Trump und Juncker kamen überraschend zu Einigungen

USA setzen Prüfung von Autozöllen zunächst fort

Donnerstag, 26. Juli 2018 | 19:08 Uhr

US-Präsident Donald Trump hat sein Handelsministerium trotz der anhaltenden Gespräche angewiesen, die Prüfung von Autozöllen zunächst fortzusetzen. Derzeit solle aber nichts umgesetzt werden, sagte Handelsminister Wilbur Ross. Seinen Worten zufolge bleiben außerdem die Schutzzölle auf Stahl und Aluminium in Kraft.

Trump wolle, dass die Gespräche mit der EU schneller vorangingen als die Verhandlungen über das nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta mit Kanada und Mexiko, so Ross. Zuvor hatte ein Krisentreffen zwischen Trump und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker in Washington eine gewisse Entspannung im Handelskonflikt gebracht.

Trump und Juncker einigten sich bei ihrem Treffen überraschend darauf, vorerst auf Sonderzölle auf europäische Autos zu verzichten. Stattdessen soll es Verhandlungen zum Abbau von Handelsbarrieren geben.

An den Finanzmärkten wurde der Deal positiv aufgenommen: Der Euro-Stoxx-50 notierte am frühen Nachmittag um 0,6 Prozent höher. In Frankfurt legte der DAX 1,1 Prozent zu, Auto-Aktien stiegen zeitweise um mehr als fünf Prozent. In Wien stieg der ATX zuletzt um 0,4 Prozent. Die Aktien des Stahlkonzerns voestalpine gehörten mit einem Plus von 2,4 Prozent zu den größten Gewinnern. Aus Politik und Wirtschaft kamen zahlreiche positive Reaktionen, aber auch skeptische Töne.

Trump und Juncker hatten im Vorfeld ihres mehrstündigen Gesprächs am Mittwochabend im Weißen Haus die Aussichten auf einen Erfolg selbst als gering eingeschätzt. Der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier bescheinigte Juncker daher eine “großartige” Verhandlungsführung.

Geplant ist nun, rasch über einen umfassenden Zollabbau – speziell für Industriegüter – zu verhandeln. Die Europäer gingen auf Trump zu, indem sie mehr Sojabohnen und Flüssiggas (LNG) aus den USA einführen wollen.

Trump steht derzeit insbesondere von Landwirten unter Druck, weil deren Soja-Geschäfte mit China massiv unter dem Handelsstreit leiden. Auch die führenden US-Autobauer spüren Auswirkungen des Konflikts um zusätzliche Stahl- und Aluminiumzölle. So haben Ford und General Motors gerade ihre Geschäftsprognosen gesenkt.

Für die deutsche Wirtschaft mit Aushängeschildern wie Daimler und BMW ist vor allem der vorläufige Verzicht auf Auto-Sonderzölle entscheidend. “Damit besteht eine reale Chance, zusätzliche Zölle oder gar einen Handelskrieg zwischen den USA und der EU zu verhindern”, gab sich der Autoverband VDA erleichtert.

Von: APA/ag.