Die Qualität einer Box ist nicht allein entscheidend für guten Klang

Warum gute Boxen allein nicht reichen

Donnerstag, 11. Juli 2019 | 17:18 Uhr

Toller Sound hängt nicht nur von der Qualität der Lautsprecher ab. Wenn sie nicht am richtigen Platz stehen oder schlecht ausgerichtet sind, können auch teure Boxenpaare nur mäßig klingen. Außerdem spielt die Raumakustik eine wichtige Rolle.

Für satten Sound daheim geben viele Menschen gerne etwas mehr Geld aus. Doch ob sie gut klingen, dafür ist nicht allein die Güte der Anlagen, Komponenten und Lautsprecher verantwortlich.

Ein wichtiger Punkt ist die Platzierung der Boxen. “Man hört kein Stereo, wenn man sich nicht um die Aufstellung kümmert”, fasst Ralph Werner, Herausgeber des Online-Hi-Fi-Magazins “Fairaudio”, zusammen. Klangcharakter und Präzision der Musikwiedergabe seien davon deutlich beeinflusst. Es gebe klare Grundregeln: Stehen die Boxen etwas weiter voneinander entfernt, werde das Klangbild luftiger und leichter. Seien sie näher beieinander, wirkten Stimmen in der Mitte solider und körperlicher. “Hier darf der persönliche Geschmack entscheiden”, meint der Experte.

Dasselbe gilt für die Ausrichtung. Sind die Lautsprecher parallel abstrahlend ausgerichtet, werde der Klangraum größer und wiederum luftiger, so Werner. Richtet man die Boxen dagegen auf die Ohren aus, entstehe eine höhere Abbildungspräzision, die Verteilung von Stimmen und Instrumenten im Klangraum werde eindeutiger. Eventueller Nachteil: Höhen könnten aggressiv überspitzt aufspielen.

Malte Ruhnke, Chefredakteur der Fachzeitschrift “Stereoplay”, gibt einen zusätzlichen Tipp: Man könne die Lautsprecher “übereinwinkeln”, sodass sich die Schallwege der beiden Boxen vor der Hörposition kreuzen. Effekt: Die Höhen werden wieder weicher, die Abbildungspräzision wird dennoch gefördert.

Bei der Grundaufstellung müssen Hi-Fi-Fans deutlich weniger experimentieren. Hoch- und Mitteltöner sollten möglichst in Ohrhöhe platziert sein, Lautsprecher und Zuhörer als Punkte stets ein gleichseitiges Dreieck bilden.

Der Abstand vom Hörerplatz zu den Boxen sollte nicht zu groß sein, empfiehlt Ruhnke: “Der richtige Hörabstand zu den Boxen beträgt bei den meisten Kombis zwischen zwei und zweieinhalb Metern, nicht mehr.” Dann falle das Klangbild “dynamischer, neutraler und klarer” aus.

Beide Fachleute erwähnen außerdem den Abstand zu den Wänden hinter und neben den Lautsprechern. Stehen sie zu nah an der Wand könne der Bass überbetont werden. Idealabstände nennen sie nicht, da diese von den Boxenmodellen abhingen. Bassschwächere Varianten profitieren unter Umständen sogar von einer nahen Platzierung, so Werner.

Der Hörer wiederum sollte in allen Fällen Abstand zu den Wänden halten. Ist direkt hinter ihm eine Mauer, so Ruhnke, “dickt dies den Bass ebenfalls auf”.

Erfordern große Räume große Boxen? Nein, lautet die Antwort der Fachleute. “Hier Beziehungen herzustellen, ist vollkommener Unsinn”, sagt Ruhnke. Allenfalls der Durchmesser des Basslautsprechers könnte eine Richtlinie sein. Hier gilt: “Für kleine Räume sind 13 Zentimeter Durchmesser ungefähr das Minimum, bei mittleren 16, bei größeren dann 20 Zentimeter. Oder die Box besitzt mehrere Bässe.”

Doch stets kommt es auf das jeweilige Modell an. Werner warnt ausdrücklich: “Ein häufig gemachter Fehler von Hi-Fi-Fans ist der Kauf von zu großen Boxen.” Bis 20 Quadratmeter Raumfläche etwa seien Regalboxen ausreichend.

Ein Faktor, dem die Spezialisten hohe Bedeutung beimessen, ist die Raumakustik: “Sie ist so wichtig wie das Lautsprechermodell”, betont Werner und führt aus: “Ein normal eingerichtetes Wohnzimmer ist eine gute Grundlage.” Ein nüchterner Einrichtungsstil mit viel Fensterfläche sei dagegen eher problematisch.

Ruhnke präzisiert dies weiter: “Sogenannte schallharte Flächen produzieren zu viel Raumhall, die Hi-Fi-Wiedergabe klingt dann diffus, aggressiv, scheppernd oder schrill.” Wände, Fenster oder Tische, die zwischen Lautsprecher und Hörer stehen, zählten hierzu.

Stoffe, Teppiche und Ähnliches dagegen dämpften den Schall, insbesondere die Höhen. Für den Mitteltonbereich seien Polstermöbel als Schallschlucker geeignet. Werner hält voluminöse, L-förmig in den Raumecken angeordnete Sofas für hervorragende Bassschlucker, wenn es zu sehr dröhnt. Falls doch eine Wand direkt hinter dem Hörerplatz ist, rät er, dort ein etwas breiteres Bücherregal zu platzieren.

Letztlich dient eine passende Zimmereinrichtung als das, was Profis sonst aufwendig und zum Teil kostspielig extra anfertigen: Diffusoren und Absorber für Wände und Decken. “Diffusoren teilen den Schall in kleine Portionen und streuen diese im ganzen Raum”, erklärt Werner. Dazu zählten alle aufgerauten und unregelmäßigen Strukturen, etwa ein Bücherregal, Stoffbilder oder eine größere Stehpflanze. Spiegel oder ein Regal mit Flaschen und Gläsern seien hingegen bereits wieder “harte” Flächen.

Absorber nehmen gegenüber Diffusoren “Energie aus dem Schall”, so Werner. Die Musik wirke dann gedämpfter, Bässe werden präziser. Unter anderem Sofas, schwere Gardinen und Vorhänge oder dicke Teppiche auf Parkett funktionierten auf diese Weise. Ruhnke: “Es kommt auf ein gesundes Verhältnis von Absorption, Reflexion und Diffusion an.”

Für den Feinschliff kann man in den Geräten integrierte oder zusätzliche Messgeräte verwenden. Hier werden Testtöne über die Lautsprecher verschickt und rund um die Hörerposition per Mikrofon überprüft. Allerdings schwankt die Qualität der Systeme – und einen Fachmann für die optimale Einstellung nach Hause zu holen, ist doch relativ teuer.

Letztlich machen beide Klangspezialisten deutlich: Wenn die Raumausstattung zu sehr vernachlässigt wurde oder die Boxen unsymmetrisch aufgestellt wurden, kann auch die beste Klangeinmessung das nicht ausgleichen.

Von: APA/dpa