Tyrolean Technik laut Kratky nicht mehr wettbewerbsfähig

Tyrolean baut 80 Jobs ab, Standort soll verlegt werden

Montag, 26. Februar 2018 | 15:38 Uhr

Die Tyrolean Technik in Innsbruck, eine Tochter der Austrian Airlines (AUA), wird 80 ihrer 110 Mitarbeiter abbauen. Die sogenannte Schwerwartung soll zum Halbjahr aus Kostengründen geschlossen werden. Die Linienwartung mit 30 Mitarbeitern soll aber am Innsbrucker Standort erhalten bleiben, teilte AUA-Chef Kay Kratky am Montag in einer Pressekonferenz in der Tiroler Landeshauptstadt mit.

Da die Existenz eines eigenständigen Unternehmens nicht mehr gerechtfertigt sei, werde die Tyrolean Technik in die AUA integriert, sagte Wolfgang Henle, Co-Geschäftsführer der Tyrolean Technik. Ob der Name Tyrolean Technik bestehen bleibt, müsse noch entschieden werden, hieß es. Die 30 Mitarbeiter für die Linienwartung sollen vorbehaltlich der Zustimmung des AUA-Aufsichtsrats in Folge direkt bei der AUA beschäftigt werden. Für die Schwerwartung werde ein neuer Standort gesucht. Dieser stehe aber noch nicht fest, meinte Kratky. Unter anderem seien Malta und Bratislava im Gespräch.

“Aufgrund der Kostenstrukturen ist die Tyrolean Technik nicht mehr wettbewerbsfähig”, sagte Kratky. Der Einsatz der Dash-8-Propellerflugzeuge, auf deren Wartung die Tyrolean Technik spezialisiert war, sei seit Jahren rückläufig. “Dazu kommen schwindende Aufträge und Unsicherheiten im Bereich der Schwerwartung, die zuletzt durch die Pleite der Air Berlin ausgelöst wurden”, meinte Henle. Air Berlin sei einer der größten Kunden der Tyrolean gewesen. Der Innsbrucker Standort sei in den vergangenen Jahren mit einem mittleren einstelligen Millionenbetrag jährlich von der AUA subventioniert worden.

Die vom Jobabbau betroffenen Mitarbeiter sind am Montag in der Früh in einer Mitarbeiterversammlung informiert worden. “Wir haben allen betroffenen Mitarbeitern Jobs in Wien angeboten. Uns ist dabei natürlich bewusst, dass die Situation und ein Standortwechsel schwierig sind”, erklärte der AUA-Chef. Mitarbeitern, die das Angebot nicht annehmen, werde daher alternativ ein Sozialplan angeboten. Die rund 200 Angestellten im Servicebereich seien von dem Jobabbau nicht betroffen.

Probleme mit dem Technikstandort in Innsbruck gebe es bereits seit längerem. “Wir wissen seit einigen Jahren, dass es so nicht weiter gehen kann”, sagte Henle. Die finale Entscheidung sei dann aber vergangene Woche gefallen. Der gewählte Termin der Bekanntgabe stehe aber in keinem Zusammenhang mit der gestrigen Landtagswahl. “Wir planen Entscheidungen unabhängig von politischen Wahlen”, so Kratky.

Die Gewerkschaft sprach indes von einem “schwarzen Tag für die 80 Technik-Mitarbeiter”. Philip Wohlgemuth, Tiroler ÖGB-Chef, und Johannes Schwarcz, Vorsitzender des Fachbereichs Luftfahrt, forderten eine rasche Adaptierung und Umsetzung des vorliegenden Sozialplans. Wohlgemuth äußerte zudem Entsetzen darüber, dass die Jobs der Betroffenen ins Ausland ausgelagert werden sollen. “Einmal mehr zeigt sich, dass nur der Sparstift in den Chefetagen regiert. Die Schicksale der Menschen sind zweitrangig, wenn große Unternehmen ihre Gewinne vergrößern können”, so der Tiroler ÖGB-Chef.

Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) kritisierte die Art und Weise der Bekanntgabe des Stellenabbaus bei Tyrolean Technik in Innsbruck als “ganzen schlechten Stil”. Im Vorfeld habe man “null Information” darüber erhalten, dass es Schließungspläne gebe, sagte Platter im APA-Gespräch.

Selbst die Mitarbeiter, der Betriebsrat und das AMS hätten erst, heute, Montag davon erfahren, zum Teil erst aus den Medien. “So geht man mit den Betroffenen nicht um”, zeigte sich Platter “verärgert” und übte Kritik an AUA-Chef Kay Kratky, der den Abbau von 80 der 110 Mitarbeiter bei der Tochter der Austrian Airlines (AUA) am Montag bei einer Pressekonferenz in Innsbruck angekündigt hatte. Selbst der Betriebsrat sei erst Montagfrüh informiert worden, das Arbeitsmarktservice (AMS) erfuhr es laut Tirols Landeschef hingegen aus den Medien.

Platter zeigte sich auch deshalb verärgert, weil ihm Kratkys Vorgänger Jaan Albrecht bei einem Treffen im Herbst 2013 versichert habe, dass der Innsbrucker Standort “langfristig abgesichert ist”. Und jetzt wurde die radikale Dezimierung des Standortes einfach bekannt gegeben, “ohne dass wir die Überlegungen und die Argumente dahinter wissen”. Vielmehr hätte man sich stattdessen “rechtzeitig” darum kümmern müssen, was mit den Mitarbeitern passiert. Platter habe diesbezüglich in Gesprächen mit dem Betriebsrat seine “vollste Unterstützung” zugesagt.

Von: apa