„Ältere Menschen verdienen optimale Unterstützung“

Tag des älteren Menschen: Ältere Generation als Gewinn ansehen

Mittwoch, 30. September 2015 | 17:23 Uhr

Bozen – Gleich mehrere Politiker haben sich zum Tag des älteren Menschen am 1. Oktober zu Wort gemeldet.

„Alterspolitik mit Zukunft erkennt an, dass ältere Menschen ein eigenständiges Anrecht auf ein unabhängiges, selbstbestimmtes und sozial gesichertes Leben innerhalb der Gesellschaft besitzen. Alterspolitik muss sicherstellen, inmitten der Gesellschaft gesund und aktiv alt zu werden und als Betroffener darauf vertrauen zu können, dass Hilfe und pflegende Fürsorge für diejenigen bereitgestellt sind, die der Hilfe bedürfen. Generationengerechtigkeit ist nicht nur Sicherung und Weitergabe materieller Güter, sondern auch für die ältere Generation die Anerkennung einer veränderten, soziokulturellen Rolle des reifen Menschen mit vermehrter Übernahme von Verantwortung in der Familie, in der Gemeinde und der Gesellschaft insgesamt“, erklärt der des Vorsitzenden der SVP-Seniorenbewegung, Otto von Dellemann.
 
In der gegenwärtigen politischen Diskussion um das Altern, den demografischen Wandel und die soziale Sicherheit habe die ältere Generation ein Anrecht darauf, als Gewinn und nicht als Last angesehen zu werden.
 
„Zweifellos bringt der Wandel eine Herausforderung für die Sozialsysteme mit sich. Gerade in der gegenwärtigen Diskussion um die Sanität, müssen den Senioren und ihren Anliegen unbedingt Rechnung getragen werden. Immer häufiger bahnt sich aber auch die Einsicht an, dass Ältere zunehmend zur Wertschöpfung in der Gemeinschaft beitragen, weil sie ihre Ressourcen, vor allem Erfahrung, Zeit, auch materielle Güter zur Unterstützung der nachfolgenden Generationen in Familie und Gesellschaft nutzen. Ihr Wert als Konsumenten ist von der Wirtschaft längst entdeckt. Individuelle Ressourcen und Potentiale älterer Mitbürger kann und muss sich die Gesellschaft erschließen, sie als Bestands-, aber auch Wachstumspotential anerkennen. Voraussetzung dafür ist ein altersgerechtes Arbeitsplatzangebot“, so von Dellemann

„Ältere Menschen verdienen optimale medizinische Unterstützung“

Auch der Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der ArbeitnehmerInnen in der SVP, Helmuth Renzler, erinnert an den alljährlich am 1. Oktober gefeierten Internationalen Tag der älteren Menschen. Allein in Südtirol machen die über 65-Jährigen rund ein Fünftel der Bevölkerung aus und bräuchten aufgrund ihrer geringen durchschnittlichen Renten zusätzliche Unterstützungen – insbesondere in der medizinischen und gesundheitlichen Versorgung.
 
Laut den Daten des staatlichen Fürsorgeinstitutes INPS/NISF lebten in der Provinz Bozen im Jahr 2011 102.076 Personen mit einem Lebensalter von über 65 Jahren. Heute sind es exakt 109.908 Personen. Der durchschnittliche monatliche Bruttorentenbetrag betrug im Jahr 2011 672,37 Euro und im Jahr 2015 sind es 774,19 Euro.
 
„Die Zahlen sprechen für sich: Wir haben in der Provinz 7.841 über 65-jährige Frauen und Männer mehr als vor vier Jahren. Die Tendenz ist stark steigend. Die Höhe der Renten aber leider nicht“, erklärt Renzler.
 
Die Anzahl der Senioren nehme konstant zu. Finanzielle Spielräume gebe es mittlerweile kaum noch für viele ältere Menschen. Schuld daran seien die ständig steigenden Preise und Lebenshaltungskosten und die fast gleich bleibenden Einkünfte. Das sei nicht von der Hand zu weisen. Deshalb gelte es in Zukunft noch stärker dafür Sorge zu tragen, dass diesem großen Anteil der Bevölkerung – den Senioren – trotzt ihrer geringen finanziellen Mittel eine hochwertige Gesundheitsleistung garantiert werde.

Eine medizinische Behandlung von Kosten abhängig zu machen. sei absurd. Unabhängig vom Lebensalter eines Patienten müsse die öffentliche Hand stets in der Lage sein, eine optimale Betreuung zu gewährleisten. Ob es sich dabei um Prothesen oder Wartezeiten für Fachvisiten handle, sei völlig irrelevant, so Renzler.
 
„Niemals zu vergessen ist die Tatsache, dass es unsere Senioren waren, welche das heutige Gesundheitswesen jahrzehntelang finanziert und aufgebaut haben. Gerade deshalb haben sie einen besonderen Anspruch auf hervorragende medizinische Betreuung – unabhängig von den anfallenden Kosten. Einsparungen sind in den Bereichen Verwaltung und der Organisation zu machen“, ermahnt Renzler abschließend.

25 Jahre internationaler Tag der älteren Menschen

Zum Tag der älteren Menschen würdigt die Sozialgenossenschaft Mit Bäuerinnen lernen – wachsen – leben deren Lebensleistung und den Gewinn, den sie für das gesellschaftliche Zusammenleben darstellen. Den internationalen Tag der älteren Menschen gibt es nun bereits seit 25 Jahren. Er wurde 1990 von der UNO ins Leben gerufen.

„Damit Menschen auch im Alter eine möglichst hohe Selbstständigkeit im familiären Umfeld genießen können, wurde die Seniorenbetreuung am Bauernhof und bei Gastfamilien im ländlichen Raum initiiert. Der Wert des älteren Mitmenschen und seine Lebenserfahrung sind uns dabei ein großes Anliegen“, betont die Präsidentin der Sozialgenossenschaft Mit Bäuerinnen lernen – wachsen – leben, Maria Hochgruber Kuenzer.

Seniorenbetreuung am Bauernhof sieht sich als ergänzendes Angebot zu bestehenden Dienstleistungen und kann für pflegende Angehörige auch als Entlastungsangebot genutzt werden.

LRin Stocker zum Welttag der Senioren am 1. Oktober

"Die immer älter werdende Gesellschaft stellt uns täglich vor neue Herausforderungen. Gerade im soziosanitären Bereich besteht deshalb in den nächsten Jahren Handlungsbedarf", erklärt Landesrätin Martha Stocker anlässlich des Tages der Senioren am 1. Oktober. Senioren seien heute zwar länger rüstig als früher, im Falle von plötzlicher Pflegebedürftigkeit müsse aber schnell Hilfe geboten werden.

Die Bevölkerungspyramide steht Kopf: Die Generationen erreichen dank des medizinischen Fortschrittes und der besseren Versorgung ein höheres Durchschnittsalter als noch vor einigen Jahren. "Ein erfreulicher Umstand, die älteren Menschen sind heute bereit und fähig, bis ins hohe Alter Verantwortung für sich und ihre Familie zu tragen und beteiligen sich aktiv und mit Freude am gesellschaftlichen Leben", so Landesrätin Stocker zum Tag der Senioren.

In der Altersklasse der 60- bis 80-Jährigen sind in Südtirol nur 3,7 Prozent der Menschen pflegebedürftig. Es handelt sich somit um eine fast zur Gänze noch gesunde und aktive Bevölkerungsgruppe. Erst über 80 Jahre beginnt der Anteil der Pflegebedürftigen zu steigen und erreicht in den höheren Altersklassen etwa 30 Prozent. Auch hier ist der Anteil der selbstständigen Menschen jedoch noch immer sehr bedeutend. In Südtirol sind zurzeit etwa 14.900 Personen pflegebedürftig, 10.900 von ihnen werden zu Hause gepflegt.

Viele der pflegenden Angehörigen und die Betroffenen selber sind meist auf eine Stütze und Hilfe von außen hingewiesen. Deshalb werden bis Anfang 2016 für alle betreuungs- und pflegebedürftigen Menschen und ihre Familien einheitliche territoriale Anlaufstellen in den jeweiligen Sprengelgebieten eingerichtet, welche als Schnittstellen zwischen dem Südtiroler Sanitätsbetrieb, den Sozialdiensten und den Seniorenwohnheimen dienen sollen. "Diese Stellen befinden sich zurzeit in allen Sprengeln im Aufbau. Künftig werden in den Anlaufstellen vor Ort und vor allem aus einer Hand, Informationen, Beratung und Begleitung zu den verschiedenen Pflege- und Betreuungsangeboten geliefert", unterstreicht Sozial- und Gesundheitslandesrätin Stocker. Durch die Vernetzung und enge Zusammenarbeit bestehender Dienste im Bereich der Pflege und der Betreuung sollen betroffene Familien unterstützt und der Weg zu den geeigneten Angeboten erleichtert und verkürzt werden.

Das Personal der Anlaufstellen wird aus Mitarbeitern bestehen, die bisher an verschiedenen Stellen in der Beratung und Unterstützung von Betroffenen und Angehörigen gearbeitet haben. Bis spätestens Ende 2017 sollen die Anlaufstellen dann stufenweise auch die kontinuierliche Begleitung der Pflege- und Betreuungsfälle übernehmen. "Mit der Einführung dieses neuen Dienstes versuchen wir den Grenzen der Pflege in den Familien Rechnung zu tragen. Wir wissen aber auch, dass in Zukunft ein Ausbau der ambulanten und stationären Pflege in den unterschiedlichsten Wohnformen nötig sein wird", so Stocker.

Von: ©mk/lpa

Bezirk: Bozen