Fed-Chefin Janet Yellen signalisiert möglichen Zinsschritt

US-Notenbank will Zinserhöhung noch dieses Jahr angehen

Donnerstag, 22. September 2016 | 06:40 Uhr

Die US-Notenbank Fed steuert behutsam auf die erste und wohl einzige Leitzinserhöhung in diesem Jahr zu. In einer intern umstrittenen Entscheidung beließ sie den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld am Mittwoch vorerst in einer Spanne von 0,25 bis 0,5 Prozent. Fed-Chefin Janet Yellen signalisierte jedoch, dass sie einen Schritt nach oben bis zum Jahresende wagen könnte.

“Falls keine neuen großen Risiken hinzukommen und alles auf Kurs bleibt”, fügte sie hinzu. Insgesamt ist die Notenbank mit dem Verlauf der amerikanischen Konjunktur zufrieden. Doch will sie noch Fortschritte sehen – vor allem bei der als zu niedrig angesehenen Inflation. An den US-Börsen kam die Aussicht auf eine anhaltende Versorgung mit billigem Geld gut an: Die Kurse legten deutlich zu.

Wie heftig die Fed mit der Entscheidung gerungen hat, zeigt das Abstimmungsergebnis: Drei Währungshüter waren für eine sofortige Erhöhung, wurden jedoch von sieben Kollegen überstimmt. Zahlreiche Experten rechnen damit, dass die Federal Reserve nach der Zinswende von Ende 2015 im Dezember 2016 nachlegen wird – wenn die US-Präsidentschaftswahl gelaufen ist. Yellen betonte jedoch, dass auch das wenige Tage vor der Wahl im November anberaumte nächste Fed-Treffen eine Entscheidung bringen könne. Die Beratungen der Zentralbank würden nicht von politischen Überlegungen beeinflusst.

Zum US-Wahlkampf wollte sich Yellen nicht äußern. Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump hatte ihr vorgeworfen, den Leitzins auf Anweisung des demokratischen Präsidenten Barack Obama künstlich niedrig zu halten. Nach Ansicht des Ökonomen Thomas Gitzel von der VP Bank könnte die Politik dennoch Yellens Pläne durchkreuzen, die Zügel nach Möglichkeit im Dezember zu straffen. “Bis dahin kann sich noch viel tun. Sollte etwa Trump die Wahlen gewinnen und die Finanzmärkte darauf negativ reagieren, wird aus einer Leitzinserhöhung zum Jahresende wieder nichts.”

Die Notenbank zeichnete in ihrem Begleittext zum Zinsentscheid ein relativ positives Bild der US-Konjunktur. Der Arbeitsmarkt habe sich kontinuierlich verbessert, und auch die Wirtschaft ziehe an. Dennoch habe sich die Fed “vorerst” gegen eine Erhöhung entschieden. Zuvor will sie Fortschritte auf dem Weg zu Vollbeschäftigung und stabilen Preisen sehen. Das erste Ziel ist praktisch erreicht. Doch bei der Inflationsrate ist die Fed noch immer ein gutes Stück von der angestrebten Teuerungsrate von zwei Prozent entfernt. Dies sei beim Zinsentscheid mit ins Kalkül genommen worden, betonte Yellen. Die Notenbank sei weiter bestrebt, ihr Inflationsziel zu erreichen.

Die Wall Street reagierte erleichtert auf die Aussicht, dass die Zeit des billigen Geldes weiter andauert: Der Leitindex Dow Jones legte knapp ein Prozent zu, während der Dollar zum Euro leicht nachgab. “Wir sehen uns in unserer Ansicht bestärkt, dass es noch 2016 eine Zinserhöhung geben wird”, sagt Stefan Kreuzkamp, der oberste Anlagechef der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank. Nächstes Jahr könnten noch ein bis zwei weitere Schritte folgen. Eine Serie schwächerer Konjunkturdaten, die maue Weltwirtschaft und die lange Zeit hartnäckig niedrige Inflation hielt die Fed dieses Jahr jedoch bisher von einer geldpolitischen Straffung ab. Die Währungshüter blicken vor allem auf Preisveränderungen bei den persönlichen Verbraucherausgaben (PCE).

Angesichts der Finanzkrise hatte die Federal Reserve den Leitzins Ende 2008 auf das Rekordtief von null bis 0,25 Prozent gesenkt. Im Dezember beendete die Zentralbank dann die Ära der Nullzinsen und hob den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte an – die erste Erhöhung seit 2006. Als Grund führten die Währungshüter die Verbesserung der Lage auf dem US-Arbeitsmarkt an. Seitdem jedoch verzichteten sie auf weitere Zinserhöhungen.

Jüngste Daten wiesen darauf hin, dass der Arbeitsmarkt weiter zugelegt und die “wirtschaftliche Aktivität” an Fahrt aufgenommen habe, hieß es in der gesonderten FOCM-Erklärung. Für Unbehagen sorgten demnach aber anhaltende Schwachpunkte der US-Wirtschaft. So senkte der Ausschuss die Wachstumsprognose für dieses Jahr von 2,0 auf 1,8 Prozent.

Die Argumente für eine Zinserhöhung seien stärker geworden, allerdings wolle der Ausschuss noch auf weitere Anzeichen warten, dass sich die Wirtschaft “in Richtung ihrer Zielvorgaben” entwickle.

Von: APA/ag.

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