TIS-Tagung zu Druckrohrleitungen zeigt Südtirols Sicherheitskompetenz

Wasserkraft in Südtirol: Alles unter Kontrolle!

Freitag, 17. April 2015 | 17:37 Uhr

Bozen – Rost und Risse waren die zentralen Themen einer Veranstaltung des TIS innovation park am Freitag, 17. April im Wasserkraftwerk Kardaun der SEL. 90 Experten aus dem In- und Ausland diskutierten innovative Kontroll- und Inspektionsmöglichkeiten von Druckrohrleitungen in Wasserkraftwerken – von Ultraschalluntersuchungen bis Magnetpulverprüfungen. Veranschaulicht wurde welche Rolle beispielsweise Drohnen und Roboter künftig bei der Inspektion spielen können. Organisiert wurde die Tagung vom Cluster Zivilschutz & Alpine Sicherheit des TIS in Zusammenarbeit mit Südtiroler Unternehmen des Sektors.

Wichtigste Erkenntnis der Tagung: auch wenn die meisten Druckrohrleitungen in Wasserkraftwerken im Durchschnitt um die 70 Jahre alt sind, gibt es in Südtirol ausreichend Know-how, um die Sicherheit der Bevölkerung zu garantieren und Ausfallzeiten von Wasserkraftwerken zu verhindern.

„Südtirol nutzt die Wasserkraft und hat den Sicherheitsaspekt sehr gut im Griff“, resümiert Sebastian Mayrgündter, Manager des Cluster Zivilschutz & Alpine Sicherheit des TIS. „Bei dieser Tagung ging es uns darum aufzuzeigen, welche neuen Technologien es gibt, die man für die Kontrolle von Druckrohrleitungen nutzen kann, um noch mehr Sicherheit garantieren zu können. Und es ging uns darum einen internationalen Abgleich zwischen Italien, Österreich und der Schweiz vorzunehmen“, so Mayrgündter weiter.

Kontroll-, Inspektions- und Reinigungsverfahren

Magnetisierungs- und Ultraschallverfahren sind effektive Methoden um die großen Druckrohrleitungen von Wasserkraftwerken auf Risse zu untersuchen. Einen Überblick über alle so genannten „zerstörungsfreien Prüfungen“ gab unter anderem Mario Lanzani vom italienischen Verband für zerstörungsfreie Prüfverfahren (AIPnD).

Dem Thema Korrosionsschutz – also der Bekämpfung von Rost – widmete sich dann der Schweizer Experte Ferdi Rickenbacher. Rickenbacher führte aus, dass „vertiefte Überprüfungen der Restwanddicke“ bei alten Druckrohrleitungen sinnvoll ist.

Der Südtiroler Armin Kager vom Unternehmen Hydro Safety erläuterte, welche Rolle innovative Geoinformationssysteme und andere IT-Lösungen bei der Inspektion und Instandhaltung von Rohrleitungen spielen können.

Die Inspektionsarbeiten an schwer zugänglichen Orten standen dann im Mittelpunkt der Ausführungen von Karl Lobis vom Unternehmen TESO Technical Solutions.

Dass man Druckrohrleitungen bestens mit Höchstdruckwasserstrahltechnik reinigen kann, erklärte der Südtiroler Unternehmer Armin Burger vom Unternehmen Idroservice Italia.

Drohnen und Mini-Roboter

Eine besondere Rolle bei der Inspektion von Druckrohrleitungen werden künftig Drohnen und Roboter spielen. Dabei durchqueren diese mit entsprechender Software und Kamera ausgestatten Geräte die Rohre und ermöglichen so eine Endoskopie der Druckrohre.

Einen kleinen Vorgeschmack auf diese spannenden Inspektionsverfahren gab es dann bei einer Drohnen-Vorführung, die erahnen ließ, welche Möglichkeiten Drohnen bei dieser Art von Einsatz eröffnen.

„Wir sind froh darüber, dass das TIS diese Tagung organisiert hat, um über Sicherheitsaspekte von bestehenden Wasserkraftwerken und über Anwendungsbereiche innovativer Verfahren und Technologien zur Kontrolle von Druckrohrleitungen zu diskutieren“, erklärt Rudolf Pollinger, Direktor der Abteilungen Wasserschutzbauten und Zivilschutz und einer der Teilnehmer an der Tagung. „Wir haben heute Informationen auf einem sehr hohen Stand der Technik bekommen und konnten gleichzeitig feststellen, dass einige heimische Unternehmen in diesem Sektor eine sehr hohe Kompetenz aufweisen können“, so Pollinger.

Staudämme

Wo Wasserkraftwerke sind, da sind Staudämme nicht weit. Und in der Tat gibt es in der Region Trentino-Südtirol fast 40 Staudämme. Rinaldo Murano vom Ministerium für Infrastrukturen und Transportwesen ging in seinem einführenden Vortrag auf die verbesserten Sicherheits-standards und Kontrollen für Staudämme in Italien ein. Diese gelten in besonderer Weise für die Vergabe von Konzessionen beim Bau neuer Staudämme. Derzeit befinden sich italienweit über 100 Staudämme im Bau oder in der Testphase. Fast 400 Staudämme sind italienweit bereits in Betrieb. Diese Tatsache belegt, dass Technologien und Verfahren, die die Sicherheit von Wasserkraftwerken und deren Rohrleitsysteme garantieren, einen großen Markt haben.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen