Erdogan wetterte gegen "Wirtschaftsterroristen" und "Verräter"

Türkei reagiert mit Notmaßnahmen auf Lira-Krise

Montag, 13. August 2018 | 17:24 Uhr

Im Kampf gegen eine massive Währungskrise greift die türkische Regierung zu drastischen Maßnahmen. Sie will Menschen für negative Kommentare über die wirtschaftliche Lage und den Absturz der Lira bestrafen. Laut staatlicher Nachrichtenagentur Anadolu gehen Staatsanwälte in Ankara und Istanbul gegen Personen und Social-Media-Accounts vor, die die “wirtschaftliche Sicherheit” des Landes gefährden.

Gemeint sind damit Menschen und Kommunikatoren, die “falsche Berichte” oder “Spekulationen” unter anderem über den Zustand öffentlicher Unternehmen oder Banken verbreiteten.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan verteidigte das Vorgehen gegen Kritiker während einer Rede vor Diplomaten in Ankara. Er nannte sie “Wirtschaftsterroristen”. Sie hätten “Verrat” begangen. Jene, die “Spekulationen” verbreiteten, sollten dafür zahlen.

Das Innenministerium meldete, dass Ermittlungen gegen die Betreiber von 346 Konten in sozialen Medien im Gange seien. Sie hätten mit ihren Berichten oder Kommentaren den Anstieg des Dollar zur Lira gestützt.

Im asiatischen Handel war der Wert der türkischen Währung in der Früh zum Euro und US-Dollar zeitweise erneut zweistellig gefallen. Erstmals mussten mehr als sieben Lira für einen US-Dollar und über acht Lira für einen Euro gezahlt werden. Grund war das Inkrafttreten neuer Strafzölle der USA gegen die Türkei. Die Börsen fürchten nun eine Zahlungskrise in dem Land: Mit dem Absturz der Lira werden Importe teurer, was die ohnehin hohe Inflation in der Türkei treibt. Auch Schulden von Banken in ausländischen Währungen steigen.

Die türkische Zentralbank sicherte zu, “alle notwendigen Maßnahmen” zur Wahrung der Finanzstabilität zu ergreifen. Sie werde Marktlage und Preisentwicklung “genau beobachten” und die Banken mit den nötigen liquiden Mitteln versorgen, erklärte die Bank. Das beruhigte den Kursabfall der Lira am Montag etwas.

Die Lira verliert schon seit Monaten an Wert, aber ein Streit mit den USA um das Schicksal des US-Pastors Andrew Brunson, der in der Türkei wegen Terrorvorwürfen festgehaltenen wird, hatte sie in den freien Fall befördert. Am Freitag hatte Präsident Donald Trump dann die Verdoppelung der Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte aus der Türkei verkündet.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich unterdessen besorgt über die Lage in der Türkei. “Niemand hat ein Interesse an einer wirtschaftlichen Destabilisierung der Türkei”, sagte sie in Berlin. Die EU profitiere von einer stabilen Wirtschaftslage in ihrer Nachbarschaft. “Deutschland möchte jedenfalls eine wirtschaftlich prosperierende Türkei. Das ist auch in unserem Interesse.”

Von: APA/dpa/ag.