Das Wohnen in Österreich ist teurer geworden

Teuerung in Österreich lag 2018 deutlich über dem Euroraum

Donnerstag, 17. Januar 2019 | 13:19 Uhr

Österreich gehört im Euroraum zu den teuren Pflastern. Während die heimische Inflation (HVPI) 2018 bei 2,1 Prozent lag, betrug der entsprechende Wert im Euroraum nur 1,7 Prozent. Dafür verantwortlich sind insbesondere Dienstleistungen rund ums Wohnen sowie Ausgaben in Restaurants und Hotels. Verglichen mit dem Rest der Eurozone geben die Österreicher viel Geld für Wirtshausbesuche aus.

Auch nach nationaler Betrachtung (VPI) zählten höhere Preise beim Wirten, in Restaurants und Hotels (+3,1 Prozent) zu einem wesentlicher Preistreiber im abgelaufenen Jahr. Im Schnitt hat sich das Leben in Österreich um 2,0 Prozent verteuert. Mit dafür verantwortlich ist auch der Tourismus. “Ginge es unserer Tourismuswirtschaft nicht so gut, wären solche Preissteigerungen in den Restaurants nicht durchsetzbar”, sagte der Generaldirektor der Statistik Austria, Konrad Pesendorfer, am Donnerstag bei der Jahrespressekonferenz zur Inflation.

In Österreich hätten aber Ausgaben für Bewirtung ein deutlich höheres Gewicht als in anderen Ländern, so Pesendorfer. Je höher die Gewichtung ist, desto höher der Einfluss auf die Inflation. “Die Menschen essen mehr auswärts als früher”, sagte der Statistik-Chef. So hat sich Wein im Restaurant im Vorjahr im Schnitt um 4,6 Prozent verteuert, ein kleiner Brauner wurde um 3,3 Prozent teurer, und für ein Schnitzel mussten Verbraucher um 3,7 Prozent mehr bezahlen als im Jahr 2017.

Die stärksten Preistreiber im Vorjahr waren abgesehen von Bewirtungsdienstleistungen merkbare Teuerungen bei den Mieten (+3,7 Prozent), den Treibstoffen (+9 Prozent) und Heizöl (+16,7 Prozent). Diesel verteuerte sich um mehr als 10 Prozent, Super um über 7 Prozent.

Reisefreudige Österreicher kamen im vergangenen Jahr hingegen gut davon: Pauschalreisen (-6,2 Prozent), Städteflüge (-24,2 Prozent) sowie Flugtickets allgemein (-4,7 Prozent) wurden 2018 deutlich billiger und zählten zu den stärksten Preisdämpfern. Auch Telefondienstleistungen und -geräte wurden im Schnitt um 3,1 Prozent günstiger.

Eine Beruhigung gab es bei Nahrungsmitteln. Nach hohen Preissteigerungen im Jahr 2017 zählten Lebensmittel im vergangenen Jahr nicht zu den Preistreibern, sagte Pesendorfer. Auch im Jahresverlauf 2018 hat sich der Preisauftrieb abgeschwächt. Dennoch stiegen die Preise für Öle und Fette im Gesamtjahr 2018 um 6,3 Prozent, Butter verteuerte sich um 11,7 Prozent. Milch, Käse und Eier wurden im Vergleich zu 2017 um 2,5 Prozent teurer, Brot und Getreideerzeugnisse um 1,8 Prozent. Fisch und Fleisch verteuerten sich um 1,5 Prozent. Spürbar teurer wurde auch Gouda (3,6 Prozent) und Fruchtjoghurt (3,4 Prozent). Günstiger wurden unter anderem Tomaten (-3,4 Prozent), Putenbrustfleisch (-0,9 Prozent) und Vollmilchschokolade (-0,8 Prozent).

Für den täglichen Einkauf (Mikrowarenkorb) mussten Verbraucher im Vorjahr durchschnittlich um 2,6 Prozent mehr bezahlen. Der wöchentliche Einkauf (Miniwarenkorb) verteuerte sich aufgrund höherer Spritpreise um 4,2 Prozent. Im Jahresverlauf hat der Preisauftrieb bei Treibstoffen, Heizöl und Nahrungsmitteln nachgelassen, weshalb die Dezember-Inflation mit 1,9 Prozent auch unter der Jahresinflation lag.

In Zukunft kann die Statistik die Preisentwicklungen im Lebensmittelhandel noch genauer abbilden. Heute sei die Verbraucherpreisindex-Verordnung, die der Statistik erlauben soll, auf die Scannerdaten der großen Supermarktketten zugreifen zu können, in Begutachtung geschickt worden. “Wir hoffen, dass Ende Februar der Erlass und die Veröffentlichung folgen”, sagte Pesendorfer.

Derzeit erfasst die Statistik tageweise Rabatte, 25-Prozent-Rabatt-Pickerln oder Preisunterschiede, die für Kundenkartenbesitzer gelten, nicht. Der Zugriff auf die Scannerdaten von Rewe, Spar, Hofer & Co. würde eine “signifikante methodische Änderung” bringen, sagte Ingolf Böttcher von der Direktion Volkswirtschaft der Statistik Austria. Böttcher räumte aber eine zweijährige Einarbeitungsphase ein, am Anfang müsse man zur Kontrolle parallel auch nach der derzeitigen Methode erheben. Für kleine Geschäfte soll es keine Verpflichtung zur Lieferung der Daten geben. Geplant ist ein Abdeckungsgrad von 85 Prozent des Umsatzes.

Eine gute Nachricht gab es indes für die Arbeitnehmer. Die Herbstlohnrunde 2018 brachte für die meisten Beschäftigten deutlich höhere Abschlüsse als die Teuerung des vergangen Jahres – an der sich die Kollektivertragsverhandlungen orientieren. Eingeläutet haben die Herbstlohnrunde die gewerkschaftlich stark organisierten Metaller, die traditionell die Linie vorgeben, auch wenn sie meist höher abschließen als alle anderen Branchen. Sie erhalten seit November des Vorjahres um 3,5 Prozent mehr. Gewohnt deutlich darunter lagen die Handelsangestellten, die ein Plus von 2,5 Prozent herausverhandelten – womit sie zwar klar über der allgemeine Teuerung liegen, aber minimal unter dem Preisanstieg beim täglichen Einkauf bei vielen ihrer Arbeitgeber.

Erheblich besser stiegen die Eisenbahner aus, die sich im Dezember rückwirkend mit 1. Juli 2018 auf ein Plus von 3,4 Prozent geeinigt haben. Für die Lkw-Fahrer gab es einen Zuwachs von 3,3 Prozent. Ein Fass aufmachen konnten auch die Brauer, die heuer um 3,2 Prozent mehr verdienen. Auf den gleichen Zuwachs kommen auch die Beschäftigten in der Bewachungsbranche. Die Beamten durften sich über einen Gehaltszuwachs von im Schnitt 2,8 Prozent freuen. Bei den Pensionen war die Regierung zurückhaltender, sie legten, je nach Pensionshöhe, um zwei bis 2,6 Prozent zu. Der bisher letzte Abschluss, jener der Arztangestellten in Wien, brachte am Mittwoch eine Kollektivvertrags-Erhöhung von drei Prozent.

Von: apa