Die türkische Zentralbank in Ankara

Türkei erhöht Einfuhrzölle auf Autos und Alkohol aus den USA

Mittwoch, 15. August 2018 | 10:52 Uhr

Die Türkei hat im Streit mit den USA über das Festhalten des US-Pastors Andrew Brunson die Einfuhrzölle auf bestimmte US-Produkte drastisch erhöht. Darunter seien Pkw, Alkoholika und Tabak, berichtete die “Resmi Gazete”. Für Pkw werde nach einem von Präsident Erdogan unterzeichneten Dekret der Zoll auf 120 Prozent verdoppelt, bei alkoholischen Getränken auf 140 und bei Tabak auf 60 Prozent.

Auch für andere Waren gelten demnach künftig höhere Zölle, darunter für Kosmetika, Reis und Kohle. Bereits am Dienstag hatte Erdogan als Reaktion auf eine Anhebung der Zölle durch die USA Sanktionen gegen den US-Konzern Apple angekündigt. “Wir werden einen Boykott über elektronische Produkte aus den USA verhängen”, sagte er.

Das Verhältnis zwischen den NATO-Partnern Türkei und USA ist wegen verschiedener Themen angespannt. Zugespitzt hat sich der Streit wegen des Falles Brunson. Da der Pastor nicht ausreisen darf, hat Trump die Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium aus der Türkei verdoppelt. Türkische Ermittler werfen Brunson Verbindungen zu dem in den USA lebenden Geistlichen Fethullah Gülen vor, der nach Darstellung der Regierung in Ankara hinter dem Putschversuch vor zwei Jahren steckt.

Ein türkisches Gericht lehnte unterdessen am Mittwoch abermals einen Antrag auf Entlassung Brunsons aus dem Hausarrest ab. Dies berichteten türkische Medien.

Die USA hatten am Dienstag mit weiterem wirtschaftlichen Druck gedroht, sollte Brunson noch länger festgehalten werden. Sollte sich hier in den kommenden Tagen oder in der nächsten Woche nichts ändern, würden die USA zusätzliche Maßnahmen einleiten, sagte ein Vertreter des US-Präsidialamtes der Nachrichtenagentur Reuters.

Angesichts der Währungskrise in der Türkei sind viele Bürger verunsichert und verzichten auf aufschiebbare Anschaffungen. “Unsere Kunden warten ab”, sagte ein Werkzeug-Importeur in Istanbul. Der 47-Jährige, der seinen Namen nicht nennen möchte, sagte, er mache sich große Sorgen um sein Land. “Wir sind nicht glücklich, die Händler sind nicht glücklich, und die Kunden sind es auch nicht.” Vor allem Importware wie eben Werkzeug sei teuer geworden.

Ein 55-jähriger Geschäftsbesitzer sagte, er verkaufe deswegen seine Ware zurzeit ungern. Schließlich wisse er nicht, zu welchem Preis er neue Ware einkaufen könne. Die Preise von Nahrungsmitteln wie Brot und auch der Benzinpreis blieben jedoch zunächst stabil.

Von: APA/ag.