Der Quartalsüberschuss beträgt "nur" mehr 4,7 Mrd. Dollar

US-Großbanken im Corona-Katzenjammer

Dienstag, 14. Juli 2020 | 15:30 Uhr

Die US-Großbanken haben in der Coronakrise Abstriche machen müssen. Das gilt auch für die größte US-Bank JPMorgan Chase. Trotzdem strich der Branchenprimus noch einen Gewinn ein, von dem die meisten anderen Unternehmen nur träumen können. Unterm Strich verdiente JPMorgan laut Mitteilung vom Dienstag knapp 4,7 Mrd. Dollar (rund 4,2 Mrd. Euro) und damit etwa halb so viel wie im Vorjahreszeitraum.

Experten hatten mit deutlich weniger gerechnet, die Aktie legte vorbörslich zu. JPMorgan verbuchte zwar eine zweistellige Milliardenbelastung wegen drohender Kreditausfälle, konnte die Krise bisher aber insgesamt gut abfedern. Positiv überraschten die Erträge, die im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent auf fast 34 Mrd. Dollar zulegten. Die Bank profitierte unter anderem von regen Geschäften an den Finanzmärkten und im Investmentbanking. “In diesen beispiellosen Zeiten bleibt JPMorgan stabil”, verkündete Vorstandschef Jamie Dimon.

Deutlich schlechter erging es dem Rivalen Wells Fargo, der wegen der Coronapandemie den ersten Quartalsverlust seit der Finanzkrise vor über zehn Jahren erlitt. Unterm Strich büßte das Geldhaus in den drei Monaten bis Ende Juni nach eigenen Angaben 2,4 Mrd. Dollar ein. Hohe Rückstellungen für Kreditausfälle drückten die Bilanz massiv ins Minus, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Gewinn von 6,2 Mrd. Dollar zu Buche stand. Die Erträge brachen insgesamt um über 17 Prozent auf 17,8 Mrd. Dollar ein.

Im Gegensatz zu den US-Konkurrenten, die Schwächen im Kreditgeschäft mit ihren Investmentbanking- und Handelssparten kompensieren können, hält sich Wells Fargo hier traditionell zurück. Zudem ist das Geldhaus wegen Auflagen aufgrund von Affären um fingierte Konten und anderer dubioser Geschäftspraktiken ohnehin schon stark vorbelastet. Am Markt kamen die Zahlen nicht gut an – die Aktie reagierte vorbörslich mit Kursverlusten. Besonders missfiel den Anlegern, dass Wells Fargo die Dividende stärker als erwartet kürzte.

Milliardenschwere Puffer gegen Kreditausfälle in der Coronakrise haben auch die Citigroup erneut stark belastet. Dennoch schaffte die Großbank im zweiten Quartal erneut einen Milliardengewinn. Der Überschuss sackte im Vergleich zum Vorjahr zwar um 73 Prozent auf 1,3 Mrd. Dollar ab, wie die Citigroup in New York mitteilte. Damit schlug sich der Finanzkonzern aber besser als von Analysten erwartet. Die großen Banken eröffnen traditionell den vierteljährlichen Bilanzreigen der US-Unternehmen. Sie sind wichtige Wegweiser dafür, wie hart die Pandemie die Konjunktur trifft.

Von: APA/ag.