ifo-Experte Gabriel Felbermayr schätzt die Lage kritisch ein

US-Sonderzölle könnten deutsche Auto-Exporte fast halbieren

Samstag, 16. Februar 2019 | 12:43 Uhr

US-Präsident Donald Trump könnte laut dem Münchner ifo-Institut die deutschen Autobauer durch Sonderzölle auf Autos empfindlich treffen. Sollten die USA die Importzölle dauerhaft um 25 Prozent erhöhen, könnten sich die deutschen Autoexporte in die USA langfristig fast halbieren, wie aus Berechnungen des Instituts hervorgeht.

“Diese Zölle würden die gesamten Auto-Exporte aus Deutschland um 7,7 Prozent verringern, was einem Wert von 18,4 Milliarden Euro entspräche”, sagt ifo-Experte Gabriel Felbermayr. Exporte in andere Länder und Sektoren könnten diesen Effekt zwar etwas abfedern, es bleibe aber bei einem Rückgang der gesamten deutschen Exporte um 11,6 Milliarden Euro, so Felbermayr.

Unterdessen rückt eine Entscheidung über mögliche Zölle näher. Am Sonntag endet die Frist für eine Entscheidung des US-Handelsministeriums darüber, ob der Import von Autos und Zulieferteilen die nationale Sicherheit des Landes beeinträchtigt. Sollte dies der Fall sein, könnte Trump binnen 90 Tagen darüber befinden, ob er Sonderzölle einheben will. Zuletzt wurden Sonderzölle in Höhe von 25 Prozent ins Gespräch gebracht. Dadurch will Trump das amerikanische Handelsdefizit abbauen und Jobs in den USA schaffen.

Wann genau die Entscheidung des Ministeriums öffentlich wird, ist unklar – am kommenden Montag ist in den USA ein Feiertag. Das Ministerium wollte sich nicht zu der Entscheidung äußern.

Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel übte scharfe Kritik an den Plänen der USA. In ihrer Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz wies Merkel am Samstag darauf hin, dass viele deutsche Konzerne ihre Autos in den USA bauen ließen – etwa im BMW-Werk im US-Bundesstaat South Carolina. “Wenn diese Autos, die in South Carolina gebaut werden, plötzlich eine Bedrohung der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten sind, dann erschreckt uns das”, sagte die Kanzlerin.

Sollte Trump ernst machen, dürfte dies laut Felbermayr die Wertschöpfung der deutschen Autoindustrie um rund fünf Prozent beziehungsweise um sieben Milliarden Euro senken. Innerhalb der EU würden etwa 60 Prozent des Schadens für die Wirtschaftskraft auf die Bundesrepublik entfallen. Die Wertschöpfung in der US-Autoindustrie dürfte dagegen um rund 25 Milliarden Euro steigen.

Noch im Dezember hatte eine Delegation deutscher Automanager von VW, Daimler und BMW Trump getroffen, um ihn von Sonderzöllen abzubringen – doch wie viel das brachte, bleibt unklar.

Die deutsche Autoindustrie warnt vor Abschottung und verweist auf die Bedeutung der deutschen Autobauer und Zulieferer für den US-Arbeitsmarkt. “2018 waren rund 118.000 Mitarbeiter in ihren Werken direkt beschäftigt, rund 8000 mehr als ein Jahr zuvor”, heißt es vom Verband der Automobilindustrie (VDA). “Während wir 2018 rund 750.000 Fahrzeuge in den deutschen US-Werken produziert haben, wurden nur 470.000 Neuwagen aus Deutschland in die USA exportiert.”

Würde es keine Gegenreaktion anderer Länder geben, könnten die USA langfristig von Sonderzöllen erheblich profitieren, sagt Felbermayr. “Porsche, Audi, BMW, Mercedes & Co würden verstärkt in den USA produzieren und so die Zölle umgehen.” Wer weiter in die USA exportiere, müsse die Preise senken. Außerdem würden die USA Milliarden an Zolleinnahmen kassieren. Das Problem ist nur: “Gegenzölle machen das alles kaputt.”

Und das könnte der Haken an Trumps Rechnung sein. Schon auf die zuvor verhängten US-Sonderzölle auf Stahl und Aluminium hatte die EU mit Einfuhrschranken auf US-Produkte reagiert – etwa auf Whiskey. Und hier zeigen sich bereits Folgen: Die Whiskey-Exporte aus den USA in die EU sind laut dem US-Branchenverband The Distilled Spirits Council zuletzt deutlich gesunken. Allerdings geht es hier um vergleichsweise kleine Summen. Zu einer möglichen Reaktion auf US-Autozölle will sich die EU-Kommission vorerst nicht äußern.

Von: APA/dpa

Kommentare

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12 Kommentare auf "US-Sonderzölle könnten deutsche Auto-Exporte fast halbieren"


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Pacha
Pacha
Tratscher
1 Monat 3 Tage

So langsam dämmert es in der Birne der Deutschen, das arrogante Verhalten Ihrer und auch europäischer Politiker gegenüber den Amerkanischen Präsidenten hat jetzt negative Auswirkungen auf die Wirtschaft nicht nur Deutschlands sondern auch der EU. Anstatt zu Verhandeln musste man ja Lehrstunden erteilen! Inkompetenter gehts nicht mehr.

Mistermah
Mistermah
Kinig
1 Monat 3 Tage

Stimmt zum Teil. Doch nimmt man ihr Trump einfach nur als Ausrede. Der autoabsatz stagniert ja nicht nur in den Usa, sondern weltweit. Alle Hersteller sind betroffen. Irgendwann ist eben mal Schluss. Die Kaufkraft geht stetig zurück und man kann bzw will sich nicht immer alle 3 jahre ein neues Auto leisten. Es bricht eben die masse der Konsumenten weg. Die Unsicherheit bzgl abgswerte, Fahrverbote und Umstellung auf e- autos, lässt ebenso viele abwarten.

falschauer
falschauer
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

wie bitte….????…..wer verhält sich arrogant….???…..american first…👎

Pacha
Pacha
Tratscher
1 Monat 3 Tage

Na dann erklär mir mal wie es möglich ist, daß eine europäische Handelsdelegation nach der anderen nach China reist, ein kommunistische Land das sämtliche Rechte mit Füßen tretet, um bessere Handelsverträge zu bekommen? Sich Politiker dann kräftig gegenseitig die Hände schütteln und in die Kamera grinsen? Auf der anderen Seite der Welt aber mit Amerika den Moral Apostel spielt?

falschauer
falschauer
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage
@Pacha du hast von einem arroganten verhalten deutschlands und europas geschrieben…..wer treibt die america first politik voran? wer führt zölle ein? wessen benehmen ist prepotent?…wer will von der nato nichts mehr wissen?….usw das nenne ich arrogant und dass sich europa umschauen muss bevor der amerikanische markt als größter abnehmer, wegen der trump zölle einbricht ist wohl weitsichtig, außerdem ist china die zweitgrößte wirtschaft der welt und wird die usa in absehbarer zukunft dank der trump politik, überholen…der nächste schritt wäre die sanktionen gegen russland zu lockern bzw aufzuheben, dort steckt genauso ein riesiges potential…aber darüber könnte man ja bücher schreiben….arrogant… Weiterlesen »
Mistermah
Mistermah
Kinig
1 Monat 22 h

Was ist daran arrogant, wenn man zuerst an sein Land und Volk denkt?? Arrogant ist es wenn man sein volk hinten anstellt und somit den Wählerauftrag mit Füßen tritt

ifinger947
ifinger947
Tratscher
1 Monat 3 Tage

Naja da gäbe es sicher Möglichkeiten die USA auch mit Sonderzöllen zu ärgern. Trumpl ist wieder mal auf Konfrontation aus . Er kann es nicht verkraften dass seine Schulden jede Sekunde um ca. 34.500 Dollar steigen. Er kann einen Kopfstand machen,aber mit solchen Maßnahmen wird es nicht besser.

falschauer
falschauer
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

und dann will er noch eine mauer um 6,5 millionen $ aufstellen, wahnsinn pur….aber wen wundert es schon die welt wird zur zeit ohnehin auf den kopf gestellt….usa, brasilien, venezuela, europa usw…alles wird wort wörtlich verrückt

Mistermah
Mistermah
Kinig
1 Monat 22 h

Die Zölle der eu sind schon höher als die der usa. Deswegen reagieren sie auch nicht.

ifinger947
ifinger947
Tratscher
1 Monat 2 Tage

falschauer: in Bezug auf Amerika first ,gebe ich dir zu 100 % Recht. Aber die Sanktionen gegen Russland kann man erst lockern wenn die Ukrainekrise gelöst ist. Putin führt dort einen hinterhältigen Krieg und versucht das asowsche Meer für Russland zu kapern wie die Krim ! Das kann man nicht durchgehen lassen. 

m69
m69
Kinig
1 Monat 2 Tage

https://www.suedtirolnews.it/user/ifinger947/

bist Du blind oder nur Halbblind?????

Wer hat wen vorher herausgefordert?

Putin hat sich “nur” gewehrt!

Obwohl das nicht korrekt wahr von Putin, kann ich das verstehen, Sie nicht???

Mistermah
Mistermah
Kinig
1 Monat 22 h

@m69
Vergiss es. Die Fakten zählen nicht, nur die us Propaganda und die Europäer folgen wie Zombies. Wie immer. Dann wundern sie sich das Europa immer zum Schlachthof und in Blut getränkt wird.

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