Schauplatz ist das futuristisch heruntergekommene Prag des Jahres 2029

Thriller mit Tiefgang: “Deus Ex: Mankind Divided” im Test

Mittwoch, 24. August 2016 | 15:39 Uhr

Jede Menge Freiheit, dichte Atmosphäre und eine packende Story mit vielen Wendungen: “Deus Ex: Mankind Divided” macht vieles richtig – und leistet sich dann doch ein paar überflüssige Schönheitsfehler. Einen Blick wert ist das Spiel aber trotzdem.

Zwei neue Beine, um schneller zu laufen? Oder ein Smartphone direkt im Ohr? In ein paar Jahren ist das technisch vielleicht kein Problem mehr. Doch wie verändert sich eine Gesellschaft, in der sich manche Menschen mit Hilfe von Implantaten und neuen Gliedmaßen aus Kohlenfasern verbessern können – und andere nicht? Antworten gibt Square Enix in “Deus Ex: Mankind Divided”, einem neuen und sehr düsteren Science-Fiction-Thriller in Spieleform.

Die Handlung beginnt in Prag im Jahr 2029, zwei Jahre nach den Ereignissen des Vorgängers “Human Revolution”. Zwischen “normalen” Menschen und den sogenannten Augmentierten herrscht Misstrauen. Wer Implantate im Körper trägt, wird diskriminiert, von der Polizei schikaniert oder in Ghettos umgesiedelt. Die Augmentierten wehren sich mit Polit-Aktivismus und Terror. Das behaupten zumindest die Medien. Doch wer steckt wirklich hinter den Anschlägen?

Um das herauszufinden, schlüpft der Spieler in die Haut von Interpol-Ermittler Adam Jensen, der selbst mehr als gründlich augmentiert ist. Dank seiner verschiedenen Implantate kann Jensen zum Beispiel höher springen, unbeschadet durch Giftgas-Wolken laufen, sich unsichtbar machen oder Löcher in Wände schlagen.

So entsteht die spielerische Freiheit, die das Markenzeichen der “Deus Ex”-Serie ist. Denn im Verlauf des Spiels muss Jensen immer wieder in Wohnungen, Fabrikkomplexe und sogar eine Bank eindringen. Wie er dabei vorgeht, ist ganz dem Spieler überlassen – von simplem Geballer über das Hacken von Computersystemen bis zum Schleichen ist alles möglich. Gewalt ist immer nur eine von mehreren Optionen. Theoretisch lässt sich “Mankind Divided” sogar durchspielen, ohne irgendeinen Gegner zu töten.

Wie in “Human Revolution” steuert der Spieler Jensen abwechselnd aus der Ego- und der Schulterperspektive. Und auch sonst übernimmt “Mankind Divided” viel von seinem Vorgänger – hüftsteife Animationen und die etwas unhandliche Steuerung inklusive. Im Detail haben die Entwickler zwar viel verbessert, vor allem bei den Schießereien. Ein richtig guter Shooter ist das neue “Deus Ex” deswegen aber nicht.

Vor allem Neueinsteiger und Gelegenheitsspieler könnte die Vielfalt an Möglichkeiten und Menüs außerdem leicht überfordern. Zumindest die Handlung des Vorgängers wird zu Beginn des Spiels aber gut zusammengefasst. Und wer sich in das Wirrwarr der verschiedenen Systeme einarbeitet, wird mit viel Tiefgang und dichter Atmosphäre belohnt. In diesem Punkt macht das Spiel dem guten Namen der “Deus Ex”-Reihe alle Ehre.

Viel Wirbel gab es vor dem Start des Spiels um die politischen Anspielungen in Trailern und anderem Marketing-Material – inklusive geschichtsblinder Slogans wie “Mechanische Apartheid” oder “Aug Lives Matter”. Im fertigen Spiel ist davon glücklicherweise kaum etwas zu sehen, stattdessen nutzt “Mankind Divided” den Klassenkampf zwischen regulären Menschen und Augmentierten nur als Hintergrund für einen klassischen Polit-Thriller.

Eine tatsächliche Auseinandersetzung mit den politischen Themen findet sich eher in den Nebenmissionen, in denen Jensen zum Beispiel Serienmörder jagt oder einer Untergrund-Zeitung bei der Recherche hilft. Diese kleinen Randgeschichten sind oft interessanter und abwechslungsreicher als die etwas unübersichtliche Hauptgeschichte mit ihrem abrupten Ende.

Nach dem Ende der Geschichte bietet “Mankind Divided” noch den Breach-Modus, in dem Spieler sich losgelöst von der Handlung verschiedenen Herausforderungen stellen müssen. Ohne den Kontext der Story macht das allerdings deutlich weniger Spaß. Hinzu kommt, dass der gesamte Modus in Design und Aufmachung wie ein Free-to-Play-Spiel wirkt – inklusive der Möglichkeit, Spielgeld und andere Boni für echtes Geld zu kaufen. Das hinterlässt in einem Spiel für 60 Euro einen faden Beigeschmack.

Der Kern von “Deus Ex: Mankind Divided” bleibt davon zum Glück unberührt und bietet auch ohne den Breach-Modus viel Spiel fürs Geld: 25 Stunden sollten Spieler für Jensens Ermittlungen mindestens einplanen. “Deus Ex: Mankind Divided” ist ab 18 Jahren freigegeben und steht für Xbox One, Playstation 4 und den PC im Handel.

Von: APA/dpa

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