Indien ist der zweitgrößte Weizenproduzent der Welt

Weizenpreis steigt auf Rekordpreis von 438,25 Euro pro Tonne

Montag, 16. Mai 2022 | 20:32 Uhr

Der durch den russischen Angriff auf die Ukraine ohnehin schon hohe Weizenpreis wird durch die Hitzewelle im wichtigen Anbauland Indien weiter nach oben getrieben. Im europäischen Handel an der Börse Euronext erreichte eine Tonne Weizen am Montagmorgen einen Schlusskurs von 438,25 Euro. Das ist der höchste Preis der Geschichte.

Das bisherige Rekordhoch von 422 Euro für eine Tonne des Brotgetreides war erst am Freitag verzeichnet worden. Hintergrund des Preisanstiegs ist, dass Indien Ende vergangener Woche ein Exportverbot für Weizen verkündet hatte. Das Land ist der zweitgrößte Weizenproduzent der Welt – 2021 waren es knapp 110 Millionen Tonnen – und verfügt über große Vorräte.

Aktuell leidet Indien aber unter den Folgen sengender Hitze: Das 1,4-Milliarden-Einwohner-Land verzeichnete den wärmsten März seit Beginn der Aufzeichnungen; in den vergangenen Wochen wurden Temperaturen von bis zu 45 Grad Celsius gemessen, die sich auch auf die Ernte auswirken. Die Ertragsschätzung für dieses Jahr wurde bereits um mindestens fünf Prozent nach unten korrigiert.

Mit dem Ausfuhrstopp will die Regierung in Neu Delhi nun vor allem die Versorgungssicherheit im Land selbst gewährleisten. Handelsminister BVR Subrahmanyam betonte aber, dass Exporte mit ausdrücklicher Genehmigung der Regierung künftig weiter erlaubt seien.

Zwar ist Indien – anders als die Ukraine und Russland – kein bedeutender Exporteur für den Weltmarkt. Der Großteil der Ernte wird zur Versorgung der eigenen Bevölkerung verwendet; fast die Hälfte aller Weizenausfuhren geht ins benachbarte Bangladesch.

Aber da der Ukraine-Krieg zu einer Verknappung von Weizen auf dem Weltmarkt geführt hat, bekam Indien zuletzt eine wachsende Bedeutung bei der Frage, wie Ländern geholfen werden könnte, die besonders stark von Importen aus der Ukraine oder Russland abhängen – beispielsweise in Nordafrika und im Nahen Osten.

Indien hatte ursprünglich in Aussicht gestellt, die im Zuge des Ukraine-Kriegs entstandenen weltweiten Versorgungsengpässe, die durch Preissteigerungen bei Dünger und Energie noch weiter angetrieben werden, durch eine Steigerung seiner Weizen-Exporte von sieben Millionen auf rund zehn Millionen Tonnen lindern zu können.

Vergangene Woche kündigte die Regierung an, dafür sollten Delegationen nach Ägypten, in die Türkei und in andere Länder reisen, um über eine Ausweitung der Weizenexporte zu beraten. Ob diese Besuche nun weiterhin stattfinden sollten, war am Montag unklar.

In Indien selbst war die Inflation zuletzt deutlich in die Höhe geschnellt. In einigen Landesteilen zogen die Preise für Weizen und Mehl nach Angaben des Handelsministers in den vergangenen Wochen um 20 bis 40 Prozent an. Zudem verkauften einige Landwirte wegen des starken Preisanstiegs auf den Weltmärkten an Händler und nicht an die Regierung.

Neu Delhi sorgt sich deshalb insbesondere um den Puffervorrat des Landes im Umfang von rund 20 Millionen Tonnen, der zur Abwendung einer möglichen Hungersnot dienen soll, zuletzt aber auch in Folge der Corona-Krise zu großen Teilen aufgezehrt worden war.

Von: APA/AFP

Kommentare

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11 Kommentare auf "Weizenpreis steigt auf Rekordpreis von 438,25 Euro pro Tonne"


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TheWitcher
TheWitcher
Grünschnabel
1 Monat 9 Tage

Das Problem ist nicht das Weizen sondern die Spekulanten die die Preise in die höhe Treiben!

Reporter
Reporter
Neuling
1 Monat 9 Tage

Einfach nur lächerlich, Indien verbrauchte bereits vorher das Weizen selbst. Exportieren 2020/21 keine 2% vom Welt-Export.
Zurzeit herrscht dort eine Dürre und daher wird auch nichts mehr exportiert. Schaut euch doch mal die Export Statistik an:
Russland 19,67%
EU 14,96%
Kanada 13,95%
USA 13,43%
Australien 9,92%
Ukraine 8,48%
Sonstige Länder 5,09%
Argentinien 4,83%
Kasachstan 4,09%
Türkei 3,31%
Indien 1,81%
Brasilien 0,46%

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 9 Tage

Laut diesem Artikel sind sie der zweitgrößte Produzent
https://www.suedtirolnews.it/wirtschaft/indien-verbietet-weizenexporte-kritik-der-g7

Aber du magst recht haben und sie brauchen schon bisher den Großteil selbst.
Wenn der internationale Preis steigt, würden die Hersteller ohne von oben verordnete Einschränkung mehr exportieren. Die Dürre würde das Problem noch schlimmer machen.

Reporter
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Neuling
1 Monat 9 Tage

@Neumi Die Preissteigerung bezüglich Exportverbot finde ich lächerlich, da Indien fast nichts exportiert.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 8 Tage

Den Überschuss den Indien hatte, ging mehrheitlich nach Bangladesh. Das wird ein ernstes Problem!

hage
hage
Superredner
1 Monat 9 Tage

oje, dann müssen die vegetarier Fleisch essen!

Grünschnabel
1 Monat 9 Tage

Es ist leider zu befürchten, daß diese Preise noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sind. Und die Ursachen dafür liegen nicht nur im Ukrainekrieg. Die hemmungslose Gelddruckerei der letzten Jahre fordert halt auch irgendwann ihren Tribut.

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
1 Monat 9 Tage

Dürre und Missernten werden uns immer öfter begleiten. Der Mangel an Nahrungsmittel wird auch im Ukrainekrieg zur Waffe gegen uns, weil damit der Migrationsdruck insbesondere aus der Subsahara auf Europa zunimmt, was zu politischen Spannungen und Rissen in unserer Gesellschaft führt. Lukaschenko hat es ja schon im vergangenen Winter an der Grenze zu Polen versucht, allerdings mit plumpen Methoden.

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage

Genau zu diesen Thema gibt es diese Woche einen Vortrag.

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage

Interessanter Vortrag zu diesen Thema!

Tigre.di.montana
Tigre.di.montana
Superredner
1 Monat 8 Tage

Russland raubt Weizen aus der Ukraine und bombardiert ukrainische Getreidesilos. Was erwarten wir anderes von einem Verbrecherstaat?

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