Full-HD-Auflösung ist mittlerweile der Standard bei neuen Camcordern

Wer braucht noch einen Camcorder?

Donnerstag, 22. September 2016 | 11:56 Uhr

Der Camcorder hat es schwer: Smartphones und Digitalkameras wildern in seinem Revier. Doch es gibt durchaus noch Argumente, die für die Anschaffung einer spezialisierten Mini-Filmkamera sprechen.

Sie werden immer seltener: Hobbyfilmer, die im Urlaub, auf Konzerten oder Familienfeiern mit klassischen Camcordern bewegte Bilder einfangen. Stattdessen sind es Smartphones und Tablets, mit denen mittlerweile nicht nur scharfe Fotos, sondern auch ganz ansehnliche Filme gelingen. Trotzdem steigt der Absatz von Camcordern. Das liegt vor allem an den boomenden Actioncams für Sportler und Outdoor-Fans.

“Der Höhenflug einer Produktkategorie ist immer endlich”, sagt Joachim Sauer von der Zeitschrift “Videoaktiv”. Er geht allerdings davon aus, dass auch noch in einigen Jahren Actioncams und Camcorder mit stabilen Zahlen verkauft werden. Genau wie in der Fotografie werde aktuell beim Filmen die Einsteigerklasse von den Smartphones abgedeckt. “Im gehobenen Segment sind die Filmer schon wieder dabei, zum Camcorder zurückzukehren, denn letztlich ist die Handhabung um ein Vielfaches besser.” In den Augen des Experten ist das Filmen mit einem Smartphone trotzdem keine Spielerei, da sie auch von der Bedienung her unkompliziert sind. “Wer einfach ein Erlebnis festhalten will und auf den Zoom und eine richtige Schärfeeinstellung verzichten kann, ist gut bedient”, sagt Sauer.

Bei Digitalkameras stehen nur System- und Spiegelreflex-Kameras in Konkurrenz zum Camcorder. Vorteil: Hier kann der Nutzer die Objektive wechseln und so gezielt mit der Schärfe im Bild spielen. Inzwischen geht das jedoch auch mit vergleichsweise günstigen Camcordern.

Im Vergleich zu Smartphones und Fotokameras bescheinigt die Stiftung Warentest Camcordern die beste Bildqualität. Eine Full-HD-Auflösung ist Standard. Die Verbraucherorganisation empfiehlt Modelle mit elektronischem Sucher, allerdings werden die von immer weniger Herstellern verbaut. Deshalb sollte man vor allem auf die Qualität des Bildschirms achten. “Auf einem schlechten Monitor kann der Filmer bei einfallendem Sonnenlicht kaum noch etwas erkennen”, heißt es.

Bevor man sich eine Kamera zulegt, sollte man sich im Klaren sein über deren Einsatzgebiet. Wer als Sportler ins Gelände geht, oder auf Ski und Mountainbike rasante Abfahrten festhalten will, der ist mit einer Actioncam optimal ausgestattet. Alle anderen sollten sich für einen Camcorder entscheiden. “Das gängigste Problem heißt fehlender Weitwinkel. Hier sollte man also auf eine möglichst kleine Brennweite achten”, sagt “Videoaktiv”-Experte Sauer. Auch beim Bildstabilisator gibt es deutliche Unterschiede. Außerdem sollte man das Handling des Geräts unbedingt vor dem Kauf im Geschäft testen. Menüs und Touchscreen-Displays sind generell Geschmacksache. Als Datenträger hat sich bei Camcordern die Speicherkarte durchgesetzt.

Die Stiftung Warentest sieht in Festplatten, DVDs und Videobändern ebenfalls Speichermedien von gestern. Sie rät außerdem zu einem externen Mikrofon, da häufig Autofokus und Zoommotor durch ihre Nähe zum eingebauten Mikrofon für Störgeräusche sorgen.

Der Preisrahmen für einen sehr guten Full-HD-Camcorder liegt bei 500 bis 800 Euro. Camcorder mit Ultra-HD-Auflösung kosten ungefähr das Doppelte, zwischen 1.000 und 1.300 Euro. Nicht nur für Besitzer eines UHD-Fernsehers ergeben sich Sauer zufolge hieraus Vorteile: Bei der Nachbearbeitung kann man ohne negative Auswirkungen auf die Qualität den Bildausschnitt neu festlegen, schwenken oder zoomen.

Ist die richtige Filmkamera gefunden, sollte man auch auf ein gutes Schnittprogramm achten. Damit wird aus den hübschesten Szenen ein ansehnliches Filmchen mit Titel und musikalischer Untermalung. Viele Entwickler bieten hier kostenlose Testversionen an. Diese sollte man auf seinem Rechner installieren, bevor man in die Vollversion investiert. So merkt man bereits nach wenigen Minuten, ob das System mit dem Schnittprogramm zurechtkommt und ob Funktionsumfang und Bedienung den eigenen Ansprüchen genügen.

Und auch der Rechner sollte sich für das Programm eignen: “Die Videonachbearbeitung ist ein Leistungsfresser”, sagt Sauer. Beim Prozessor sollte es mindestens ein Intel i5 sein, dazu acht Gigabyte Arbeitsspeicher. Je nach Systemanforderungen des Schnittprogramms sollten Nutzer auch auf eine passende Grafikkarte achten. Und wenn der Platz auf der Festplatte nicht reicht, hat der Experte auch eine Lösung: Er legt Videoprojekte auf einer externen SSD-Festplatte ab, die über USB 3.0 angeschlossen wird.

Von: APA/dpa

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