch besonders die amerikanischen Superreichen, die davon ausgehen, dass ihr Vermögen zunehmend in den Blick der Öffentlichkeit rücken wird. Aus den Interviews wird klar, dass sie unter US-Präsident Joe Biden höhere Steuern erwarten. Der Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz verweist auf die vier Jahre unter Bidens Vorgänger Donald Trump, in denen die “Ungleichheit gefeiert” worden sei. “Die Leute sagen, das war nicht wirklich die richtige Antwort”, sagt er zu den damaligen Steuersenkungen für Wohlhabende.

Als Reaktion richten die US-Milliardäre nun insbesondere Treuhandfonds für ihre Kinder oder andere Verwandte ein. Gegenwärtig liegt dabei die Schwelle für eine Steuerbefreiung bei 11,7 Mio. Dollar per Person. Noch zumindest – denn Biden sprach sich im Wahlkampf dafür aus, sie wieder auf 3,5 Mio. Dollar wie im Jahr 2009 zu senken. “Wir haben im vierten Quartal des vergangenen Jahres einen Anstieg bei der Gründung und Finanzierung von Trusts gesehen”, sagt Alvina Lo, Chefanlagestrategin bei Wilmington Trust. Die überwiegende Mehrheit der Kunden habe den Ausgang der Präsidentenwahl im November abgewartet “und dann einen hohen Gang eingelegt”.

Zum Teil sind die Maßnahmen drastischer. Superreiche ziehen in Staaten und Regionen um, wo die Steuergesetze und auch die Gesellschaft ihnen eher wohlgesonnen sind. Die auf Staatsbürgerschaften und Wohnorte spezialisierte Beratungsfirma Henley & Partners mit Sitz in London berichtet über einen sprunghaften Anstieg von Anfragen betuchter Kunden während der Pandemie: Aus den USA sei die Zahl der Anrufe 2020 um 206 Prozent zum Vorjahr gestiegen, aus Brasilien um 156 Prozent. Die Schweiz, Luxemburg und Singapur sind als langfristige Wohnorte besonders gefragt, sagt Babak Dastmaltschi von Credit Suisse.

Besonders Superreiche in Schwellenländern sehen dabei wohl eine weitere Gefahr: Die Furcht, dass die Belastung der Sozialsysteme zu Unruhen führen könnte. Insbesondere die jüngeren Generationen reicher Familien suchen ihr Heil im Ausland. “Covid hat im Prinzip dem Kaiser die Kleider heruntergerissen”, sagt Beatriz Sanchez, die bei Julius Bär für Lateinamerika zuständig ist. “Plötzlich wurde den Leuten klar: Unser Gesundheitssystem ist nicht stark, wir können nicht wirklich auf unser soziales Netz zurückgreifen.”

Von: APA/Reuters

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

8 Kommentare auf "Superreiche fürchten um ihre Pandemie-Gewinne"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
poison
poison
Grünschnabel
14 Tage 31 Min

no comment

Reader
Reader
Grünschnabel
13 Tage 23 h

Die armen Reichen

Doolin
Doolin
Superredner
13 Tage 21 h

…reich werden isch halt ah net oanfoch…
🤪

der echte Aaron
der echte Aaron
Universalgelehrter
13 Tage 22 h

Die Reichen werden mehr besteuert??..ha,ha,ha,ha,ha……wer glaub sowas?…..die Arbeiter können die Zeche zahlen, zumindest spüren sie es am meisten wenn der Aufschwung kommt. Wetten?

Fire
Fire
Neuling
13 Tage 23 h

Ich glaube da wird sich nicht viel ändern… die draufzahlen bleiben meistens die gleichen.. Normalverdiener… Und wen die Superreichen zur Kasse gäbeten würden hätten sie wahrscheinlich genug Zeit um ihr Vermögen in Steueroasen zu transferieren wenn sie es nicht schon gemacht haben;)

Entequatch
Entequatch
Neuling
13 Tage 21 h

Im letzen Absatz steht ‘besonders superreiche in schwellenlander……” ich war der meinung es gebe dort dort keine reiche und schon gar nicht superrreiche.
Zudem, genau in schweelen und drttewellander ist der steuersatz lecherlich. Aber der figer wird auf burger in anderen anderen lander die durchschnittlich uber 60%ihres einkommen abgeben musse, gezeigt

corona
corona
Superredner
13 Tage 5 h

Es herrscht seit Jahrzehnten (mindestens seit Untergang des Kommunismus) ein verschärfter Krieg zwischen den Reichen und den Armen auf der Welt.
Die Staaten und Länder werden immer ärmer, die Superreichen immer reicher.
Ich vertraue darauf, dass das Volk nicht unbegrenzt Geduld hat. Unruhen werden kommen, und die sind schlecht fürs Geschäft der Superreichen. Ein Börsencrash ist auch schon längst überfällig.

corona
corona
Superredner
13 Tage 5 h

Vielleicht zeichnet sich schon der Börsen-Supergau ab, vor dem Analysten seit Jahren warnen:
US-Hedgefonds in Not 
Credit Suisse warnt vor massivem Gewinneinbruch
Der Zahlungsausfall des US-Hedgefonds Archegos Capital lässt die Finanzwelt beben. Gleich mehrere Großbanken müssen laut Insidern mit schweren Verlusten rechnen. (Spiegel online)

wpDiscuz