Weinhaus PUNKT in Kaltern ebenfalls umgebaut

Theoretiker und Lokal-Matador: Architekt Hermann Czech wird 85

Montag, 08. November 2021 | 05:05 Uhr

Der Wiener Architekt Hermann Czech feiert am Mittwoch seinen 85. Geburtstag. Zur Ruhe gesetzt hat sich der einstige Assistent von Hans Hollein und Johannes Spalt, der sich auch als Theoretiker, Lehrender und Ausstellungsgestalter hervorgetan hat, jedoch noch nicht. Sein Name taucht nach wie vor bei großen Projekten auf. Zuletzt zeigte Czech mit der Neugestaltung des Sigmund Freud Museums im Jahr 2020 auf.

Geboren wurde Hermann Czech 1936 in Wien, wo er auch zunächst Philosophie sowie an der Schule für Filmgestaltung der Akademie für Musik und darstellende Kunst studierte. Sein Architekturstudium absolvierte er dann an der Technischen Hochschule Wien und später an der Akademie der bildenden Künste bei Ernst A. Plischke (dessen Arbeitsamt Wien-Liesing er 1997 restaurierte). Auch Konrad Wachsmann (Sommerakademie Salzburg) war ein wichtiger Lehrer.

“Architektur wird überschätzt”, hatte Czech 1971 seinen in den “protokollen” veröffentlichten polemischen Text “Nur keine Panik” begonnen, in dem er sich gegen eine auf Effekt und Aufmerksamkeit zielende Architekturhaltung wandte, die eigentlich “Öffentlichkeitsarbeit” sei: “Architektur ist Hintergrund.” Damals habe er bewusst “die Position des Spielverderbers” eingenommen, “und für mich hat sich an dem damals Formulierten auch nichts geändert”, versicherte Czech einmal im Gespräch mit der APA.

Doch Czech hat durchaus nicht nur kritische Zwischenrufe angebracht, sondern auch einige Bauwerke selbst gestaltet. Zu seinen verwirklichten Bauten zählen die Blockbebauung an der Wendeanlage der U3 in Wien-Ottakring (1997), eine Fußgängerbrücke im Wiener Stadtpark, die Rosa Jochmann-Schule in Wien-Simmering (1994), das Hotel Messe Wien (2005) sowie ein Wohnbau in der Mustersiedlung internationaler Architekten in Wien-Hadersdorf (2007).

Hinzu kommen Umbauten wie die Winterverglasung der Loggia der Wiener Staatsoper (1994). Bekannt wurde Czech auch durch eine Vielzahl von Gastroarchitekturen wie das “Kleine Cafe” (1970 und 1974), die “Wunder-Bar” (1976), das “Salzamt” (1983), das mittlerweile umgestaltete MAK-Cafe (1993), das “Theatercafe” (1998 und 2010) oder das Weinhaus PUNKT im Südtiroler Kaltern (2005).

Arbeiten von Czech waren unter anderem auf den Architekturbiennalen 1980, 1991 und 2000 in Venedig vertreten sowie bei Einzelausstellungen in London, Basel und Innsbruck. Er hatte Gastprofessuren an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien, der Harvard Universität in den USA, an der ETH Zürich oder an der Akademie der bildenden Künste Wien inne. Czech gestaltete auch eine Reihe von Ausstellungen, etwa “Wien 1938” im Wiener Rathaus, die Festwochenschau “Wunderblock” 1989 im Messepalast oder die Wiener Schubert-Schau im Historischen Museum (1997). Im Zusammenhang mit den 650-Jahr-Feiern der Universität Wien zeichnete er für die Schau “Der Wiener Kreis – Exaktes Denken am Rand des Untergangs” verantwortlich, im MAK war vor einigen Jahren die von ihm co-kuratierte Ausstellung “Josef Frank: Against Design” zu sehen.

Zu Czechs zahlreichen kritischen und theoretischen Publikationen zur Architektur gehören “Das Looshaus” (1976, zusammen mit Wolfgang Mistelbauer) und die 1996 in einer Neuausgabe erschienenen ausgewählten Schriften zur Architektur “Zur Abwechslung” (1978). Czech, der in Wien ein Atelier betreibt und u.a. zu Adolf Loos, Otto Wagner, Josef Frank und Christopher Alexander geforscht hat, wurde u.a. 1985 mit dem Preis der Stadt Wien für Architektur, 1998 mit dem Würdigungspreis des Landes Niederösterreich für Architektur, 2001 mit dem Kunstpreis Berlin und 2007 mit der Goldenen Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien ausgezeichnet. 2017 kam der damals erstmals vergebene Hans-Hollein-Kunstpreis, hinzu, der mit 15.000 Euro dotiert ist und in Würdigung des 2014 verstorbenen Stararchitekten an ein umfangreiches, international anerkanntes Werk vergeben wird.

Von: apa

Bezirk: Überetsch/Unterland

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