Inflationsrate über Ziel der US-Zentralbank Fed hinausgeschossen

US-Inflation stieg im Juni überraschend auf 5,4 Prozent

Dienstag, 13. Juli 2021 | 17:04 Uhr

Die US-Verbraucherpreise sind überraschend noch weiter gestiegen und haben Spekulationen auf eine vorzeitige Zinswende genährt. Die Inflationsrate kletterte im Juni auf 5,4 Prozent, wie das Arbeitsministerium am Dienstag mitteilte. Zum Vergleich: In Deutschland ging sie zuletzt leicht auf 2,3 Prozent zurück. Experten hatten auch für die USA einen leichten Rückgang erwartet, nach einem Wert von 5,0 Prozent im Mai.

Nun ist die Inflationsrate aber überraschend noch weiter über das Ziel der US-Zentralbank Fed von zwei Prozent hinausgeschossen. Diese werde nun unter heftigen Druck geraten, ihren ultra-expansiven geldpolitischen Kurs zu beenden”, sagt Ökonom Dirk Chlench von der LBBW voraus. Das dies am Finanzmarkt so erwartet wird, zeigten auch die unmittelbaren Reaktionen: Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, stieg um 0,4 Prozent auf 92,601 Punkte. Im Gegenzug verbilligte sich der Euro auf 1,1807 Dollar. Aus den Depots flogen auch US-Staatsanleihen. Dies trieb die Rendite der richtungweisenden zehnjährigen Bonds auf 1,381 Prozent.

Derzeit sorgten laut Ökonom Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe vor allem Energiepreise, aber auch coronabedingte Nachholeffekte für anhaltenden Inflationsdruck. Doch all diese Einflussfaktoren seien nicht von Dauer und würden bald an Antriebkraft verlieren, auch wenn “der Inflationsspuk” noch nicht vorbei sei.

Auch die Fed geht davon aus, dass die anziehende Inflation ein vorübergehendes Phänomen bleibt. Denn im Vorjahresvergleich ergeben sich wegen des Konjunktureinbruchs im Jahr 2020 hohe Preissteigerungsraten. Die Fed stützt die Wirtschaft weiter mit monatlichen Geldspritzen von 120 Milliarden Dollar. Sie will an den Anleihekäufen festhalten, bis substanzielle Fortschritte bei der Preisstabilität und der Arbeitslosigkeit erreicht sind.

Trotz der rasant gestiegenen Inflation hat Fed-Chef Jerome Powell signalisiert, an der Zinsfront Geduld zu bewahren. Er wird bei Kongressanhörungen in den beiden kommenden Tagen erneut Gelegenheit haben, seine Position zu erläutern. Angesichts der längst nicht ausgestandenen Krise hält die Fed den Leitzins in der Spanne von 0 bis 0,25 Prozent. Allerdings signalisierten die Währungshüter, dass es 2023 eine Erhöhung geben könnte.

Zuletzt ist in der Fed zudem eine Debatte über ein künftiges Herunterfahren der Konjunkturhilfen in Gang gekommen. Sie will dabei auch für den Fall gerüstet sein, dass man sich den Zielen des Programms schneller nähern sollte als gedacht. Mehrere Teilnehmer der jüngsten Fed-Zinssitzung rechneten angesichts des Aufschwungs etwas früher als bisher damit, dass die Bedingungen für einen Einstieg in den Ausstieg der ultra-laxen Geldpolitik gegeben sein dürften.

Laut Analyst Bernd Krampen von der NordLB gilt es kritisch zu hinterfragen, ob der Preisschub tatsächlich nur ein temporäres oder doch ein längerfristiges Problem sein wird: “Unseres Erachtens dürfte die Inflation im weiteren Verlauf des Jahres in einem unangenehmen Bereich von 5 Prozent verharren, was eine klare Zielverfehlung für die Fed bedeutet.”

Bereits die aktuellen Inflationsdaten dürften die Debatte über einen geldpolitischen Kurswechsel befeuern, meint Volkswirt Christoph Balz von der Commerzbank: “Wir erwarten, dass die US-Notenbank in den nächsten Monaten entsprechende Signale senden und im vierten Quartal beschließen wird, die Anleihenkäufe zurückzufahren.”

Von: APA/Reuters

Kommentare

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9 Kommentare auf "US-Inflation stieg im Juni überraschend auf 5,4 Prozent"


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pinko_pallino
pinko_pallino
Grünschnabel
20 Tage 6 h

Überrascht? Woher kommt den wohl all das Geld für die stimulus checks und arbeitslosen Geld? Viele Leute wollen immer noch nicht zurück in die Arbeit da sie vom Staat zum Teil mehr verdienen. Arbeitslosen erhalten 900$ die Woche. Viele Betriebe sind verzweifelt auf der Suche nach Personal. Viele bieten sogar Bonus Zahlungen für neue Mitarbeiter an. Nicht destotrotz wollen die Demokraten ein weitern check an die Leute bringen. Bis zu 3600$ monatlich. Na dann gute Nacht!

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Kinig
20 Tage 2 h

Träumen Sie weiter. 900 Dollar in der Woche verdienen vielleicht die Amerikaner, die mindestens 3 !! Arbeitsstellen haben…. Das heißt, minimum 80 !! Wochenstunden. Macht etwas mehr als 10 !! 😭 Dollar brutto die Stunde. Ein Riesengehalt 🙈

pinko_pallino
pinko_pallino
Grünschnabel
19 Tage 21 h

@Offline informiere dich mal etwas besser.

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Kinig
19 Tage 20 h

@pinko_pallino..ich danke IHNEN, für den Tipp.

DontbealooserbeaSchmuser
20 Tage 19 h

“Überraschend” 😂

Und uns will die EZB etwas von “knapp unter zwei Prozent” vorschwindeln 😆

Paula
Paula
Tratscher
20 Tage 4 h

War auch meine erste Reaktion 😂😂😂.
Warten wir ab, denke das könnte eventuell sogar zweistellig werden, wenn es so weiter geht.

NurMalSo
NurMalSo
Grünschnabel
20 Tage 17 h
Tja, alles nur transitory, also vorübergehend sagt die FED. Man wird sich verdutzt die Augen reiben und sagen …aber die FED hat doch gesagt das ist nur vorübergehend. Man kann den Banken und den Politikern ja immer glauben…gell..Im amerikanischen Aktienmarkt stecken 46 Billionen $, eine gigantische Blase wurde erschaffen. 2009 waren es gerade mal 12 Billionen$ und was da geschah, war gerade mal ein Pupser zu dem was da auf uns zukommt. Gigantische Geldmengen wurden im letzten Jahr aus Luft erschaffen und es Bedarf immer mehr. Und wer glaubt Europa ist besser dran der irrt. Die EZB ist im Gelddrucken… Weiterlesen »
Two
Two
Grünschnabel
20 Tage 17 h

Und jetzt mal ein paar Zahlen die nicht geschönt sind: Der Gebrauchtwagenmarkt ist im Vergleich yoy von Mai20-21 im US Markt um 45% gestiegen.

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Superredner
20 Tage 14 h

two

stimmt, das ist in der TAT aussagekräftiger als jede Analyse!

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