Thyssenkrupp-Chef Hiesinger: "Zusätzlicher Wert von fünf Mrd. Euro"

Tata Steel und Thyssenkrupp besiegeln Stahlfusion

Samstag, 30. Juni 2018 | 19:29 Uhr

Die Konzerne Thyssenkrupp und Tata Steel haben den Zusammenschluss ihrer europäischen Stahlaktivitäten bekanntgegeben. Der bindende Vertrag über die Bildung des neuen Gemeinschaftsunternehmens sei unterzeichnet worden, teilte Thyssenkrupp am Samstag in Essen mit. Daran sind beide Konzerne zu jeweils 50 Prozent beteiligt.

Zuvor hatten der Vorstand und der Aufsichtsrat von Thyssenkrupp der Stahlfusion zugestimmt. Der Konzern verspricht sich davon jährlich wiederkehrende Synergieeffekte in Höhe von 400 bis 500 Millionen Euro. Die zuständigen Wettbewerbsbehörden, unter anderem in der EU, müssen den Zusammenschluss allerdings noch billigen.

Durch den Zusammenschluss sollen den Unternehmensangaben zufolge in den kommenden Jahren bis zu 4000 Jobs in Verwaltung und Produktion wegfallen, etwa je zur Hälfte bei Thyssenkrupp und Tata Europe. Der Name des neuen Unternehmens soll Thyssenkrupp Tata Steel B.V. lauten. Die Holding soll ihren Sitz im niederländischen Amsterdam haben. Weitere Einzelheiten wollen die Beteiligten am Montag auf einer Pressekonferenz in Brüssel bekanntgeben.

Das Joint Venture gehe nicht nur auf die Herausforderungen der europäischen Stahlindustrie ein. “Es ist die einzige Lösung, die für Thyssenkrupp und Tata Steel erheblichen zusätzlichen Wert von rund fünf Milliarden Euro schafft”, erklärte dazu Thyssenkrupp-Vorstandschef Heinrich Hiesinger am Samstag. Grundlage dafür seien die umfangreichen Synergien, “die jedes Unternehmen für sich alleine nicht realisieren könnte”. Für beide Partner führe die Einbringung der Stahlbereiche in das Joint Venture damit zu einer deutlichen Wertsteigerung.

In einer Erklärung von Thyssenkrupp hieß es zudem, das Zusammengehen mit Tata sei “ein wichtiger Meilenstein für die Transformation von Thyssenkrupp zu einem Industrie- und Dienstleistungskonzern”. Im Falle eines Börsengangs des Joint Ventures soll Thyssenkrupp demnach zudem einen höheren Anteil an den Erlösen in Höhe von 55 Prozent erhalten. Durch den Zusammenschluss soll der zweitgrößte europäische Stahlproduzent nach ArcelorMittal entstehen, mit derzeit 48.000 Mitarbeitern und Produktionsstätten in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden.

Für den seit sieben Jahren an der Konzernspitze stehenden Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger ist die nun erzielte Vereinbarung ein lang erwartetet Befreiungsschlag. Zuletzt war er immer wieder unter Druck geraten, weil Anteilseigner mehr Tempo bei dem seit langem angekündigten Umbau des Ruhrkonzerns gefordert hatten. Einzelne Investoren wie etwa der als aktivistisch geltende US-Investor Paul Singer und sein Hedgefonds Elliott hatten dabei vor allem den Thyssenkrupp-Chef scharf attackiert.

Bedenken gegen die Fusion waren zunächst vonseiten der Arbeitnehmer gekommen. Schließlich stimmte die IG Metall den Fusionsplänen aber zu. Gewerkschaftsvertreter kritisierten allerdings das Zustandekommen des Geschäfts mit dem indischen Tata-Konzern.

Von Thyssenkrupp hieß es dazu, die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern seien “erfolgreich abgeschlossen” worden. “Dabei ist es gelungen, die unterschiedlichen Formen der Mitbestimmung in den jeweiligen Ländern so zu berücksichtigen, dass die Grundidee eines integrierten Unternehmens mit einer gemeinsamen Führung zu verwirklichen ist.”

Von: APA/ag.

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