MyRight will im VW-Rechtsstreit um Schadensersatz nachlegen

VW-Skandal: MyRight kündigt weitere Schadensersatzklagen an

Donnerstag, 13. September 2018 | 15:32 Uhr

Im Rechtsstreit um Schadensersatz für manipulierte Dieselautos von Volkswagen will die Klägerseite nachlegen. Der Rechtsdienstleister MyRight kündigte am Donnerstag 13.000 weitere Klagen an, die bei verschiedenen Gerichten eingereicht werden sollen. Damit vertritt die Firma, die mit der auf solche Fälle spezialisierten US-Kanzlei Hausfeld zusammenarbeitet, nach eigenen Angaben rund 37.000 Kläger.

In absehbarer Zeit könnten weitere 7.000 Fälle hinzukommen, bei denen die Erfolgsaussichten geprüft worden seien. Zudem hätten sich knapp 9.000 Autohalter auf der Internetseite von MyRight registriert, die Firma aber noch nicht beauftragt.

MyRight steht unter Zugzwang, weil Kläger ihre Ansprüche demnächst kostenlos bei der Verbraucherzentrale Bundesverband anmelden können. Die Verbraucherschützer haben eine Musterfeststellungsklage gegen Volkswagen angekündigt hat, mit der Besitzer von manipulierten Diesel-Autos entschädigt werden sollen. Die Klage, die vom ADAC unterstützt wird, soll mit Inkrafttreten des Gesetzes zur Musterfeststellungsklage Anfang November beim Oberlandesgericht Braunschweig eingereicht werden. Besitzer von manipulierten Diesel-Fahrzeugen der Marken VW, Audi, Skoda oder Verbraucher, die einen dieser Wagen verkauft haben, können sich der Klage anschließen.

MyRight-Chef Jan-Eike Andresen sagte, während bei der Musterfeststellungsklage jeder Betroffene seinen Schaden im Anschluss vor Gericht selbst belegen müsse, arbeite MyRight wie ein Inkassounternehmen. Dabei treten die Kläger ihre Ansprüche an den Dienstleister ab, hinter dem der börsennotierte Prozesskostenfinanzierer Burford aus den USA steht. Sie müssen sich dann um nichts weiter kümmern. Im Erfolgsfall kassiert MyRight 35 Prozent Provision vom Gewinn.

Die Hamburger Legal-Tech-Firma streitet seit dem vergangenen Jahr mit dem Landgericht Braunschweig über die Zulassung einer Sammelklage, hinter der rund 15.000 VW-Kunden stehen. Das Gericht hatte kritische Fragen zur Finanzierung von MyRight gestellt, woraufhin der Rechtsdienstleister einen Befangenheitsantrag gegen die Kammer stellte. Darüber soll demnächst entschieden werden. In den Fällen geht es um Forderungen von insgesamt 357 Mio. Euro. Gegen die Zurückweisung einer Musterklage durch das Landgericht Braunschweig hatte MyRight Berufung beim Oberlandesgericht eingelegt und will nötigenfalls bis vor den Europäischen Gerichtshof ziehen. Weitere Klagen liegen bei Gerichten in München, Berlin und in Nordrhein-Westfalen.

Vor dem OLG Braunschweig läuft seit dieser Woche zudem ein Musterprozess von Anlegern gegen Volkswagen. Sie werfen dem Wolfsburger Autokonzern vor, zu spät über den Abgasskandal in den USA informiert zu haben und verlangen Schadensersatz für erlittene Kursverluste. Musterklägerin ist die Fondsgesellschaft Deka Investment.

Von: APA/ag.