Für viele Kinder ist Urlaub keine Selbstverständlichkeit

Urlaub laut NGOs Privileg für Kinder aus reichen Familien

Dienstag, 11. Juli 2017 | 14:05 Uhr

In Österreich können 325.000 Kinder aus finanziellen Gründen nicht auf Urlaub fahren, 120.000 von ihnen leben in armutsgefährdeten Haushalten. Die öffentliche Hand ziehe sich zunehmend aus der Förderung qualitativer Kinderurlaubsangebote zurück, kritisierten Volkshilfe und Kinderfreunde am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Kinderurlaub werde immer mehr zu einem “Privilegienprogramm”.

“Einerseits verlangt die öffentliche Hand mehr Qualität von Kinderbetreuungseinrichtungen, andererseits stellt sie dafür weniger Geld zur Verfügung”, sagte Erich Fenninger, Bundesgeschäftsführer der Volkshilfe. Österreichweite Zahlen seien keine bekannt. Beispiele aus den Bundesländern zeigen jedoch, dass immer weniger Kinder, die von der Kinder- und Jugendhilfe betreut werden, auf Urlaub fahren dürfen. In Oberösterreich stehen über 50 Kinder auf der Warteliste für einen Platz in der Ferienaktion. In Niederösterreich werden in diesem Jahr 94 Kindern Urlaubsaufenthalte von der Kinder- und Jugendhilfe bezahlt, 2013 waren es noch 263 Kinder. Wurden in der Steiermark im Jahr 2012 für 211 Kinder die Kosten für den Ferienaufenthalt bei den Kinderfreunden übernommen, waren es 2016 nur mehr 39 Kinder.

Auch die Unterstützung der Krankenkassen für Erholungsaufenthalte ist rückläufig. In Tirol und der Steiermark sei die Unterstützung durch die Gebietskrankenkassen schon vor einigen Jahren ersatzlos gestrichen worden, in Niederösterreich werden die Plätze zunehmend zögerlich bewilligt, kritisierte Daniel Bohmann, Bundesgeschäftsführer der Kinderfreunde. “Als Kinderfreunde und Volkshilfe appellieren wir an die öffentliche Hand, die Förderungen wieder zu erhöhen”, sagte er.

Kindern, die in armen Haushalten aufwachsen, stehe nur “eine kleine Welt” zur Verfügung, erklärte Fenninger. Urlaub und Erholung sei dringend notwendig für diese Kinder, die nur eingeschränkt am sozialen Leben teilnehmen können und einer permanenten Belastung ausgesetzt sind. Die Politik hätte jedoch den Fokus von der Wohlfahrt für alle auf Armutshilfe für wenige gerichtet. “Die Politik hat eine erschreckende Distanz zu armutsgefährdeten Familien, Politiker kennen diese Milieus nicht mehr”, sagte er.

Von: apa