Mnuchin wartet auf ein Angebot

USA wollen mit Europäern über freien Handel sprechen

Sonntag, 22. Juli 2018 | 14:49 Uhr

Nach einer wochenlangen Eskalation im globalen Zollstreit haben die Finanzminister der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer bei ihrem Treffen in Buenos Aires über die Zukunft des Welthandels beraten. US-Finanzminister Steve Mnuchin zeigte sich offen für ein Handelsabkommen mit der Europäischen Union. “Unser Ziel ist ein freier, offener und ausgeglichener Handel”, sagte er.

Mnuchin schlug am Wochenende beim Treffen der G-20-Finanzminister und Notenbankchefs in der argentinischen Hauptstadt erneut vor, die Handelsbarrieren innerhalb der Gruppe der sieben traditionellen Industriestaaten (G-7) fallen zu lassen. “Wenn Europa an den Freihandel glaubt, sind wir bereit, ein Freihandelsabkommen zu unterzeichnen.” Es gebe allerdings drei Bedingungen, so der US-Politiker: die Abschaffung von Zöllen, Handelsbarrieren und Beihilfen.

Frankreich hielt umgehend dagegen. Bevor sich die EU zu Handelsgesprächen bereit erkläre, müsste US-Präsident Donald Trump die Zölle auf Stahl und Aluminium sowie seine Drohung mit Zöllen auf Autos zurückziehen. “Wir weigern uns, mit einer Pistole auf der Brust zu verhandeln”, sagte Finanzminister Bruno Le Maire.

Zuletzt hatte US-Präsident Donald Trump noch mit höheren Zöllen auf Autos aus Europa gedroht. Das könnte die deutsche Automobilindustrie und damit die österreichische Zulieferindustrie empfindlich treffen. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström reisen am Mittwoch (25.7.) zu Gesprächen nach Washington. “Wir freuen uns auf ein Angebot”, sagte Mnuchin.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte unterdessen die führenden Industrie- und Schwellenländer der G-20-Gruppe vor einer Eskalation des von Trump angezettelten Handelsstreits. Im schlimmsten Falle könnte das weltweite Wirtschaftswachstum um einen halben Prozentpunkt niedriger ausfallen, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde.

Tatsächlich zeigt eine Analyse des Internationalen Währungsfonds (IWF), dass ausgerechnet die US-Wirtschaft wegen drohender Strafzölle in zahlreichen Ländern der größte Verlierer im Handelsstreit sein könnte. Letztendlich würde aber die ganze Welt unter einem Zoll-Wettrüsten leiden. Im schlechtesten Fall könnte die weltweite Wirtschaftsleistung im Jahr 2020 um 0,5 Prozent oder 430 Mrd. US-Dollar (knapp 370 Mrd. Euro) niedriger liegen als bisher erwartet, schätzt der IWF.

Der deutsche Finanzminister Olaf Scholz dämpfte die Erwartungen an das Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs. Er rechne nicht mit greifbaren Fortschritten. “Die Wohlstandsgewinne sind für alle größer, wenn wir kooperieren”, sagte der SPD-Politiker. Seinem brasilianischen Amtskollegen Eduardo Guardia zufolge sind sich die Teilnehmer einig, dass die Risiken für die Weltwirtschaft seit ihrem letzten Treffen Ende März nicht zuletzt wegen des Handelsstreits und höherer Leitzinsen gestiegen sind. In der Abschlusserklärung werde berücksichtigt, dass vor allem in Schwellenländern Reformen nötig seien, um sich gegen Schwankungen zu wappnen.

Der Handelskonflikt tobt vor allem zwischen den USA und China, das bereits von Handelskrieg spricht. Mit der Erneuerung des Vorschlags von Trump versuchte Mnuchin offenbar auch, den Druck auf China zu erhöhen. Die Regierung in Washington hat Produkte aus der Volksrepublik im Volumen von 34 Mrd. Dollar (gut 29 Mrd. Euro) mit zusätzlichen Zöllen belegt. China hat Gegenmaßnahmen im gleichen Umfang erlassen. Am Freitag drohte Trump mit Zöllen auf chinesische Einfuhren im Wert von 500 Mrd. Dollar.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz