"Täglich 60.000 Überweisungen"

VW-Anwalt: Im Vergleich haben erste deutsche Kunden ihr Geld erhalten

Donnerstag, 07. Mai 2020 | 13:20 Uhr

Die ersten deutschen VW-Kunden, die im Dieselskandal einen Vergleich mit dem Autokonzern geschlossen haben, haben am Donnerstag laut Konzernanwalt Christopher Hauss ihr Geld erhalten. 15.000 Kunden hätten die individuelle Vergleichssumme auf ihrem Konto, schrieb Hauss im Kurzbotschaftendienst Twitter. Insgesamt seien bereits 46 Mio. Euro überwiesen worden.

Täglich würden 60.000 weitere Überweisungen getätigt, erklärte Hauss. VW und der deutsche Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hatten sich Ende Februar auf einen Vergleich für gut 262.000 vom Abgasskandal betroffene Dieselfahrer geeinigt. Bis zum 30. April schlossen 235.000 Kunden diesen Vergleich ab. VW zahlt ihnen nach eigenen Angaben insgesamt über 750 Mio. Euro.

Österreicher und zigtausende VW-Fahrer aus anderen Ländern sind vom Vergleich ausgeschlossen.

Volkswagen hatte im September 2015 zugegeben, in weltweit elf Millionen Fahrzeugen eine illegale Software eingesetzt zu haben.

Diejenigen unter ihnen, die sich für den Vergleich entschieden, bekommen nach Angaben von VW je nach Fahrzeugtyp und Modelljahr Beträge von mindestens 1.350 Euro bis maximal 6.250 Euro. Im Schnitt sind das rund 15 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises.

Vor dem deutschen Bundesgerichtshof (BGH) wurde am Dienstag eine Schadenersatzklage eines vom Dieselskandal betroffenen Kunden verhandelt. Der Vorsitzende Richter äußerte Zweifel an der Position von VW, wonach den Kunden durch die Abschalteinrichtung kein Schaden entstanden sei. Der Kläger könne einen Anspruch auf Rückzahlung des Kaufpreises haben, müsse sich aber eine Nutzungsentschädigung anrechnen lassen, sagte der Höchstrichter.

Der österreichische Verbraucherschützer Peter Kolba, dessen Verein VSV in dem Fall rund 600 geschädigte Österreicher und Südtiroler vertritt, hat die BGH-Aussagen positiv gewertet. Bisher habe es in Deutschland nämlich kein Höchstgerichtsurteil gegeben, das gesagt hätte, dass die Handlungen von VW eine sittenwidrige Schädigung seien und daher Schadenersatz in Form von Rückabwicklung zu leisten sei. Dass der BGH Volkswagen den Abzug einer Nutzungsentschädigung für die Zeit, in der der Kläger das Auto gefahren, zugesteht, sei ein Wermutstropfen.

Das BGH-Urteil soll am 25. Mai verkündet werden. An der höchstrichterlichen Entscheidung können sich die Gerichte in Deutschland dann orientieren.

Von: AFP

Bezirk: Bozen