2017 kletterten die Verkaufserlöse auf 3,5 Mrd. Euro

Swarovski rechnet mit Umsatzplus von bis zu vier Prozent

Sonntag, 28. Oktober 2018 | 08:05 Uhr

Der Kristallkonzern Swarovski mit Sitz in Wattens in Tirol erwartet im laufenden Jahr neuerlich ein Umsatzwachstum. “Ich rechne beim Gruppenumsatz mit einem Plus von drei bis vier Prozent”, sagte Konzernsprecher Markus Langes-Swarovski im APA-Interview. 2017 kletterten die Verkaufserlöse von 3,37 im Jahr davor auf 3,5 Mrd. Euro.

Der Zuwachs in der Kristallsparte werde sich etwa in der “gleichen Dimension” wie der Konzernumsatz abspielen, so Langes-Swarovski: “Die Prognose ist in diesem Bereich aber ungleich schwieriger, da sich das Geschäft sehr stark um Weihnachten konzentriert und damit steht und fällt.” In diesem Segment seien auch permanent punktuelle Anpassungen nötig, um das Ergebnis zu verbessern.

“Es laufen aktuell eine Reihe von Initiativen zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit. Für den Standort Wattens sind aber die wesentlichen Dinge umgesetzt”, erklärte Langes-Swarovski. Im Kristallbereich setzte das Unternehmen im Vorjahr 2,7 Mrd. Euro um. Den Rest zum Ergebnis steuerten der Schleifmittelhersteller Tyrolit (670 Mio. Euro) und Swarovski Optik (147 Mio. Euro) bei, die ebenfalls zur Gruppe gehören.

Mit der heimischen Standortpolitik zeigte er sich “grundsätzlich zufrieden”. Natürlich gebe es aus Unternehmersicht immer mehr Potenzial bzw. Länder, die bisweilen in einzelnen Bereichen wirtschaftsfreundlicher seien, so Langes-Swarovski: “Wir denken aber nicht kurzfristig. Wir sind mittlerweile 123 Jahre hier in Wattens und haben auch vor, hierzubleiben. Unsere Heimat und die der Kristallproduktion ist in Wattens, obwohl wir mittlerweile auf der Welt zuhause sind.” Dies sei nicht nur dem Know-how geschuldet, sondern die Produktion in Wattens ist sehr auf Nachhaltigkeit getrimmt, die in der Masse hochgradig automatisiert ist.

Natürlich sei die Erfahrung der Mitarbeiter hier am Standort ein wichtiger Beitrag dazu, wofür die Marke Swarovski geschätzt wird. Die in der heimischen Innenpolitik kontrovers diskutierte Arbeitszeitflexibilisierung begrüßte er, da sie Swarovski zugutekomme. Denn dadurch sei man flexibler und könne Produktionsspitzen besser abdecken.

Derzeit ist das Unternehmen in allen drei Bereichen ausschließlich familiengeführt. Langes-Swarovski: “Das muss nicht immer so bleiben.” Aktuell sei es “gut, wie es ist” und mache allen “sehr viel Freude”, aber Swarovski müsse sich als Unternehmen weiterentwickeln, argumentierte er: “Das ist nichts, was wir nicht hinterfragen.”

Grundsätzlich sollte man auch als Unternehmen nie zufrieden sein, meinte er: “Sondern daran arbeiten, die Marke entsprechend zu entwickeln.” Diesbezüglich sei man in den unterschiedlichen Segmenten umtriebig. Die Marke Swarovski finde sich in vielen Ausprägungen wieder, so Langes-Swarovski: “Und wir reichern sie immer wieder an. Eine gewisse Dosis an Unzufriedenheit ist immer wertvoll, um Dinge weiterzuentwickeln.” Zudem sei der Markt mit Kristallkomponenten ein “hart umkämpfter”, und Swarovski müsse verhindern, austauschbar zu werden. “Es ist ja nicht so, dass Menschen Kristalle unbedingt brauchen, sondern wir müssen sicherstellen, dass sie sie unbedingt wollen.”

Eine Prognose, was die Entwicklung des Weltwirtschaftsklimas anbelangt, wollte er nicht abgeben, nur soviel: “Die Situation ist unterschiedlich einzuschätzen, aber wir sind als Gruppe relativ diversifiziert über die Geografien aufgestellt. Natürlich haben wir – sowohl im Konsumgütergeschäft als auch im professionellen Geschäft – in den vergangenen Jahren China stark als Wachstumsmotor gesehen. Die Frage ist, wie sich der Markt weiterentwickelt.” Zwischenzeitlich habe es ein paar Eintrübungen gegeben, aktuell sei es wieder rosiger, so Langes-Swarovski: “Wir nehmen aber – bis auf einige Ausnahmen – in allen Märkten eine relativ gute Stimmung wahr.”

In puncto Diversifizierung sei man auch mit dem Auftrag von BMW, den man vor rund einem Jahr an Land ziehen konnte, “sehr zufrieden”. Der Konzern liefert für die Concept-8-Serie etwa geschliffene Gangwahlhebel und iDrive-Controller aus Swarovski-Kristall. Davor hatte man als “Automobilindustriezulieferer” bereits mit Daimler Erfahrung gemacht und Objekte für die Beleuchtung hergestellt. Insgesamt bezeichnete der Konzernsprecher diesen Bereich als “spannendes” Segment: “Das fordert uns von der Qualitätsorientierung her noch einmal ganz anders. Wenn man der Automobilindustrie zuliefert, sind die Auflagen strenger und es erfordert einen noch höheren Grad an Professionalisierung als in der Schmuckindustrie. Es macht aber sehr viel Spass, in diesem Segment aktiv zu sein.”

Außerdem gehe es dabei um eine “grundsätzlich wichtige Fragestellung”. Denn Mode und Schmuck unterlägen gewissen Zyklen, so Langes-Swarovski: “Je breiter wir unsere Kundensegmente aufstellen, desto besser kann man Tendenzen entgegensteuern.”

Von: apa

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