"Zehn Prozent plus sind realistisch"

Tiroler Holzriese Egger mit starkem Umsatzwachstum

Montag, 18. Dezember 2017 | 07:25 Uhr

Der Holzkonzern Egger mit Stammsitz in St. Johann in Tirol erwartet für das Geschäftsjahr 2017/2018 ein zweistelliges Umsatzwachstum. “Zehn Prozent plus sind realistisch”, sagte Finanz-Chef Thomas Leissing im Interview mit der APA. In den vergangenen Jahren legte der Konzern jeweils Rekordumsätze hin, die Steigerungen blieben aber im einstelligen Prozentbereich.

2016/2017 hatte Egger einen Umsatz von 2,38 Mrd. Euro erzielt (plus 1,7 Prozent). Bereits im Halbjahresergebnis, das in der kommenden Woche veröffentlicht wird, werde man jedenfalls ein “schönes Wachstum” aufweisen, so Leissing. Dabei sei in der Halbjahresbilanz der zuletzt abgeschlossene Kauf des Masisa-Werkes in Concordia, Argentinien, nur mit einem Monat enthalten – im Ganzjahresergebnis werde die Akquisition hingegen bereits deutlich durchschlagen.

“Mit dem laufenden Geschäftsjahr sind wird grundsätzlich zufrieden, in manchen Märkten sehr zufrieden”, erklärte Leissing, auch Sprecher der Gruppenleitung des Holzwerkstoffproduzenten. Man habe es sowohl mit einer guten allgemeinen Konjunkturentwicklung als auch mit einer guten Branchenkonjunktur zu tun. “Wir erleben derzeit in ganz Europa eine hohe Bautätigkeit im Bereich Wohnungsbau, Einfamilienhausbau, im Bereich gewerbliche Bauten”, nannte der Finanz-Chef einen Treiber für die Branche. Die positive Konjunkturentwicklung wiederum merke man in ganz Europa – sowohl in Westeuropa als auch in osteuropäischen Hauptmärkten wie Polen, Tschechien oder Rumänien. Auch Russland, wo Egger zwei Werke besitzt, entwickle sich positiv. Dort habe sich das Geschäft nach schwierigen Jahren wieder normalisiert. Derzeit generiert der Konzern 63 Prozent seines Umsatzes in Westeuropa, 29,4 Prozent in Osteuropa und 7,6 Prozent in Übersee.

Auch in Großbritannien – dort ist Egger mit zwei Werken vertreten – seien die Rahmenbedingungen trotz bevorstehendem Brexit noch positiv. “Wir sind überrascht, dass die Nachfrage im Vereinigten Königreich unverändert positiv ist”, zeigte sich Leissing erfreut. Es werde in Großbritannien nach wie vor viel gebaut- dies sei teilweise schon vor der Brexit-Entscheidung initiiert worden. “Und die Abwertung des Pfunds führt auch dazu, dass die britische Möbelindustrie wettbewerbsfähiger ist und der Export von Möbeln aus dem Vereinigten Königreich deutlich angezogen hat. Dadurch erfahren wir Nachfrage nach Platten im Inland”, erklärte Leissing. Was ihm aber Sorge bereite, sei, dass zwei Drittel der Briten mittlerweile angeben, dass sich durch die Brexit-Entscheidung ihr Lebensstandard reduziert habe. Irgendwann werde sich dies auf das Verbrauchervertrauen niederschlagen, befürchtete der Egger-Finanzvorstand.

Die ausgerufene “Internationalisierungsstrategie” der Egger-Gruppe sieht Leissing in einem “systematischen Wachstum” begründet. Man brauche Märkte außerhalb Europas, dort sei Egger einfach an seine Wachstumsgrenzen gestoßen. So werde etwa in Westeuropa kein neues “Greenfield-Werk”, das heißt der Bau eines eigenen Werkes, hinzukommen.

Ein Teil dieser Strategie ist die erfolgte Übernahme des Werks in Argentinien, der erste außereuropäische Standort von Egger. Mittelfristig wolle man jedenfalls ein bedeutender Marktteilnehmer in Südamerika werden, gab Leissing die Zielrichtung vor. Mögliche weitere Zukäufe oder Werksgründungen dort, seien nicht in der Pipeline. In den nächsten Jahren gelte es, in das argentinische Werk zu investieren, das derzeit noch nicht ganz den technischen Egger-Standards entspreche. Überdies müssten nicht immer weitere Werke hinzukommen, sondern Strategie des Unternehmens sei es, durch Investitionen in bestehende Werke “große Clusterstandorte” zu schaffen.

Die Argentinien- Akquisition habe dazu geführt, dass Egger an Investitionen in diesem Halbjahr bereits soviel ausgegeben habe wie im gesamten vergangenen Jahr – nämlich rund 260 Mio. Euro, so Leissing. An die 400 Mio. Euro werde man insgesamt heuer investieren – vor allem weil ja zusätzlich noch der Bau eines Spanplattenwerkes in der polnischen Stadt Biskupiec läuft, der Ende 2018 finalisiert sein soll. Mit dem geplanten Werk in Lexington im US-Bundesstaat North Carolina werde man auch in den kommenden Jahren jeweils auf diese Investitionssumme von rund 400 Mio. Euro kommen – Rekord für Egger.

In den USA sei man im Zeitplan – das heißt der Baustart des ersten Egger-Werkes in den Vereinigten Staaten soll Ende 2018 erfolgen, die Werksinbetriebnahme Anfang bis Mitte 2020. Die protektionistisch angelegte Wirtschaftspolitik Donald Trumps habe für das Egger-Investment in den USA keine negativen Folgen. Dies liege daran, dass man dort fast ausschließlich für den US-Markt produziere, so Leissing. “Der US-Markt ist ein interessanter Markt, ein sehr großer Markt. Es gibt jedoch keine große Möbelindustrie, wie wir sie in Europa kennen, das muss sich erst entwickeln. Bei dieser Entwicklung wollen wir dabei sein”, erläuterte der Finanzchef. Das Ziel, auch in anderen Erdteilen wie etwa Asien oder Afrika mit Werken vertreten zu sein, sei übrigens mittelfristig nicht geplant.

Das Familienunternehmen besteht seit 1961 und beschäftigt rund 9.000 Mitarbeiter. Derzeit wird an 18 Standorten eine umfassende Produktpalette aus Holzwerkstoffen (Span-, OSB- und MDF-Platten) sowie Schnittholz hergestellt.

Von: apa