Veränderungen in der Vegetation schon spürbar

Traditionelle Landwirtschaft in Gebirgsregionen unter Druck

Dienstag, 13. September 2022 | 09:40 Uhr

Innsbruck/Bozen – Der Klimawandel, Beutegreifer wie der Wolf und Kritik am Methanausstoß von Kühen sind nur einige Probleme, die traditionellen Bergbauern in Österreich zu schaffen machen. Das ist das Fazit von Markus Schermer, dem stellvertretenden Leiter am Forschungszentrum für Berglandwirtschaft der Universität Innsbruck. Veränderungen in der Vegetation der Alpen durch den Klimawandel seien schon jetzt spürbar, in Zukunft könne sich auch die finanzielle Lage der Landwirte weiter zuspitzen.

Schon heute könne man laut Schermer in den Bergregionen vermehrte Steinschläge sowie eine Verlängerung der Vegetationszeit beobachten. “Das bedeutet zwar eine längere Zeit, in der die Kühe auf die Weide können. Positiv ist das aber nur dann, wenn auch die Niederschläge entsprechend sind.” Momentan sieht es nicht danach aus: Immer extremere Witterungsschwankungen führten zu stärkeren Trockenphasen, die wiederum Ernteerträge schmälern könnten, so Schermer im Gespräch mit der APA anlässlich der dieser Tage in Innsbruck stattfindenden “International Mountain Conference” (bis 15. September). Durch Wasserknappheit könne es in Zukunft auch zu Herausforderungen in der Verteilung der Wassernutzung kommen. Es gelte dann abzuwägen, wie viel Wasser noch für die Landwirtschaft verwendet werden könne.

Die Klimaerwärmung schreite in Bergregionen rascher fort als im Tal. Von der Trockenlage betroffen waren traditionell schon inneralpine Gebiete in Tirol und Südtirol, aber auch in anderen Gegenden könnten Probleme durch Trockenheit zunehmen. Bei Veränderungen in der Alpwirtschaft spiele jedoch nicht nur der Klimawandel eine Rolle, vielmehr würden verschiedene Faktoren ineinandergreifen. Einerseits dringe durch den Klimawandel der Wald in höhere Lagen vor und verdränge landwirtschaftliche Nutzflächen. Andererseits könne die zunehmende Bewaldung aufgrund fehlender Arbeitskräfte nicht effizient gestoppt werden.

Um Landwirtschaft in Gebirgsregionen zu erhalten, brauche es laut Schermer auch in Zukunft verstärkt Förderung durch öffentliche Gelder. Zwar sehe man derzeit auch positive Entwicklungen durch den Klimawandel, zum Beispiel dass in Tirol jetzt auch Wein angebaut werden könne. Österreichische Bergbauern könnten seiner Einschätzung nach in Zukunft jedoch generell gezwungen sein, auf trockenresistentere Pflanzenarten umzusteigen.

“Im Worst-Case-Szenario geben Bauern die Landwirtschaft zunehmend auf. Dann wird der Wald die landwirtschaftlichen Gebiete übernehmen und die regionale Versorgung mit Nahrung kann nicht mehr sichergestellt werden”, so Schermer. Den Wert der Bergregionen sieht er jedoch nicht nur in der Lebensmittelproduktion. “Klar kann man sagen, man braucht diese Regionen nicht, wenn man alle Lebensmittel billiger importieren will.” Dann müsse man sich aber auch fragen, was das für andere Bereiche, wie etwa für den Tourismus bedeuten würde.

Für problematisch hält Schermer auch die gesellschaftliche Kritik an Wiederkäuern wegen ihres Methanausstoßes: “Gerade Nicht-Wiederkäuer, wie Hühner und Schweine, werden häufig viel intensiver gehalten als Kühe.” Außerdem sei das Dauergrünland nur über den Magen eines Wiederkäuers verwertbar. “Die traditionelle Landwirtschaft ist am besten an die Berge angepasst”, betont Schermer.

Schermer arbeitet derzeit mit einer norwegischen Forschungsgruppe an einem Projekt, das sich mit den Auswirkungen von Bioökonomie auf die traditionelle regionale Lebensmittelproduktion auseinandersetzt. Er moderiert am Donnerstag bei der “International Mountain Conference” den Beitrag “Mountain food regimes, global challenges and local answers”.

 

Von: apa

Bezirk: Bozen

Kommentare

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21 Kommentare auf "Traditionelle Landwirtschaft in Gebirgsregionen unter Druck"


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HausVrstond
HausVrstond
Neuling
20 Tage 22 h

Vollkommen richtig was hier geschrieben steht, die Berglandwirtschaft muss erhalten bleiben, nicht nur wegen den Lebensmitteln die sie billig produzieren. Nur leider verstehen das unsere Leute hier nicht, oder erst wenn es zu spät ist.

N. G.
N. G.
Kinig
20 Tage 18 h

Was ist traditionelle Landwirtschaft in Südtirol?
Würde sie traditionell betrieben werden, ohne Subventionen, stünde in ganz Südtirol nicht eine Kuh im Stall!

leolee
leolee
Tratscher
20 Tage 17 h

@N. G.
Subvention =Zuschuss
wieso soll der Südtiroler Bauer keine Zuschüsse bekommen?
erkläre uns das ?

Kinig
20 Tage 16 h

@leolee

das sollte er sehr wohl, wenn er den hof nachhaltig bewirtschaften und heumilch stellen würde, aber so nicht!
auch sollte man berücksichtigen wie bestimmte hofstellen geführt werden, da kommt man bei gar einigen zum 🤮

@
@
Universalgelehrter
20 Tage 16 h

@leolee
Wer ist “der Südtiroler Bauer”? Erklär du uns das mal.

N. G.
N. G.
Kinig
20 Tage 15 h

@leolee Ganz einfach. Subventionen manipulieren den Markt und damit die Preise und täuschen zudem den Verbraucher über den tatsächlichen Preis.
Wenn hierzulande z. B. ein Liter Milch insgesamt mit 10 Cent bezuschusst wird, die Milch im Geschäfte 1€ kosten würde, dann zahle ich den Euro und zusätzlich über meine bezahlten Steuern, dem Bauern seinen Zuschuß, nochmal 10 Cent. Die 10 Cent, davon kannst du ausgehen, behält das Geschäft als Gewinn. Da gehts nur um das Überlrbrn der Bauetn, sinst nichts!
Wenn ich nicht subventionierte Milch von woanders kaufe, spare ich mir die 10 Cent.
Verstanden, grins!?
PS: Der Bauer subventioniert meine Arbeit auch nicht!

leolee
leolee
Tratscher
20 Tage 14 h

@@
da gibt es Richtlinien
kannst den Bauernbund Landesregierung fragen.

HausVrstond
HausVrstond
Neuling
20 Tage 11 h

@N. G. verstehe ich vollkommen, der Unterschied ist aber, du kannst von deiner Arbeit leben, der Bergbauer nicht. Dass der Bauer uns nicht “subventioniert“, bin ich nicht deiner Meinung, wenn ich aus dem Fenster schaue bzw. vor die Tür gehe, sehe ich eine gepflegte Landschaft, Wiesen, Wälder und Almen, wovon jeder, direkt oder indirekt profitiert. Mir z.B. ist das sehr viel wert und ich schätze das und, davon gehe ich aus, du sicherlich auch….

leolee
leolee
Tratscher
19 Tage 23 h
@N. G. du hast meine Frage nicht richtig verstanden. aber ich kann es dir nochmal erklären. die Subventionen Zuschüsse gibt es nur damit ihr die Lebensmittel günstig einkaufen könnt das heisst alle Lebensmittel nicht nur Milchprodukte. da wird nicht der Bauer unterstützt sondern ihr. der Bauer ist nur der dumme Sündenbock handaufhalter usw.brauchst nur die Kommentare lesen das sagt schon alles. jetzt zur meiner frage wieso soll der Südtiroler Bauer auf die Zuschüsse verzichten? mit ca 5-10 vieh? und der Bauer in Trient oder Deutschland mit 1000 stück vieh ,der soll die zuschüsse bekommen? wir Bauern in Europa bekommen alle… Weiterlesen »
wellen
wellen
Universalgelehrter
20 Tage 17 h

Die intensive Milchwirtschaft mit Turbokühen, mit Soja aus dem Regenwald aufgepumpt,Kälbchen als Abfallprodukt, die in grausamen Tiertransporten um die halbe Welt gekarrt werden, um als Billigfleisch wiedet auf dem Teller zu landen..pfui, das ist Realität BEI UNS. Flächenbezogene Milchwirtschaft? Pah, dann liefert man die Milch halt nach Oberitalien statt in heimische Sennereien. Und: welche Milch ist in det ” heimischen” Mozzarella drinnen? Welches Fleisch im ” südtiroler ” Speck und in den Kaminwurzen? Eben. Bauern: nicht umsonst ist euer Image so schlecht.

Kinig
20 Tage 16 h

vollkommen richtig, das hat nichts mehr mit respektvoller tierhaltung zu tun, das sind milchfabriken, aber das kommt davon wenn menge produziert werden muss, da der milchpreis im keller ist und das wird dann auch noch gefördert 🙈

HausVrstond
HausVrstond
Neuling
20 Tage 16 h
Deine Argumente halten nicht. Intensive Milchwirtschaft ist mit den, von dir angeprisenen Begriff Turbokühe, bei uns nicht möglich, allein schon wegen der stark exponierten, kleinstrukturierten sowie extensiven Haltung. Wer Kälbchen als Abfallprofukt sieht, kann genauso alle anderen Lebensmittel als Kompost oder Mist bezeichnen und die hochwertigen Nahrungsmittel, die unsere Bauern herstellen blasphemieren. Nenn mir bitte einen Milchbauer hier in Südtirol, der seine Milch nicht an eine heimische Molkerei abliefert und sie stattdessen selbst in den oberitalienischen Raum transportiert und vermarktet, bitte nenn mir einen, dass das keinen Sinn ergibt, ist hier doch hoffentlich jedem klar. Realität ist, dass genau das… Weiterlesen »
HausVrstond
HausVrstond
Neuling
20 Tage 16 h

(zuviel) Leute die nicht im entferntesten was mit Landwirtschaft zu tun haben und keine geringste Ahnung über deren Arbeit und Tätigkeitsfeld haben, über sie urteilen, entscheiden und lästern. Dass im Südtiroler Speck und Kaminwurzen (zum Großteil) kein Südtiroler Fleisch drinnen steckt, da gebe ich dir Recht, aber da musst du, nein, da müssen wir umdenken und nicht den Speck in den großen Handelsketten kaufen, sondern beim Bauern und in deren Läden direkt, die Möglichkeit besteht ja. Also, nicht schimpfen und anprangern, sondern nachdenken und nachhaltig handeln.

Landschaftspfleger
Landschaftspfleger
Superredner
20 Tage 15 h

Alles was sie hier schreiben ist von er Gesellschaft so gelenkt und von Konzernen so ausgeführt. Da können die Bauern gar nicht mehr anders. Glauben sie mir gereade von den Bergbauern hätten es die meisten lieber anders, und gaz so krass ist es im Berggebiet auch gar nicht. Dort kommen viele Kühe und das gesamte Jung- und Kleinvieh noch auf die Weide. Leider wird sich das in nächster Zeit durch die Großraubtiere auch ändern bzw. viele Bergbauern werden aufgeben.

Sellwertschunasosein
Sellwertschunasosein
Grünschnabel
20 Tage 15 h

1. es wird kein soja gefüttert sondern sojaextransionsschrot. (= Abfallprodukt von sojamilch Herstellung)
2. die mastkälber und nicht die zuchtkälber werden in Bozen versteigert und kommen in der regel nach Oberitalien.

N. G.
N. G.
Kinig
20 Tage 15 h

Ganz genau und unsere Bauern würden doch alles tun damit es so bleibt wie es ist und nennen es dann Tradition!

Sellwertschunasosein
Sellwertschunasosein
Grünschnabel
20 Tage 15 h

3. auf der Verpackung wo Südtirolmilch draufsteht ist zu 100% Südtiroler milch drinn. jede sennerei produziert nebenbei noch zusätzlich “no name” Produkte. im sommer aus zugekaufter milch und im Frühjahr bei wenig absatz auch aus Südtiroler milch

HausVrstond
HausVrstond
Neuling
20 Tage 11 h

@N. G. und was ist deiner Meinung nach daran falsch? Muss man immer alles verändern, scheinbar verbessern und zu Tode administrieren? Das gilt übrigens nicht nur für die Bauern sondern betrifft fast jede Sparte. Verstehe mich bitte nicht falsch, Veränderung ist wichtig und richtig, nur muss dabei Sinnvolles und für uns Bürger Tragbares unterm Strich rauskommen. Keiner von uns würde 12h und mehr am Tag arbeiten um nicht ansatzweise davon leben zu können, das ist aber bei den Bergbauern leider der Fall trotz angeblich!! hohen Subventionen und Beiträge. Es würden sonst nicht immer mehr Viehbetriebe schließen.

bern
bern
Universalgelehrter
20 Tage 10 h

Es gibt in Südtirol keine Milchfabriken! Keiner hat über 100 Kühe…..schau in andere Gegenden, da gibt es Bauern mit Tausenden von Kühen.

Sag mal
Sag mal
Kinig
20 Tage 41 Min

@bern aber Ställe mit zu Vielen Kühen u.zu wenig Platz.Das Grauvieh brauchte nicht soo…vielPlatz.

Kinig
19 Tage 23 h

@HausVrstond

…..und genau dasselbe passiert mit der milch, es gibt in südtirol mittlerweilen unzählige hofkäsereien, welche die milch selbst verarbeiten und vermarkten, das wäre fördernswert!

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