Ein Einstieg des deutschen Bundes bei Uniper ist möglich

Uniper bittet deutsche Regierung um Hilfe

Freitag, 08. Juli 2022 | 21:50 Uhr

Der angeschlagene deutsche Versorger Uniper setzt in der Gaskrise auf staatliche Hilfen und einen möglichen Einstieg des Bundes. Uniper habe bei der deutschen Regierung einen Antrag auf Stabilisierungsmaßnahmen gestellt, teilte das Unternehmen am Freitag in Düsseldorf mit. Es will damit auf neue gesetzliche Regelungen zurückgreifen, die Stützungsmaßnahmen bis hin zur Kapitalbeteiligung ermöglichen. Bundeskanzler Olaf Scholz sicherte Hilfe zu, sieht aber keine Gas-Mangellage.

Bei einem Einstieg des Bundes müsse es sich um eine relevante Größenordnung handeln, sagte Vorstandschef Klaus-Dieter Maubach. “Wenn wir über eine relevante Eigenkapitalbeteiligung sprechen, dann reden wir nicht über fünf oder zehn Prozent.”

Uniper ist durch die Gaskrise in Schräglage geraten. Der Konzern muss wegen der Lieferkürzungen Russlands Gas am teuren Spotmarkt kaufen, um seine Lieferverpflichtungen zu erfüllen. “Uniper erfährt unter den gegenwärtigen Bedingungen täglich Mittelabflüsse im mittleren zweistelligen Millionenbereich”, so Maubach. “Eine Situation, die für uns nicht lange durchhaltbar ist.” Wenn die Lage so bliebe, drohten auf das Jahr hochgerechnet Verluste bis zu zehn Milliarden Euro. Gaskunden müssten sich auf noch höhere Preise einstellen, warnte Maubach.

Die Bundesregierung zeigte sich hilfsbereit. “Wir werden unseren Beitrag leisten, um das Unternehmen zu retten”, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in München beim Besuch der Internationalen Handwerksmesse. Zudem sicherte Scholz der deutschen Wirtschaft “größtes Tempo” bei der kurzfristigen Sicherung der Gaslieferungen und dem Aufbau einer CO2-neutralen Energieversorgung zu. Bei der Versorgung mit Gas werde die Regierung “in nicht gekanntem Tempo” versuchen, Flüssiggas-Terminals an der norddeutschen Küste und Gasleitungen bauen zu lassen. “Mein Ziel: Wir werden uns den Schneid nicht abkaufen lassen.” Die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft hatten zuvor bei Scholz auf eine stabile Gasversorgung gedrungen.

Auch Wirtschaftsminister Robert Habeck sagte, eine Pleite Unipers solle verhindert werden. “Wir werden nicht zulassen, dass ein systemrelevantes Unternehmen in Insolvenz geht und infolgedessen der globale Energiemarkt in Turbulenzen gerät”, sagte der Grünen-Politiker. Die Regierung arbeite mit Hochdruck an Stabilisierungsmaßnahmen. “Wir sind hierzu mit allen Akteuren im engen Austausch. Über die konkrete Form der Unterstützung wird jetzt verhandelt und dann entschieden.” Mit der neuen Gesetzgebung im Energiesicherungsgesetz stünden verschiedene Möglichkeiten zum Handeln bereit.

Scholz sagte in der ZDF-Sendung “Maybrit Illner”, dass er Deutschland derzeit nicht in einer Gas-Mangellage sehe. Es sei auch “nicht ausgemacht”, dass es dazu komme. “Es wäre nur völlig unverantwortlich, sie nicht als Möglichkeit in den Blick zu nehmen und sich darauf vorzubereiten”, betonte der SPD-Politiker. Für den Fall, dass sie eintrete, bereite man sich beispielsweise auf eine priorisierte Energieverteilung vor. Scholz stellte den Bürgern weitere Entlastungen in Aussicht, sagte aber zugleich: “Wir werden nicht alle Preise runtersubventionieren können.” Das könne kein Staat der Welt.

Der finnische Uniper-Mehrheitseigner Fortum erklärte, mit der Bundesregierung werde ein Umbau Unipers erörtert, durch den die Geschäftstätigkeiten in Deutschland gebündelt und mit dem Bund abgesichert werden könnten. In deutschen Regierungskreisen hieß es, Fortum wolle das verlustträchtige Deutschlandgeschäft übertragen und den Rest des Konzerns weiterführen. Dies müsse man sich sehr genau ansehen. An anderer Stelle in der Regierung hieß es, es sei entscheidend, dass Uniper wieder Gewinne erwirtschafte. Andernfalls sacke die wichtige Bonitätsnote schnell ab, was verhindert werden müsse.

Maubach zufolge sprechen Uniper und Fortum getrennt mit der Bundesregierung. Die Kunst sei nun, eine Lösung zu finden, die sowohl für die Regierung als auch für Fortum akzeptabel sei. Eine solche Entscheidung müsse von der Hauptversammlung beschlossen werden, wo die Finnen rund 80 Prozent der Anteile halten. “Als Deutschlands größter Gasimporteur ist Uniper am stärksten von der Drosselung der russischen Gaslieferungen betroffen und steht daher unter extremem finanziellen Druck”, erklärte Fortum. Der Konzern stehe auch in Gesprächen mit der Bundesregierung über eine mögliche Stabilisierung Unipers, “um so die Versorgungssicherheit für Gas und Strom in Deutschland zu gewährleisten”. Dazu würden mehrere Alternativen mit der Bundesregierung erörtert.

Habeck sagte in Berlin, er wolle alles Nötige tun, um die Sicherheit der Gasversorgung und die Stabilität der Anbieter zu gewährleisten. “Gas kommt nach Deutschland und nach Europa.” Noch könnten die Speicher langsam gefüllt werden. “Wir haben genug Gas. Die Versorgungslage ist gesichert. Aber wir zahlen einen immens hohen Preis.” Der Uniper-Hilfsantrag sei erwartbar gewesen. Grundsätzlich müsse man nun sehen, welche Beiträge der Eigentümer leisten könne. Mit den anderen Anbietern gebe es auch Gespräche.

Uniper-Chef Maubach betonte, dass sich Gaskunden auf noch höhere Preise einstellen müssten. “Es kommt eine sehr große Preiswelle auf die Bevölkerung in Deutschland zu.” Insidern zufolge hat die Bundesregierung zuletzt intern entschieden, die Gaspreise vorerst nicht auf die Kunden umzulegen. Man habe sich darauf festgelegt, den Weg über die Rettung von Energieversorgern wie Uniper zu gehen und nicht über die Preisweitergabe.

Von: APA/Reuters/dpa

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1 Kommentar auf "Uniper bittet deutsche Regierung um Hilfe"


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Gredner
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Kinig
1 Monat 1 Tag

Wenn Uniper mit den Stromproduzenten einen Fixpreis einhalten muss, wieso sind dann für den Endverbraucher die Preise gestiegen – und das sogar sehr deutlich? Wind, Sonne und Wasser haben ja auch einen “Fixpreis”. Braun- und Steinkohle kommen aus dem Inland und hängen ebenfalls nicht von den Launen Putins ab.

Wer dreht hier willkürlich an der Preisschraube?!?

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