Auch Börse in Frankfurt reagierte auch US-Kurssturz

US-Kurssturz zieht auch Europas Börsen nach unten

Dienstag, 06. Februar 2018 | 21:58 Uhr

Der Kurssturz an der Wall Street hat am Dienstag auch an europäischen Börsen für sinkende Kurse gesorgt. Dax und EuroStoxx50 rutschten um jeweils rund 2,5 Prozent auf 12.373 und 3.386 Punkte ab, zeitweise waren es noch deutlich mehr. Auch an der Wiener Börse ging es nach einem anfänglichen Absturz wieder etwas bergauf. Experten sind uneins über die zu erwartende weitere Entwicklung.

Das Börsenbeben begann an der New Yorker Wall Street. Der US-Leitindex Dow Jones war am Montag unter anderem aus Sorge vor einer Zinswende um 4,6 Prozent auf 24.346 Punkte eingebrochen. Beim S&P 500 löste sich innerhalb eines Tages eine Marktkapitalisierung von einer Billion Dollar in Luft auf. Das ist mehr als Deutschland in einem Quartal erwirtschaftet. Nur Stunden später wurden die Börsen in Asien und Australien nach unten gezogen. In Tokio schloss die Börse 4,7 Prozent im Minus, Hongkong verlor über fünf Prozent, das war der tiefste Stand seit Sommer 2015. Negativ betroffen waren auch die Finanzplätze im australischen Sydney und in Singapur.

In Europa hingegen erholten sich die Kurse nach einer anfänglichen Schwäche bald wieder. Dax und EuroStoxx50 rutschten am Dienstag um jeweils rund 2,5 Prozent auf 12.373 und 3386 Punkte ab, zeitweise waren es noch deutlich mehr. Der ATX in Wien wurde gegen 9.45 Uhr mit 3.407,88 Punkten nach 3.506,85 Einheiten am Montag errechnet, das ist ein Abschlag von 98,97 Punkten bzw. 2,82 Prozent. In den ersten Handelsminuten war der Leitindex noch um knapp fünfeinhalb Prozent eingebrochen.

Auch die US-Börsen haben sich am Dienstag kurz nach Handelsbeginn deutlich stabilisiert, legten aber in der ersten halben Stunde eine Berg- und Talfahrt hin. Während die Leitindizes anfangs noch mehr als zwei Prozent im Minus gestartet waren, drehten sie innerhalb von kurzer Zeit deutlich in die Gewinnzone.

Auch die Talfahrt an der Wall Street wurde am Tag nach dem Beben vorerst beendet. Die US-Börsen gaben am Dienstag zur Eröffnung nur kurzfristig weiter nach und drehten bereits nach einer Viertelstunde ins Plus. Der Dow Jones stieg gegen 15.55 Uhr um 1,11 Prozent auf 24.614,79 Punkte. In den ersten Handelsminuten war er zunächst noch um weitere 2,33 Prozent gefallen. Um 21.45 Uhr, also in der letzten Stunde vor Börsenschluss, notierte der Dow um 2,27 Prozent höher bei 24.898,72 Punkten.

“Wenn der Abverkauf in den USA weitergeht, wird sich die Lage hier nicht beruhigen”, warnte Marktanalyst Heino Ruland vom Analysehaus Ruland Research. Auslöser des Kurssturzes ist die Sorge von Investoren, dass die Zeiten des billigen Geldes demnächst vorbei sein könnten und dass die US-Leitzinsen schneller steigen als bisher erwartet. Denn in den USA brummt die Wirtschaft, am Arbeitsmarkt läuft es rund, und die Löhne stiegen im Januar so stark an wie seit Mitte 2009 nicht mehr. Anleger schichten deshalb Geld tendenziell von Aktien in Anleihen um, da diese künftig wieder mehr Rendite abwerfen dürften.

Die Frage sei nun, ob der Kurssturz der Beginn einer größeren Korrektur sei oder nur ein temporäres Stimmungstief, sagte Marktanalyst Neil Wilson vom Brokerhaus ETX Capital. “Wenn Anleger auf das Gewinnwachstum und die Grundlagen der Weltwirtschaft schauen, gibt es Grund zum Optimismus. Wenn so eine Flucht aber erst einmal eingesetzt hat, ist sie nur schwer zu stoppen.” Die Deutsche Bank empfahl Anlegern, die Füße still zu halten. “Ich gehe zwar davon aus, dass die wichtigsten Aktienindizes am Jahresende höher stehen werden als heute”, so Chef-Anlagestratege Ulrich Stephan. “Die Schwankungsbreite dürfte jedoch hoch bleiben. Anleger sollten deshalb über eine Risikoreduktion in ihrem Portfolio nachdenken.”

Analyst Dirk Gojny von der Essener National-Bank wertete die aktuellen Kursverluste als Gewinnmitnahmen, deren Deutlichkeit Anleger allerdings auf dem falschen Fuß erwischt habe. “Man hatte sich daran gewöhnt, dass sich Ausschläge in Grenzen halten.” Beim Absturz der New Yorker Börse um 4,60 Prozent von einem Crash zu sprechen ist übertrieben, wenn vorher der Börsenindex Dow Jones 40 Prozent nach oben rennt”, erklärte RBI-Chefanalyst Peter Brezinschek am Dienstag zur APA. “Das ist einfach eine notwendige Korrektur”, so auch Friedrich Mostböck, Chefanalysten der Erste Group. “Es könnte jetzt schon noch eine Zeit lang nach unten gehen.”

Bank-Austria-Chefanalystin Monika Rosen kann sich den jüngsten Kurssturz an der New Yorker Börse, der weltweit auch andere Aktienmärkte nach unten gezogen hat, eigentlich nicht erklären. Ausmaß und Geschwindigkeit der Abwärtsbewegung hätten sie überrascht, “ein auslösender Grund ist nicht wirklich greifbar”, meinte sie am Dienstag im Ö1-“Mittagsjournal” des ORF-Radio. Ja, es seien davor die Aktienkursanstiege schon sehr respektabel gewesen, und auch die Renditen der Staatsanleihen hätten stark zugelegt – “aber das allein würde ich nicht für das Timing der Korrektur verantwortlich machen”.

Von: APA/dpa/ag.