Diess könnte in die Chefrolle wechseln

VW plant Konzernumbau – Österreicher Diess soll Chef werden

Dienstag, 10. April 2018 | 22:17 Uhr

Der frühere BMW-Manager und aktuelle VW-Markenchef Herbert Diess wird aller Voraussicht nach neuer Vorstandschef der gesamten Volkswagen-Gruppe. Der 59-jährige Österreicher soll bald Matthias Müller an der Spitze des weltgrößten Autokonzerns ablösen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag aus Aufsichtsrats- und Unternehmenskreisen.

Insidern zufolge ist der Schritt im Rahmen eines größeren Konzernumbaus zu sehen, die insgesamt vorgesehenen Veränderungen in Wolfsburg seien umfassend. Auch andere Medien wie das “Handelsblatt”, die “Bild”-Zeitung oder die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” berichteten darüber.

Der geplante Umbau soll nach Darstellung aus Aufsichtsrats-Kreisen einen “Aufbruch” bei Europas größtem Autokonzern ermöglichen. Wie die Deutsche Presse-Agentur am Dienstagabend aus Kreisen des Kontrollgremiums erfuhr, wird dem amtierenden Konzernchef Müller intern Entscheidungsschwäche vorgeworfen. Der notwendige Umbau gehe nicht schnell genug, hieß es mit Blick auf den grundlegenden Wandel der Automobilindustrie. Die Zukunftsthemen sind alternative Antriebe und das autonome Fahren, dies bringt große Veränderungen mit sich.

Der neue starke Mann im Konzern als Nachfolger Müllers soll Diess werden, er gilt als entscheidungsstärker. Diess war früher BMW-Vorstandsmitglied und ist seit Sommer 2015 bei VW, kurz bevor der Diesel-Abgasskandal ins Rollen kam. Der 59-Jährige galt bereits länger als “Kronprinz” Müllers (64).

Der frühere Porsche-Chef Müller war kurz nach Bekanntwerden des Abgasskandals im Herbst 2015 neuer VW-Konzernchef geworden. Er hatte damals den langjährigen Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn abgelöst, der zurückgetreten war.

Im Zuge des geplanten Umbaus soll außerdem ein enger Vertrauter von Betriebsratschef Bernd Osterloh neuer VW-Personalvorstand werden. Den Posten übernehmen soll Gunnar Kilian, aktuell Generalsekretär des VW-Konzernbetriebsrates, wie die Deutsche Presse-Agentur am Abend aus Kreisen des Aufsichtsrats erfuhr.

Kilian soll den bisherigen Personalvorstand Karlheinz Blessing ablösen. Das hatte zuvor der “Spiegel” berichtet, über die geplante Ablösung Blessings auch das “Handelsblatt”. Der einflussreiche VW-Betriebsratschef Osterloh sitzt auch im Aufsichtsrat. Blessing ist erst seit Anfang 2016 im Amt.

VW selbst hatte in einer Mitteilung an die Finanzwelt angekündigt, man prüfe “eine Weiterentwicklung der Führungsstruktur”. Dies schließe Änderungen bei den Verantwortlichkeiten ein, jedoch womöglich auch “eine Veränderung im Amt des Vorstandsvorsitzenden”.

Welche Punkte im Einzelnen vorgesehen sind und was dies konkret für die Zukunft Müllers bedeuten würde, war vorher unklar geblieben – Volkswagen machte zunächst keine weiteren Angaben dazu. Der Vertrag von Müller (64) läuft eigentlich noch bis 2020. Diess kam 2015 von BMW und handelte unter anderem das Reform- und Sparprogramm “Zukunftspakt” bei der Stammsparte mit dem mächtigen Betriebsrat aus.

Müller habe seine “grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, an den Veränderungen mitzuwirken”, erklärte VW. An diesem Freitag soll nach dpa-Informationen der Aufsichtsrat zusammenkommen. Dabei dürfte es um eine mögliche Abspaltung des Lkw-Geschäfts und Top-Personalien gehen.

Von: APA/dpa/ag.

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