CTS Eventim könnte Krise dennoch gut überstehen

Veranstalter CTS Eventim brachen die Geschäfte weg

Donnerstag, 20. August 2020 | 12:07 Uhr

Den deutsche Konzertveranstalter und Ticketvermarkter CTS Eventim – Mutter von oeticket und Barracuda in Österreich – hat die Coronakrise im zweiten Quartal voll getroffen. In den Monaten April bis Juni nahm das Unternehmen unter anderem wegen ausgefallener Konzerte und Festivals kaum noch Geld ein.

Konzernchef Klaus-Peter Schulenberg will den Kopf aber nicht in den Sand stecken, auch wenn Großveranstaltungen in den meisten Ländern mindestens bis Ende September oder Oktober verboten bleiben. “Obwohl wir durch die Coronapandemie derzeit die schwierigste Phase unserer Unternehmensgeschichte erleben, richten wir den Blick zuversichtlich nach vorne”, sagte der Manager am Freitag laut Mitteilung.

CTS Eventim leidet seit Beginn der Corona-Beschränkungen im Frühjahr unter den Auflagen, die vorwiegend ab März griffen. Mit Konzerten, Tourneen und Festivals wie “Rock am Ring”, “Hurricane” oder “Southside” gehört der Konzern zu den bekanntesten Veranstaltern der Branche. In diesem Jahr mussten die Festivals mit teils Zehntausenden Zuschauern wegen der Pandemie alle abgesagt werden.

Zur Coronakrise kam für CTS Eventim zuletzt noch eine weitere Baustelle hinzu: Der Konzern hatte im Jänner den führenden österreichischen Konzertveranstalter Barracuda mehrheitlich übernommen. Dieser hat bei der durch einen Bilanzskandal in die Insolvenz geschlitterten Commerzialbank Mattersburg im Burgenland AG rund 34,3 Mio. Euro Einlagen im Feuer. Die österreichische Finanzaufsicht (FMA) hatte dem Institut den Geschäftsbetrieb untersagt und Konten eingefroren, wodurch die österreichische Tochter derzeit keinen Zugriff auf das Geld hat – von der Einlagensicherung gibt es maximal 100.000 Euro Entschädigung. Mit einem Finanzierungsplan musste CTS daher Barracuda stützen und die Einlagen komplett wertberichtigen. Der Konzern werde alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um seine Rechte zu wahren, hieß es.

Für den Konzern, der auch die Lanxess Arena in Köln, die Berliner Waldbühne und große Hallen in Kopenhagen und London betreibt, hatte sich das Corona-Unheil früh abgezeichnet. Bereits im ersten Quartal waren die Geschäfte eingebrochen, nun kamen sie fast vollständig zum Erliegen. Mit 13,9 Mio. Euro lag der Umsatz von CTS Eventim im zweiten Quartal fast 97 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Schulenberg machte aber Mut. “Wir werden aus der Krise gestärkt und agiler hervorgehen”, sagte er. “Dass es inzwischen wieder Veranstaltungen mit mehreren hundert Besuchern gibt, ist ein hoffnungsvolles Zeichen.” Die Kölner Lanxess-Arena sei dabei ein Vorreiter. In der Berliner Waldbühne will das Unternehmen im September unter entsprechenden Hygienebedingungen testweise Konzerte mit bis zu 5.000 Menschen veranstalten. “Wir wissen, dass trotz Corona die Begeisterung für Live-Veranstaltungen ungebrochen ist”, sagte Schulenberg.

Kosten- und Effizienzmaßnahmen hätten in der Krise Entlastungen in zweistelliger Millionenhöhe gebracht, hieß es. Investitionen wurden auf ein Mindestmaß gekappt. Das reichte aber nicht, um noch Gewinne zu machen. Der um Sondereffekte bereinigte Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen lag bei 16,2 Mio. Euro nach einem operativen Gewinn von 54,7 Mio. Euro ein Jahr zuvor. Auch unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 40,9 Mio. Euro. Vor einem Jahr hatte das Unternehmen noch 21,8 Mio. Euro verdient.

Der Konzern gibt wegen der Covid-19-Pandemie weiter keine Prognose für das laufende Jahr ab, schätzte seine Wettbewerbsposition nach Ende der Beschränkungen aber als sehr gut ein. In der Branche wird ohnehin seit längerem gemunkelt, dass wohl viele kleine und mittlere Veranstalter die Coronapandemie nicht überstehen.

CTS Eventim als einem Riesen in der Branche werden da bessere Chancen eingeräumt. Das Unternehmen könne stärker aus der Krise herauskommen, wenn andere Anbieter das Feld räumen müssten, sagte der Aktienhändler – falls CTS Eventim selbst bald wieder Geschäfte machen könne. Ein anderer Händler sah aber weiterhin Schwierigkeiten: Selbst wenn es bald wieder Veranstaltungen geben könne, machten die Hygieneauflagen diese wohl entweder zu einem Verlustgeschäft oder deutlich weniger profitabel.

Die Münchner haben im April eine bestehende Kreditlinie in Höhe von 200 Mio. Euro in Anspruch genommen. Die Hauptversammlung im Juni beschloss zudem, die Dividende zu streichen. Ende Juni betrugen die flüssigen Mittel rund 822 Mio. Euro und damit mehr als die knapp 685 Mio. Ende März. Um die Kassenlage weiter zu schonen, arbeitet CTS Eventim in wichtigen europäischen Kernmärkten an Gutscheinlösungen. Der Bundestag hatte im Mai entsprechende Regelungen für bestimmte Tickets beschlossen, um Veranstalter vor Finanznöten zu schützen.

Von: APA/dpa-AFX

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