Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig bei Deutschlands Agrarminister Cem Özedmir

Totschnig für Balance zwischen Ökologie und Wirtschaft

Freitag, 20. Januar 2023 | 17:40 Uhr

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) begrüßt Anstrengungen in Richtung eines nachhaltigen Lebensmittelsystems, warnt aber davor, Ziele wie die Wirtschaftlichkeit der Betriebe zu vernachlässigen. Die Transformation dürfe nicht nur ökologisch, sondern sie müsse auch ökosozial erfolgen, sagte der Politiker am Rande der Grünen Woche in Berlin, die heuer im Zeichen der Kreislaufwirtschaft und der grünen Wende in der Landwirtschaft steht.

In Österreich beschreite man diesbezüglich bereits einen sehr guten Weg, verwies der Minister auf den hohen Anteil an Bioflächen in Österreich oder die hierzulande vergleichsweise hohen Tierschutzstandards. Bestätigt sehe er sich zudem durch das neue Agrarumweltprogramm (ÖPUL), das mit 90.000 Anträgen für 2023 unter den Bäuerinnen und Bauern sehr positiv angenommen werde.

Im Rahmen der Agrarmesse Grüne Woche, die den ökologischen Zeitgeist aufgreife, wolle er auf europäischer Ebene “Allianzen schmieden” und “Flagge zeigen”, so Totschnig. Wichtig sei dabei aber, dass die ökonomische Situation der Landwirtschaft vor dem Hintergrund multipler Krisen und damit in Verbindung stehend die Versorgungssicherheit nicht aus dem Blickfeld der Politik gerate.

Konkret nannte Totschnig die Erneuerbaren-Energien-Richtlinie (RED III), die derzeit im Trilog verhandelt werde. Der Minister will sich in diesem Kontext für eine “aktive Waldwirtschaft” starkmachen, die der Schlüssel für Erneuerbare Energien und die Reduktion fossiler Energieimporte sei. Für ihn sei es unverständlich, dass geplant werde, nachhaltige Biomasse nicht mehr als Erneuerbare Energie einzustufen, während gleichzeitig Kohlekraftwerke reaktiviert würden.

Ein Thema sei derzeit auch die Förderung von Biodiversität und die Wiederherstellung von Ökosystemen. Laut Totschnig ist das zwar ein wichtiges Anliegen für Österreich. Er lehne jedoch ab, dass im Gegenzug landwirtschaftliche Flächen in großem Ausmaß außer Nutzung gestellt werden, denn: “Wir brauchen Versorgungssicherheit für Europa.”

Darüber hinaus kam Totschnig auf eine Stärkung des Pflanzenschutzes bzw. auf ein anvisiertes Verbot von Pflanzenschutzmitteln in sensiblen Gebieten zu sprechen, das derzeit ebenso in der EU auf der Agenda steht. Diesbezüglich brauche es angesichts der vielen Krisen eine “erweiterte Folgenabschätzung”. Denn auch hier dürfe vor dem Hintergrund der vielen Krisen die Ökologie nicht gegen die Wirtschaftlichkeit ausgespielt werden, sagte der Minister.

In ein ähnliches Horn blies Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger (ÖVP). So stünden die Agrarier derzeit enorm volatilen Märkten und hohen Importpreisen, etwa für Düngemittel, gegenüber. Man könne die Betriebe daher nicht ständig mit neuen Forderungspaketen konfrontieren, kritisierte Moosbrugger die Politik Brüssels, die “den Finger dort in die Wunde legen soll, wo es Probleme gibt”. Es gelte, die verschiedenen Länder nicht in einen Topf zu werfen, zumal Österreich bei Tierwohl sowie Umwelt- und Biodiversitätsstandards im Vergleich zu anderen Ländern enorm vorgelegt habe. Selbstverständlich unterstütze aber auch er grundsätzlich Vorhaben, die darauf zielen, die Landwirtschaft in Richtung höherer Nachhaltigkeit zu entwickeln.

Der Präsident des ÖVP-Bauernbundes, Georg Strasser, pochte ebenso auf eine Balance zwischen den ökologischen und den sozialen bzw. wirtschaftlichen Ansätzen. “Weil nur dann kann unser Konzept der ökosozialen Landwirtschaft gelingen.” Außerdem sei die Teilnahme an Programmen wie ÖPUL nicht selbstverständlich, weswegen es bei deren Weiterentwicklung eine “praxisorientierte Gesetzgebung” und für die Landwirte tragbare wirtschaftliche Rahmenbedingungen benötige.

Von: apa

Kommentare

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3 Kommentare auf "Totschnig für Balance zwischen Ökologie und Wirtschaft"


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Oracle
Oracle
Universalgelehrter
13 Tage 18 h

.. naja, Cem ein Landwirtschaftsminister, der keine Ahnung von Landwirtschaft hat und wahrycheinlich glaubt, die Milch wächst im Supermarkt. Aber scheinbar ist es nicht der einzige Minister, der von seinem Kompetenzbereich keine Ahnung hat. Die Lambrecht ist ein weiteres Beispiel dafür….

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
13 Tage 12 h

Absolut ihrer Meinung , schlimm ist nur das NGOs mit Lügen die Landwirtschaft zerstören wollen, bezahlt werden sie von Ausländischen Investoren im Agrarbereich die sich höhere Importe von Lebensmitteln in der EU erwarten. Heimische Landwirtschaft zerstören rest importieren.. Klimaerwärmendes Bioanbau darf nicht gefördert werden.

Oracle
Oracle
Universalgelehrter
12 Tage 19 h

Leider gibt es immer mehr Politiker, aber auch Konsumenten, die keinen Bezug mehr zur Landwirtschaft haben, aber makelloses billiges Obst, Gemüse und Fleisch wollen und ständig über die Landwirtschaft lästern…und das, voller Unwissenheit….

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