Eltern sollten mit Kindern eine tägliche Bildschirmzeit vereinbaren

Telefone für Kids: Wie viel Smartphone brauchen Kinder?

Mittwoch, 19. August 2020 | 11:38 Uhr

Nach langen Diskussionen ist die Entscheidung gefallen, der Nachwuchs bekommt ein eigenes Mobiltelefon. Doch ist ein brandneues Gerät angemessen? Und welche Einstellungen sind für sicheres Surfen und Chatten wichtig?

Zunächst sei es sinnvoll, vor dem ersten Smartphone einem jüngeren Kind ein einfaches Handy ohne Internetanschluss zu geben, um es langsam an die verschiedenen Funktionen und Einstellungen eines mobilen Geräts heranzuführen, meint Annabelle Jüppner vom Institut für Medienpädagogik (IFF) in München. “Natürlich werden da viele Kids mit den Augen rollen und stöhnen”, weiß Iren Schulz, die als Mediencoach bei der Initiative “Schau hin” arbeitet. Dennoch sei es gut, nur mit Anrufen und SMS zu beginnen.

Von speziellen Kinder-Telefonen rät Blasius Kawalkowski vom Onlinemagazin “Inside-digital.de” allerdings ab. “Die können meist nicht viel und sind nach kurzer Zeit wieder uninteressant.”

Eine Checkliste wie die von Klicksafe kann bei der Entscheidung helfen, ob das Kind für ein Smartphone bereit ist. Geht es dann an die Auswahl, ist ein gebrauchtes Gerät der Eltern oder ein günstiges Einsteigermodell eine gute Variante. “Ein junges gebrauchtes Smartphone wäre die Ideallösung”, ist Kawalkowski überzeugt.

Iren Schulz rät davon ab, dem Kind das neueste Modell in die Hand zu geben. “Es ist einmal zu teuer, es kann aber auch zu viel”, erläutert sie. Wichtig sei es, einen Schritt nach dem anderen in die digitale Welt zu gehen. Zu alte Modelle dagegen bergen die Gefahr, dass keine Updates mehr angeboten werden. “Und sie werden gerne – je weniger sie können – ganz zufällig im Bus liegen gelassen oder verloren.”

Annabelle Jüppner und Blasius Kawalkowski empfehlen, das Kind in den Auswahlprozess einzubeziehen und auf seine Bedürfnisse einzugehen. Die können je nach Alter variieren. Ist die Kamera wichtig? Oder geht es um Spiele, Apps, Musik oder Social Media? Daran kann sich dann die Displaygröße oder der Speicherplatz orientieren.

Medienpädagogin Jüppner rät für den Start zu Modellen mit stabilerem Design, also Mobilgeräte mit Metallrahmen oder einer gummierten Rückseite. Modelle mit Displaydiagonalen von 3,5 bis 5,7 Zoll ließen sich mit kleineren Händen noch gut bedienen.

Als sinnvolles Zubehör kommen den Experten zufolge vor allem robuste, stoßfeste Hüllen und eine Displayschutzfolie in Frage. Auch den Lautstärkepegel begrenzende Kinderkopfhörer seien empfehlenswert.

Je nach Alter, Entwicklung und Fähigkeiten des Kindes können Smartphone-Einschränkungen vernünftig sein. Also etwa eine Prepaid-Karte und ein mittels Passwort gesperrter App-Store. Durch Flatrates, die monatlich neu gebucht werden müssen oder Kostenbegrenzungen enthalten, lässt sich das Nutzungsverhalten zu Beginn erst einmal eingrenzen, erklärt Jüppner.

An jedem Smartphone sind Sicherheits- und Jugendschutzeinstellungen möglich. Darüber hinaus empfiehlt es sich, etwa bei Android-Geräten die Kinder- und Jugendschutz-App Jusprog zu installieren. Sie filtert beim Surfen im Internet mit einem beliebigen Browser im Hintergrund und blockiert Webseiten, die für Kinder und Jugendliche nicht geeignet sind. Auf iPhones ist das nur mit dem Jusprog-Kinderschutzbrowser möglich.

Alle Einstellungen ersetzten jedoch nicht die Begleitung durch die Eltern, meint Jüppner. Dabei immer transparent bleiben und alle Schritte mit dem Nachwuchs besprechen, damit die Kinder nicht denken, man wolle ihnen alles verbieten, rät Iren Schulz.

“Gerade bei Jugendlichen sollte nicht zu stark in die Privatsphäre des Kindes eingegriffen werden”, warnt Jüppner. Eltern sollten immer versuchen, im Gespräch mit ihren Kindern zu bleiben und als Ansprechperson bei Fragen oder Unsicherheiten da zu sein.

iPhones bieten in den Einstellungen unter Bildschirmzeit die Möglichkeit, Einschränkungen vorzunehmen und dafür einen eigenen Code zu vergeben, wie Jüppner erklärt. Bei Androiden funktioniert das unter “Digital Wellbeing/Jugendschutzeinsellungen”.

Als Empfehlung für die Bildschirmzeit gilt: Bis fünf Jahre maximal 30 Minuten pro Tag, ab sechs bis neun Jahren eine Stunde. “Anschließend kann man ein Wochenkontingent vereinbaren”, sagt Schulz.

Eltern können mit ihren Kindern auch einen Mediennutzungsvertrag abschließen. Darin wird festgehalten, wie lange und wofür das Handy pro Tag genutzt werden darf und was passiert, wenn die Nutzungszeit überschritten wird, erklärt Blasius Kawalkowski vom Onlinemagazin “Inside-digital.de”. “Darin könnten auch die Eltern involviert sein, die sich dann ebenfalls an entsprechende Zeiten halten müssen.”

INFO: Checkliste Klicksafe: http://dpaq.de/qYaLm

Von: APA/dpa

Kommentare

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13 Kommentare auf "Telefone für Kids: Wie viel Smartphone brauchen Kinder?"


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Jiminy
Jiminy
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

Wie viel Smartphone brauchen Kinder…? Schon diese Frage lässt mich die Haare zu Berge stehen…. Meine Kinder BRAUCHEN KEIN Smartphone!

kleinerDONNER
kleinerDONNER
Grünschnabel
1 Monat 7 Tage

brauchst du eines wenn wir ehrlich sind?

ehrlich2020
ehrlich2020
Grünschnabel
1 Monat 6 Tage

@kleinerDONNER 1:0 für kleinerDonner 🤣
Brauchen tuts ein nokia 3310 und fertig, smartphones sind zeitverlust, sogar 50jährige sitzten bereits stundenlang am smartphone… es verdirbt die Menschheit obwohl es in manchen Bereichen nüfzlich ist.

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 6 Tage

@ kleinerDONNER Ich kenne Leute, die keines haben.
Aber ohne käme ich z.B. nicht mehr in die finanzbezogenen Seiten der Poste.it.
Für den Onlinebankingzugang hab ich auf eine Alternative bestanden und dafür mehr investiert.

Der Rest … praktisch, aber nicht notwendig.

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

Ich sehe es andauernd im Urlaub beim Abendessen im Restaurant:
Die Kinder kriegen Telefon oder Tablet in die Hand gedrückt damit sie am Tisch Ruhe geben.

Oft isr meine Familie die einzige die mit seinen Kindern “old school” ohne Telefon/Tablet am Tisch sitzt.

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Tratscher
1 Monat 6 Tage

Es dürfte immer schwerer werden, dem Druck der “new school” standzuhalten:
ST im Bus: Mama starrt auf ihr Smartphone, Kind im Kinderwagen wischt auf seinem.
D auf dem Bürgersteig: Papa glotzt auf sein Handy, Baby auf dem Arm auch.

Grantelbart
Grantelbart
Superredner
1 Monat 7 Tage

Gar keins! Sie haben noch ihr ganzes Jugend- und Erwachsenenalter Zeit sich nach unserem Vorbild in Zombies zu verwandeln.

anonymous
anonymous
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

Keines

Server
Server
Tratscher
1 Monat 7 Tage

Gar keines! Was heißt hier Kids??? Altersgruppe??? Ist ja heutzutage auch egal, da bereits im Kindergarten rege gechattet und gespielt wird… die Psychologen wirds freuen….

Jiminy
Jiminy
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

den Augenärzten auch!

DoRiada
DoRiada
Grünschnabel
1 Monat 7 Tage

Olls fobiatn des zoig!

anonymous
anonymous
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

Wie kann man bloß so eine Frage stellen

Burgltreiber
Burgltreiber
Superredner
1 Monat 6 Tage

Bringt die Gesellschaft mit…hast du keines dann bist du schon verloren!

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