Musk informierte seine Mitarbeiter über den Schritt

Tesla will per Umstrukturierung Produktion beschleunigen

Dienstag, 15. Mai 2018 | 19:55 Uhr

Der mit Produktionsproblemen kämpfende US-Elektroautobauer Tesla will sich neu organisieren und schnell mehr Leute einstellen. Unternehmenschef Elon Musk schrieb seinen Beschäftigten, er habe eine “grundlegende Umstrukturierung” eingeleitet.

Dazu zähle vor allem eine flachere Hierarchie, um die Kommunikation zu verbessern. Musk beklagte sich ferner darüber, dass Unfälle mit Tesla-Autos in den Medien zu viel Aufmerksamkeit fänden.

Mit der Umstrukturierung reagiert Musk darauf, dass der Autobauer chronisch seinem Plan zur Produktion von 5.000 Model-3-Autos pro Woche hinterherhinkt. Mit dem Modell will Musk den Massenmarkt erobern.

In dem AFP am Montag vorliegenden Schreiben des Firmenchefs heißt es: “Wir verflachen die Managementstrukturen, legen Funktionen zusammen, wo es sinnvoll ist, und reduzieren Aktivitäten, die nicht lebenswichtig für den Erfolg unserer Mission sind.” Zudem werde Tesla weiter “rasch” Leute für die Produktion einstellen.

Bei der Produktion des Model 3 gibt es laut Tesla Probleme mit der Batterie. Im April liefen zeitweise nur 2.000 Wagen wöchentlich vom Band. Für das Auto, das mit einem Startpreis von 35.000 Dollar (rund 28.000 Euro) erschwinglicher ist als die bisherigen Tesla-Modelle, gibt es schon 400.000 Vorbestellungen. Langfristig strebt Musk eine Stückzahl von 10.000 neuen Wagen pro Woche an.

Musk beschwerte sich zudem über die angeblich überzogene Medienberichterstattung über Unfälle von Tesla-Autos. Konkret bezog er sich auf die Berichte über einen jüngsten Unfall in Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah, bei dem sich die Fahrerin eines Models S den Knöchel gebrochen hatte.

Es sei “super-verkorkst”, wenn solch ein Unfall auf den Titelseiten lande, hingegen über die Zahl von 40.000 Verkehrstoten in den USA im vergangenen Jahr kaum berichtet werde, schrieb Musk im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Das Erstaunliche an dem Unfall sei doch gewesen, dass die Fahrerin mit einem Knöchelbruch davon gekommen sei, obwohl sie mit der Geschwindigkeit von rund hundert Stundenkilometern einen Feuerwehrwagen gerammt habe: “Ein Aufprall mit dieser Geschwindigkeit führt normalerweise zu schweren Verletzungen oder dem Tod”, merkte der Tesla-Chef an.

Die entscheidende Frage bei dem Unfall ist allerdings, ob das Fahrassistenzsystem – der Autopilot – eingeschaltet war und somit möglicherweise versagt hatte. Nach Angaben der Zeitung “Salt Lake Tribune” soll die Fahrerin der Polizei berichtet haben, dass sie den Autopilot aktiviert und auf ihr Handy geschaut habe, als der Unfall geschah.

Tesla betont allerdings, dass der Autopilot kein selbststeuerndes Fahrsystem sei und der Fahrer auch nach Einschalten des Systems aufmerksam bleiben müsse.

Die US-Verkehrssicherheitsbehörde (NTSB) untersucht derzeit zwei tödliche Unfälle mit Tesla-Autos. Bei einem der Unfälle kam im März in Kalifornien ein Mensch ums Leben, der Autopilot war angeschaltet.

Bei dem zweiten von der NTSB untersuchten Unfall starben in der vergangenen Woche in Florida zwei Menschen, ein weiterer wurde verletzt. Der Wagen war bei dem Aufprall auf eine Mauer in Flammen aufgegangen. In diesem Fall gehen die Ermittler allerdings davon aus, dass das Assistenzsystem nicht aktiv war. Sie konzentrieren sich auf einen Batteriebrand, der durch den Unfall ausgelöst worden sei.

Die Batterie spielte möglicherweise auch eine Rolle bei einem Unfall mit einem Tesla-Auto in der Schweiz, bei dem ein 48-jähriger Deutscher ums Leben kam. Der Wagen fing bei dem Unfall am Donnerstag Feuer, die mögliche Ursache könne eine Überhitzung der Batterie gewesen sein.

Von: APA/ag.