VW-Konzernchef Müller verspricht Reduktion der Diesel-Emissionen

VW-Konzern will vier Millionen Diesel nachrüsten

Donnerstag, 27. Juli 2017 | 17:46 Uhr

Knapp eine Woche vor dem Diesel-Gipfel in Berlin hat Volkswagen die Nachrüstung weiterer Autos angekündigt. “Der Volkswagen-Konzern wird anbieten, vier Millionen Fahrzeuge nachzurüsten und damit die Emissionen deutlich zu reduzieren”, sagte Volkswagen-Chef Matthias Müller am Donnerstag nach einem Treffen mit der deutschen Umweltministerin Barbara Hendricks.

“Wir wissen um unsere Verantwortung für Arbeitsplätze und Umwelt und wollen einen Beitrag zum Erfolg des Gipfels liefern.” Konzernkreisen zufolge sind bei den vier Millionen bereits bestehende Rückrufe mit eingerechnet. So hat die VW-Tochter Audi bereits die Umrüstung von bis zu 850.000 Fahrzeugen angekündigt.

Hendricks sagte, auch die Politik müsse Selbstkritik üben: “Es ist wohl so, dass der Staat es häufig an Distanz zur Autoindustrie hat mangeln lassen.” Die Kontrollen müssten ausgeweitet werden. “Ich halte es für erforderlich, dass wir eine Kontrollbehörde in einem anderen Ressort ansiedeln müssen.” Neben dem Verkehrsressort könne dies das Umwelt- oder Verbraucherschutzministerium sein.

Der Diesel-Gipfel mit Vertretern von der deutschen Bundesregierung, Industrie, Ländern und Gewerkschaften will am kommenden Mittwoch Beschlüsse fassen, mit denen drohende Fahrverbote wegen zu hoher Stickoxid-Werte (NOx) vermieden werden können. Daimler hat bereits den Rückruf von drei Millionen Autos der Abgasnormen Euro-5 und Euro-6 angekündigt.

Hendricks sagte, diese Nachrüstungen durch die Installation neuer Software könnten nur ein erster Schritt sein. Es sei unklar, ob dies ausreiche, Fahrverbote vor Gericht zu verhindern. Die Diesel- und Benzin-Autos könnten ohnehin nur eine Übergangslösung sein, mittel-und langfristig müsse es emissionsfreie Antriebe geben. Ein Verbot des Verkaufs von fossilen Verbrennungsmotoren, wie es Frankreich und Großbritannien angekündigt haben, beurteilte sie skeptisch. Angesichts der Klimavorgaben würden um diesen Zeitraum herum allerdings auch in Deutschland solche Fahrzeuge nicht mehr verkauft werden.

Hendricks sagte, angesichts der Affären um manipulierte Abgasreinigungen und mutmaßliche Kartellabsprachen stehe die Industrie vor einschneidenden Änderungen: “Das ist ein Wendepunkt.” Die Kartellvorwürfe gegen die Autohersteller würden die Agenda des Diesel-Gipfels zwar nicht ändern. “Aber es beeinflusst die Atmosphäre.

Unterdessen hat Deutschlands Verkehrsminister Alexander Dobrindt im Dieselskandal ein Zulassungsverbot für bestimmte Fahrzeuge des Modells Porsche Cayenne verfügt. Der Minister erklärte diesen Schritt am Donnerstag mit einer illegalen Software für die Abgassteuerung, die in dem Fahrzeug verbaut sei.

Bei einem Modell des Porsche Cayenne ist eine unzulässige Abschalteinrichtung für die Reinigung von Abgasen festgestellt worden. Für europaweit 22.000 Fahrzeuge des Cayenne 3 Liter TDI werde nun ein Pflicht-Rückruf angeordnet, sagte Dobrindt. Zuvor hatte die “Bild”-Zeitung darüber berichtet. Zudem werde ein Zulassungsverbot für die betroffenen Modelle erlassen, so dass keine weiteren Fahrzeuge auf den Markt kommen können.

Von: APA/ag,