Die Nahrungsmittelpreise in den USA steigen kräftig.

US-Inflation so hoch wie seit über 30 Jahren nicht mehr

Mittwoch, 10. November 2021 | 17:34 Uhr

Lieferengpässe und die Preisexplosion bei Energie treiben die US-Inflation auf den höchsten Stand seit mehr als drei Jahrzehnten. Waren und Dienstleistungen kosteten im Oktober 6,2 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, wie das Arbeitsministerium am Mittwoch in Washington mitteilte. Einen derart kräftigen Preisauftrieb hat es in den USA seit November 1990 nicht mehr gegeben.

Befragte Experten hatten lediglich mit einem Wert von 5,8 Prozent gerechnet, nach einem bereits satten Preisauftrieb im September von 5,4 Prozent. Der an den Zapfsäulen und an der Supermarktkasse abzulesende Preisauftrieb rief nun auch US-Präsident Joe Biden auf den Plan: “Die Inflation trifft die Amerikaner im Geldbeutel und diesen Trend umzukehren hat für mich Top-Priorität.”

Er habe seine wirtschaftspolitischen Berater im National Economic Council (NEC) angewiesen, daran zu arbeiten, die Energiekosten zu drücken. Zugleich betonte er, dass er die Unabhängigkeit der Notenbank Fed bei seinen Bemühungen im Kampf gegen die Inflation respektiere.

Die im Zuge der schockierend hoch ausgefallenen Preisdaten wieder aufgeflammte Angst vor Zinserhöhungen der Fed machte der Wall Street zu schaffen. “Auch wenn die Fed glaubt, dass die Inflation vorübergehend ist, gibt es immer mehr Anzeichen dafür, das dies nicht stimmt”, sagte Rick Meckler, Partner beim Vermögensverwalter Cherry Lane.

Auch vor dem Hintergrund der rasant steigenden Preise hatte die US-Zentralbank jüngst die Abkehr von der extrem lockeren Geldpolitik eingeleitet: “Das ist gut so, denn die Zeit für expansive geldpolitische Maßnahmen ist abgelaufen”, sagte VP-Bank Ökonom Thomas Gitzel.

Die US-Notenbank fährt ihre Anleihenkäufe ab Mitte dieses Monats zurück, so dass die Zukäufe von einem monatlichen Volumen von derzeit noch 120 Milliarden Dollar (103,65 Mrd. Euro) bis Mitte nächsten Jahres komplett abgeschmolzen sein dürften. Das Ende der Zukäufe gilt zugleich als Voraussetzung für eine Zinserhöhung. “Die Fed dürfte sich spätestens Ende nächsten Jahres gezwungen sehen, ihre zögerliche Haltung aufzugeben und eine Leitzinswende einzuleiten”, meinte Volkswirt Dirk Chlench von der LBBW. Derzeit liegt der Leitzins noch fest zementiert in der Spanne von null bis 0,25 Prozent.

“Die Inflation scheint außer Rand und Band zu sein”, sagte Ökonom Gitzel. Die USA sind dabei nicht allein auf weiter Flur, da die Preise praktisch weltweit auf dem Vormarsch sind. Grund sind aus der Coronakrise resultierende Lieferengpässe und ein weitverbreiteter Materialmangel bei Halbleitern, Stahl, Holz und Kunststoff, der die Preise treibt. In China stiegen die Erzeugerpreise auf den höchsten Stand seit 26 Jahren. In Deutschland trieben hohe Kosten für Energie die Inflationsrate auf ein 28-Jahres-Hoch von 4,5 Prozent.

Auch in den USA heizen die hohen Energiekosten die Inflation an. Die Spritpreise an den Zapfsäulen sind auf ein Sieben-Jahres-Hoch gestiegen. Der Ölpreis hat dieses Jahr bereits mehr als 60 Prozent zugelegt.

Ökonom Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe verwies darauf, dass Unternehmen gestiegene Kosten zunehmend an ihre Abnehmer weitergeben würden. “Dieser Überwälzungsprozess erfasst mehr und mehr Güter, da vor allem die Probleme auf der Angebotsseite sich nicht rasch auflösen.” In der Tat haben die US-Produzenten ihre Preise im Oktober erneut kräftig angehoben. Diese stiegen wie schon im September um 8,6 Prozent zum Vorjahresmonat. Einen kräftigeren Zuwachs hat es seit Beginn dieser Statistik im Jahr 2010 noch nicht gegeben.

Von: APA/Reuters

Kommentare

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7 Kommentare auf "US-Inflation so hoch wie seit über 30 Jahren nicht mehr"


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NurMalSo
NurMalSo
Grünschnabel
26 Tage 26 Min
So langsam nimmt die Inflation Fahrt auf aber die Menschen nehmen das Thema noch nicht Ernst. Die Zentralbanken stehen mit der ultralaxen Geldpolitik hinter der Kurve und haben keine Instrumente mehr für Geldwertstabilität zu sorgen. Es müssten schnellstens die Zinsen angehoben werden, so wie es bereits kleinere ZB tun aber das würde die Südstaaten in die Pleite schicken. Es kommen ungemütliche Zeiten auf uns zu. Anbei die aktuellen Daten…16% höhere Produktionskosten in der EU und die Börsen auf ATH…?! Das passt nicht zusammen (die Mutter aller Blasen) Zum Glück sagt man uns, das ist alles nur vorübergehend…(wahrscheinlich die nächsten 10… Weiterlesen »
Brauni
Brauni
Grünschnabel
25 Tage 21 h

@ Nur mal so, stimme dir vollkommen zu auch bei uns wirds so kommen. Die Inflation in Deutschland 4,5  % seid fast 30 Jahren nicht mehr so hoch das ist nicht der reale Wert die Inflation ist weit aus höher. Nur sieht das im Moment niemand alle starren nur auf die Pandemie. Früher oder später wird es jedem einleuchten.

Hoferbua
Hoferbua
Grünschnabel
25 Tage 8 h

Es ist schon da..schaut mal allein auf die lebensmittelpreise. Gefühlt das doppelte seit 2020

nuisnix
nuisnix
Kinig
25 Tage 4 h

@Hoferbua
Bleiben wir doch ehrlich, nur spontan aus dem Bauch heraus ist nicht immer die beste Art.
Die Preise sind zwar teilweise ordentlich gestiegen, aber das Doppelte seit 2020 ist dann doch sehr übertrieben

pinko_pallino
pinko_pallino
Grünschnabel
26 Tage 20 Min

Let’s go Brandon

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
25 Tage 9 h

Eine Inflation schadet niemanden!

Zefix
Zefix
Superredner
25 Tage 7 h

du hosch von geld ober wianig ahnung 😀

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