Erdogan versucht Panik zu verhindern

Türkei-Krise: Erdogan ruft Landsleute zum Kauf von Lira auf

Freitag, 10. August 2018 | 14:52 Uhr

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Türken aufgerufen, ihre ausländischen Devisen einzutauschen, um dem Verfall der Lira zu begegnen. Es gehe um einen “nationalen Kampf”, sagte er am Freitag in der Schwarzmeerregion Bayburt. “Wenn ihr Dollar, Euro oder Gold unter dem Kopfpolster habt, geht zur Bank und tauscht es in türkische Lira. Dies ist ein nationaler Kampf.”

Noch während Erdogan sprach, stürzte die Lira auf 6,23 zum Dollar. Kurz zuvor hatte er gesagt, die Türkei befinde sich angesichts des Verfalls der Währung in einem “Wirtschaftskrieg”, und er gab sich kämpferisch. “Wir werden diesen Wirtschaftskrieg nicht verlieren”, sagte der türkische Staatschef nach dem Freitagsgebet in Bayburt. Erdogan hat schon wiederholt ausländische Verschwörungen für die Währungskrise verantwortlich gemacht.

Bei einem Auftritt in der Schwarzmeerstadt Rize rief er seine Anhänger am Donnerstagabend auf, die “verschiedenen Kampagnen gegen die Türkei” zu ignorieren. “Sie mögen ihre Dollar haben, doch wir haben unser Volk, unser Recht und unseren Gott”, sagte der islamisch-konservative Politiker. Am Freitagvormittag stürzte die Lira um zwölf Prozent ab und erreichte erstmals die Marke von sechs Lira zum Dollar, bevor sie vorübergehend auf 5,92 zurückging.

Der Absturz der Lira erfolgt inmitten eines erbitterten Streits mit US-Präsident Donald Trump um die Inhaftierung des US-Pastors Andrew Brunson, der vergangene Woche zur Verhängung von gegenseitigen Sanktionen führte. Zwar sind die Sanktionen noch eher symbolisch. Da trotz eines hochrangigen Treffens in Washington am Mittwoch keine Einigung in dem Streit gelang, befürchten viele Beobachter nun aber weitere Strafmaßnahmen.

Von: APA/ag.