Der Ausblick auf das gesamte Geschäftsjahr hellt sich zunehmend auf

voestalpine trotz Coronapandemie im Aufschwung

Mittwoch, 04. August 2021 | 12:25 Uhr

Die voestalpine profitiert von der international anziehenden Konjunktur und ist recht robust unterwegs. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2021/22 hat der Linzer Stahlkonzern unter dem Strich einen Gewinn von 259 Mio. Euro erzielt, wie das Unternehmen am Mittwoch bekanntgab. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres, zu Beginn der Coronapandemie, stand noch ein Nettoverlust von 70 Mio. Euro zu Buche. Die Prognosen für das Gesamtjahr wurden nun nach oben geschraubt.

“Die voestalpine konnte den Konjunkturaufschwung nach der pandemiebedingten Rezession im Vorjahr voll nutzen – fast alle unsere Markt- und Produktsegmente haben sich im ersten Geschäftsquartal sehr gut entwickelt und die einzelnen Divisionen zeigten eine ausgezeichnete Performance”, ließ CEO Herbert Eibensteiner wissen. In der Coronakrise schnürten zahlreiche Regierungen milliardenschwere Konjunkturpakete, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. “Trotz der in der Europa wieder ansteigenden Infektionszahlen werden die Konjunkturprogramme zusehends optimiert – wir sehen auch, dass die Konjunkturprogramme weltweit, also auch in den USA und China, eine Fortsetzung dieses Aufwärtstrends vermuten lassen”, rechnet Eibensteiner mit einem Anhalten der aktuellen wirtschaftlichen Dynamik.

Mit der Nachfrage stiegen auch die Rohstoffpreise, welche der Konzern auf die Produkte draufschlug, also an die Kunden weiterreichte. “In so einem Umfeld steigen natürlich auch die Produktpreise”, so der Konzernchef in einer Online-Pressekonferenz. “Wir haben eine starke Nachfrage gesehen, das hat natürlich auch die Preise erhöht.” Die Voest rechnet mit weiteren Teuerungen für Rohstoffe wie Eisenerze und Schrott, sieht darin aber kein Problem. “Wir gehen davon aus, dass wir die Steigerungen der Rohstoffpreise überkompensieren können”, sagte Eibensteiner.

Noch nicht wirklich gut angelaufen ist das Geschäft in der Luftfahrtindustrie – die Voest spricht von einer “verhaltenen” Entwicklung im ersten Quartal 2021/22. Die Auftragseingänge hätten sich stabilisiert und es gebe leichte Verbesserungen, die sich im Laufe dieses und nächsten Jahres fortsetzen sollten, so die Annahme. In der Öl- und Gasindustrie, einem ebenfalls wichtigen Kundensegment des Konzerns, habe die Nachfrage “in Teilbereichen” angezogen – die europäischen Produktionsstandorte der voestalpine seien aber “nach wie vor von den in den USA noch immer geltenden Schutzzöllen (‘Section 232’) betroffen”. “Aber wir liefern trotzdem aufgrund der guten Nachfrage und der guten Preise in die USA”, so der CEO.

Die europäische Automobilindustrie sei zwar weiterhin mit den seit Jahreswechsel bestehenden Lieferproblemen aus der Halbleiterindustrie konfrontiert, wodurch es in Folge bei einigen Automobilherstellern zu kurzfristigen Produktionsstopps komme. Doch habe dies zu “keinem nennenswerten Rückgang der Nachfrage” nach den Stahlprodukten der voestalpine geführt. Auch in den USA und China sei es für das Unternehmen kaum zu halbleiterbedingten Produktionsausfällen gekommen. “Wir und unsere Kunden gehen davon aus, dass noch bis zum Ende dieses Kalenderjahres mit Chipproblemen zu rechnen ist – wir werden uns darauf einstellen”, sagte Eibensteiner. So will der Konzern etwa Mengen, die für die Automobilindustrie gedacht sind, auf andere Kunden “switchen” und etwas weniger als gedacht liefern.

Ein generelles Thema in der Industrie sei das Wiederauffüllen der Läger bei den Kunden und den Kundensegmenten. Aufträge könnten nicht vollständig erfüllt werden, weil Lieferketten unvollständig seien. “Die Nachfrage war so groß, dass es zu keinem großen Aufbau der Zwischenläger kommen konnte, aber diese extreme Enge im Markt wird sich im Laufe des Geschäftsjahres vielleicht doch stabilisieren”, hofft der Konzernchef

“Weiterhin stabil” entwickle sich der Geschäftsbereich Bahninfrastruktursysteme. Und im Bereich Lagertechnik hätten die Auftragseingänge wegen des in der Pandemie boomenden Onlinehandels im ersten Geschäftsquartal ein neues Rekordhoch erreicht.

Für das gesamte Geschäftsjahr 2021/22 (per Ende März) erwartet das Management nun einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) zwischen 1,9 und 2,2 Mrd. Euro und damit deutlich mehr als noch vor zwei Monaten. Bei der Bilanzpräsentation im Juni waren noch 1,6 bis 1,9 Mrd. Euro in Aussicht gestellt worden.

Die Konjunkturprognosen für 2021 seien trotz der zuletzt in Europa wieder ansteigenden Covid-19-Infektionszahlen zusehends optimistischer geworden. Neben weiteren Öffnungsschritten, insbesondere im Dienstleistungssektor, ließen auch “Konjunkturprogramme historischen Ausmaßes” eine Fortsetzung des wirtschaftlichen Aufwärtstrends erwarten, so der Konzern.

Das bekommt auch die voestalpine zu spüren: Im ersten Quartal 2021/22 (April bis Juni) drehte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) im Jahresabstand von minus 49 Mio. Euro auf plus 340 Mio. Euro. Das EBITDA kletterte um 242 Prozent auf 540 Mio. Euro. Der Umsatz legte um 45,6 Prozent von 2,4 auf 3,5 Mrd. Euro zu. Der Cashflow aus der Betriebstätigkeit war mit 272 Mio. Euro positiv, vor einem Jahr noch mit 34 Mio. Euro negativ. Die Nettofinanzverschuldung im Verhältnis zum Eigenkapital (Gearing Ratio) verbesserte sich im Jahresvergleich von 71,7 auf 43,8 Prozent. Das Eigenkapital erhöhte sich den Angaben zufolge um 8,2 Prozent auf 6 Mrd. Euro.

Die voestalpine beschäftigte im Berichtszeitraum weltweit 48.880 Mitarbeiter (Vollzeitäquivalente) – um 2,1 Prozent mehr als vor einem Jahr (47.894 Beschäftigte). An den österreichischen Standorten ist die coronabedingte Kurzarbeit laut Eibensteiner im Juni ausgelaufen und soll aus jetziger Sicht auch nicht wieder aufgenommen werden. “In Deutschland – in Schwäbisch Gmünd – haben wir Kurzarbeit angemeldet, aber in Österreich ist im Moment nichts geplant”, erklärte der CEO. Unter dem jetzigen Ausblick rechne er nicht damit, dass hier nochmals Kurzarbeit in Anspruch genommen werden muss. In der Autoindustrie dürfte es auch noch in den kommenden Monaten zu Lieferproblemen infolge des generellen Chipmangels kommen. In dem deutschen Automotive-Werk des Konzerns gehe es darum, “diese Stillstände, die auch sehr kurzfristig auftreten können, abzufedern”.

Da und dort komme es in Deutschland auch wegen des jüngsten Hochwassers zu Lieferverzögerungen. “An und für sich haben wir die Werke im Wesentlichen versorgt. Es hat kurzfristig Probleme bei der Schifffahrt gegeben, aber wir sind logistisch gut aufgestellt und können auf die Bahn ausweichen”, berichtete der Konzernchef. “Eine schwierige Zeit, aber alles gut überstanden.”

Von: apa

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