Trafiken hatten immer geöffnet - Zigarettenpreise stiegen

Tabakbranche und Staat profitierten von Corona

Donnerstag, 07. Januar 2021 | 13:15 Uhr

Die Tabakbranche und der Staat haben im vergangenen Jahr von der Coronakrise profitiert. Grenzschließungen und Reisebeschränkungen führten zu einem deutlichen Rückgang von Schmuggelzigaretten, was dem Staat mehr Tabaksteuer und den Trafiken höhere Umsätze und Spannen bescherte. Tabakfachgeschäfte blieben zudem alle Lockdowns hindurch offen. Die Zigarettenpreise stiegen.

Die Tabakindustrie musste keine Staatshilfen in Anspruch nehmen, bei JTI Austria/Austria Tabak habe es “keinerlei Kurzarbeit” gegeben. JTI habe in Wien in konzernverbundenen Unternehmen sogar 60 Stellen geschaffen, heißt es in einem Newsletter des Unternehmens vom Donnerstag.

Fuhren viele Österreicher früher nach Slowenien, Ungarn oder Tschechien, um dort billige Zigaretten zu kaufen, so war das aufgrund der coronabedingten Einschränkungen zum Teil nicht möglich. JTI schätzt, dass sich das Marktvolumen von in Österreich versteuerten Zigaretten im Jahr 2020 um 500 Millionen Stück auf 12,2 Milliarden Stück erhöht hat. Der Anteil der Schmuggeltschick betrug im Vorjahr 11 Prozent. 2019 waren es noch 16 Prozent.

Die Österreicher haben im vergangenen Jahr mehr in den heimischen Trafiken eingekauft, wobei es Unterschiede zwischen Ost- und Westösterreich gab. Die Trafiken im Westen mussten vor allem wegen der mangelnden Touristen aus Deutschland und der Schweiz Einbußen hinnehmen. Darüber hinaus gab es eine Verlagerung aus den urbanen zu den ländlichen Trafiken. Während etwa Trafiken in Einkaufszentren und auf Flughäfen starke Rückgänge verzeichneten, erzielten jene in grenznahen Regionen und in Wohngebieten höhere Verkaufszahlen.

“Die gleichen Einschränkungen, die in Ostösterreich positive Auswirkungen auf den Absatz in den Trafiken hatten, wirkten sich im Westen negativ aus. Hinzu kommt das vorzeitige Ende der Skisaison im März und komplette Ausfall des Saisonstarts im Dezember”, räumte Ralf-Wolfgang Lothert, Mitglied der Geschäftsleitung JTI Austria, ein.

Der Gesamtmarkt an in Österreich versteuerten und unversteuerten Zigaretten ist von 13,6 auf 13,5 Milliarden Stück leicht zurückgegangen. “Ob damit auch der individuelle Tabakkonsum gesunken ist, können wir zurzeit noch nicht sagen bzw. nehmen wir nicht an, da es 2020 auch viele Ausweichbewegungen in Richtung Wuzeltabak und Tabak zum Erhitzen gab”, sagte Lothert.

Für den Staat bedeuten weniger Schmuggelzigaretten mehr Einnahmen aus der Tabaksteuer. Österreich hat im vergangenen Jahr rund 2 Mrd. Euro aus der Tabaksteuer eingenommen – inklusive Mehrwertsteuer sogar 2,6 Mrd. Euro. Gegenüber 2019 ist das ein Plus von rund 6 Prozent.

Von jeder in Österreich verkauften Packung Zigaretten bekommt der Staat etwa 78 Prozent des Verkaufspreises in Form von Steuer, den Rest bekommen die Hersteller, Großhändler und Trafikanten. Mit 1. Oktober 2020 trat verspätet auch die erste Tabaksteuererhöhung seit zweieinhalb Jahren in Kraft. Das Packerl Zigaretten wurde im Schnitt um 20 Cent teurer. Der gewichtete Durchschnittspreis pro Packung lag im Vorjahr damit bei 5,15 Euro.

Positiv war das Coronajahr auch für die Trafikanten, deren Handelsspannen im Schnitt um 9,7 Prozent auf 150.200 Euro gestiegen sind. Die Umsätze erhöhten sich um 10,5 Prozent auf 1,1 Mio. Euro. In Summe betrug der Jahresumsatz der Trafikanten im Vorjahr 3,4 Mrd. Euro.

Der Steuerausfall durch nicht in Österreich versteuerte Zigaretten wird für das Jahr 2020 mit rund 260 Mio. Euro angegeben. Der Schaden für Hersteller und Handel liegt laut JTI-Newsletter bei etwa 77 Mio. Euro.

Von: apa