Der verstorbene Red-Bull-Chef verhalf dem Konzern weltweit zum Erfolg

Unklarheit über Nachfolge von Mateschitz bei Red Bull

Montag, 24. Oktober 2022 | 15:52 Uhr

Nach dem Tod von Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz ist offen, wer sein Erbe im Konzern antreten wird. Ohne Zustimmung der thailändischen Mehrheitseigentümer dürfte aber keine Nachfolgeentscheidung fallen. Fest steht wohl auch: So viel Machtfülle und Entscheidungsfreiheit wie der verstorbene Unternehmensgründer wird die neue Konzernspitze nicht mehr haben. Unklar bleibt damit, wie es mit den vielfältigen Engagements des Konzerns etwa im Sport- und Medienbereich weiter geht.

Die Mehrheit an Red Bull hält die thailändische Unternehmerfamilie Yoovidhya, auf deren Aufputschgetränk “Krating Daeng” (“Roter Stier”) die Erfolgsgeschichte des Konzerns basiert und der Mateschitz im Jahr 1984 die internationalen Vermarktungsrechte abkaufte. 49 Prozent der Anteile gehören dabei der Familien-Holding TC Agro Trading mit Sitz in Hongkong, weitere zwei Prozent dem mittlerweile 72-jährigen Familienoberhaupt Chalerm Yoovidhya. Mateschitz konnte mit seinen 49 Prozent angesichts des wirtschaftlichen Erfolgs des Energydrinks jedoch über Jahrzehnte fast uneingeschränkt schalten und walten. Zuletzt schüttete Red Bull jährlich mehrere hundert Millionen Euro an die Mehrheitseigentümer aus – im Jahr 2020 war es über ein halbe Milliarde Euro.

Mateschitz fiel stets große Entscheidungsfreiheit zu – etwa, dass er beträchtliche Anteile des Umsatzes konsequent in das Marketing für seine Marke reinvestierte: Im Jahr 2019 waren das 1,8 Mrd. Euro gewesen. Auf das Tagesgeschäft nahmen die Thailänder kaum Einfluss. “Alle Anweisungen, die dem von Mateschitz aufgestellten Geschäftsplan zuwiderliefen, hätten einer Zweidrittelmehrheit bedurft. Damit konnten die Yoovidhyas nicht viel gegen seinen Willen unternehmen”, schrieb die “Presse” am Montag. Entscheidende Mitsprache hätten die Thailänder nur bei ganz grundlegenden Entscheidungen wie etwa Kapitalveränderungen oder der Liquidation des Unternehmens gehabt.

Seinen Freiraum bei Entscheidungen kann der verstorbene Red-Bull-Gründer aber nicht vererben. Jeder oder jede Neue brauche nun den Sanktus aus Südostasien, schrieb das Wirtschaftsmagazin “trend” am Sonntag in seiner Online-Ausgabe. “Es gibt keine Nebenabreden, deshalb bestimmen ab sofort die Thailänder”, zitiert das Magazin einen Insider. Viel sei auch über Sideletters zwischen den Red-Bull-Eigentümern spekuliert worden: Es sei aber fraglich, ob es den oft beschworenen großen Nachfolgeplan tatsächlich gibt. Sowohl ein externer CEO, als auch ein Manager aus der Welt der Yoovidhyas seien vorstellbar. Immer wieder ist auch davon zu Lesen, dass die Thailänder größeren Einfluss auf Entscheidungen nehmen wollen.

Unklar ist auch, ob bei der Nachfolgeentscheidung Mark Mateschitz – der Sohn des Unternehmensgründers – eine Rolle spielen wird. Der 30-Jährige hat in den vergangenen Jahren zwar Managementerfahrungen in Unternehmungen seines Vaters gesammelt – bis 2022 war er etwa Geschäftsführer der “Thalheimer Heilwasser GmbH”. Im operativen Kerngeschäft des Red-Bull-Konzerns hat er aber bis dato nicht gearbeitet. Die Frage ist, ob ihm die Thailänder das Vertrauen aussprechen. Die “Presse” bezeichnete es als “undenkbar”, dass die Yoovidhyas den Sohn als Geschäftspartner akzeptieren.

Zugleich gibt es im Konzern ein eingespieltes Team aus teilweise langjährigen Managern und Wegbegleitern von Dietrich Mateschitz, die sich um das operative Geschäft kümmern. Auch wenn Mateschitz bekannt dafür war, fast alle Entscheidungen selbst getroffen zu haben – er wurde dabei laut Wirtschaftscompass von sechs Prokuristen unterstützt. Sie sollen aber trotz guter Kenntnis der Strukturen und Abläufe im Haus höchstens als Übergangslösungen in Frage kommen.

Die Zukunft von einigen Tochterunternehmen könnte Mateschitz vor seinem Tod noch mit einer “Stiftungslösung” abgesichert haben. So wurde im Sommer die Stiftungsurkunde der “Kunst und Kultur DM Privatstiftung” (früher “Quo vadis veritas Privatstiftung”) geändert. Zu Zielen wie staatsbürgerliche Bildung, Heimatkunde und Völkerverständigung wurde neu auch der Sport explizit als Zweck der gemeinnützigen Stiftung ergänzt. “Damit könnte Vorsorge getroffen worden sein, dass Aktivitäten, die nicht mehr in die künftige Ausrichtung des Unternehmens passen, weiter finanziert werden – als eine Art Vermächtnis von Mateschitz”, so der “trend.”

Von: apa

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